Wirtschaft

Schon wieder Produktionsmängel Boeing quält sich mit dem 787 Dreamliner

imago77454068h.jpg

Ein Problemflugzeug.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Flugzeughersteller Boeing entdeckt wieder ein Problem bei der Produktion seines 787 Dreamliners. Das Höhenleitwerk ist betroffen. Es dient zur Stabilisierung und Steuerung der Fluglage. Im Ringen um verlorengegangenes Vertrauen ist das ein weiterer harter Schlag.

Probleme mit dem Langstreckenjet 787 Dreamliner setzen den kriselnden US-Flugzeugriesen Boeing weiter unter Druck. Der Airbus-Rivale räumte ein, dass Inspektionen aufgrund möglicher Produktionsmängel an dem Modell für Verzögerungen bei den Auslieferungen sorgen. Diesmal ist das Höhenleitwerk betroffen, das zur Stabilisierung und Steuerung der Fluglage dient, wie das Unternehmen mitteilte. Boeing betonte, dass die Probleme nicht ausgelieferte Jets beträfen. Sie seien "Anfang dieses Jahres" entdeckt worden. Boeing wolle die Flugzeuge zunächst gründlich untersuchen. Die Aktie reagierte mit Kursverlusten.

Boeing
Boeing 232,71

Boeing lieferte im August vier Flugzeuge des Typs 787 aus, weiterhin werden mit zehn produzierten Flugzeugen pro Monat mehr gefertigt als an Kunden ausgeliefert. Das "Wall Street Journal" hatte am Vortag unter Berufung auf Regierungsunterlagen und eingeweihte Kreise über Untersuchungen der US-Luftfahrtaufsicht aufgrund möglicher jahrelanger Produktionspannen und Kontrolldefizite berichtet. Die Behörde bestätigte Ermittlungen wegen Mängeln in der Fertigung bei bestimmten Dreamliner-Jets. Es sei zu früh, um über mögliche Konsequenzen hinsichtlich der Flugtauglichkeit zu spekulieren.

Hinweise auf Risiken ignoriert?

Boeing steckt wegen des nach zwei Abstürzen weltweit mit Startverboten belegten Flugzeugmodells 737 Max ohnehin tief in der Krise. Auch Berichte über Mängel bei der 787-Produktion gibt es schon länger. Die "New York Times" schrieb bereits 2019, dass Boeing Hinweise auf Sicherheitsrisiken erhalten, diese jedoch teilweise ignoriert habe. Die Zeitung berief sich auf Hunderte Seiten an internen E-Mails, Dokumente des Unternehmens und Unterlagen von Behörden sowie Interviews mit mehr als einem Dutzend Mitarbeitern.

Für Boeing sind die Dreamliner-Probleme bitter, da der Hersteller nach dem 737-Max-Debakel Vertrauen zurückgewinnen will und die 787 eine wichtige Ertragsstütze ist. Hinzu kommt, dass Boeing auch wegen der Pandemie, die den internationalen Luftverkehr zeitweise fast zum Erliegen und viele Gesellschaften in Finanznot gebracht hat, schon länger unter vielen Auftragsstornierungen ächzt. Auch im August wurden abermals mehr Bestellungen zurückgezogen als neue hinzukamen.

Boeing hatte auch bereits ein Sparprogramm auf den Weg gebracht, um seine Finanzlage zu stabilisieren. Ende April hatte der Konzern angekündigt, zehn Prozent seiner Stellen zu streichen - etwa 16.000 Jobs.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/DJ/AFP