Wirtschaft

Wahl-Nachbeben in der Türkei Börse und Lira reagieren mit Kursrutsch

Nach dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit bei der Parlamentswahl steht die AKP vor einer schwierigen Regierungsbildung. Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen - und das sorgt für eine deutliche Verunsicherung an den Märkten.

Die Börse in Istanbul ist nach der Parlamentswahl in der Türkei stark unter Druck geraten. Der Istanbul-100-Index rutschte gleich zur Eröffnung um 8,2 Prozent auf 75.268 Punkte ab. Das war der niedrigste Stand seit Oktober 2014. Im frühen Handel stabilisierte sich das wichtigste türkische Aktienbarometer nur zaghaft. Der Leitindex notierte am Mittag 5,6 Prozent tiefer bei 77.382 Punkten. Unter anderem wurden Bankenwerte schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit bei der Parlamentswahl steht die islamisch-konservative AKP vor einer schwierigen Regierungsbildung. Laut vorläufigen inoffiziellen Ergebnissen kam sie auf rund 41 Prozent der Stimmen - nach knapp 50 Prozent vor vier Jahren. Experten erklären die Unsicherheit an den Märkten auch damit, dass vorgezogene Neuwahlen nicht ausgeschlossen sind, falls keine Koalitionsbildung in den kommenden zwei Wochen verkündet werden kann.

Turbulenzen gab es ebenfalls bei Staatsanleihen, die klare Verluste hinnehmen mussten. Im Gegenzug ging es mit den Renditen nach oben.

Zentralbank reagiert

Auch bei der türkischen Währung sorgte die Wahl für einen Ausverkauf. Zum Wochenauftakt war die Lira im Handel mit dem US-Dollar um 5,4 Prozent gefallen und erreichte ein neues Rekordtief. Für einen Dollar mussten am Morgen knapp 2,80 Lira gezahlt werden - so viel wie noch nie. Experten der Commerzbank rechnen in den kommenden Tagen mit stärkeren Kursschwankungen bei der Lira.

Um die Lira zu stützen, kündigte die türkische Zentralbank an, die Zinsen für Fremdwährungskonten zu senken. Von Dienstag an sinke der Zinssatz für Anlagekonten in Dollar von vier auf 3,5 Prozent, für Konten in Euro von 2 auf 1,5 Prozent, erklärte die Notenbank.

Quelle: ntv.de, bad/dpa/AFP

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