Wirtschaft

Neunter ZEW-Rückgang Börsianer werden skeptischer

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(Foto: picture alliance / dpa)

Börsenprofis bewerten die Aussichten für die deutsche Konjunktur so schlecht wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Noch immer gibt es reichlich Unsicherheiten bezüglich der weiteren Entwicklung. Allerdings fiel die Eintrübung geringer aus als befürchtet.

Angesichts der weiter bestehenden zahlreichen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung schätzen Börsenprofis die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so schlecht ein wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Die Erwartungen sind im September zum neunten Mal in Folge gesunken. Allerdings fiel der Rückschritt etwas geringer aus als zuletzt und auch nicht so stark wie von Experten berwertet. Die aktuelle Lagebeurteilung fiel allerdings überraschend schlecht aus.

Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mitteilte, sank der entsprechende Index binnen Monatsfrist von 8,6 auf 6,9 Punkte. "Der Abwärtstrend bei den ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland hat sich deutlich verlangsamt", sagte ZEW-Präsident Clemens Fuest. "Doch noch immer ist das wirtschaftliche Umfeld von großer Unsicherheit geprägt."

Dazu verwiesen die Experten auf die Sanktionsspirale mit Russland Zudem sei die Konjunkturentwicklung in der Eurozone "weiterhin enttäuschend". Auch ließen sich die Folgen einer Abspaltung Schottlands schwer einschätzen, sagte Fuest weiter.

Etliche Forscher rudern zurück

Deutlich sank dagegen die Bewertung der aktuellen konjunkturellen Lage in Deutschland. Der entsprechende Indikator sackte um 18,9 auf 25,4 Punkten ab. Auch die Konjunkturerwartungen für die Eurozone trübten sich um ein - der Indikator gibt 9,5 auf 14,2 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verschlechterte sich um 10,0 auf minus 43,8 Punkte.

Nach einem starken Jahresauftakt war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Wirtschaftsforscher haben angesichts der Krisen in der Ukraine und in Nahost ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum jüngst kräftig reduziert, sie gehen aber allgemein von einem dennoch stabilen Wachstum aus.

Anfang der Woche nahm die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognosen für Deutschland von 1,9 auf 1,5 Prozent für das laufende Jahr und von 2,1 auf 1,5 Prozent für 2015 zurück. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) verringerte seine Erwartung für dieses Jahr von 2,0 auf 1,5 Prozent und für nächstes von 2,2 auf 1,8 Prozent. "Auch wenn sich die konjunkturelle Dynamik in Deutschland abgeschwächt hat, sind keine Anzeichen einer beginnenden Rezession zu erkennen", betonten die Essener Ökonomen.

"Man muss davon ausgehen, dass der deutschen Wirtschaft in den Wintermonaten der Wind wieder kälter ins Gesicht bläst", sagte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Ähnlich äußerte sich auch Holger Sandte von der Nordea Bank: "Viel Wachstum ist für den Rest des Jahres nicht zu erwarten."

Quelle: ntv.de, jwu/rts