Wirtschaft

Richtungswechsel nach einem Jahrzehnt Brasiliens Automarkt geht vom Gas

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Weniger Brasilianer leisteten sich im vergangenen Jahr ein neues Auto.

(Foto: REUTERS)

Lange Zeit kennt der brasilianische Automarkt nur eine Richtung: Auch dank staatlicher Hilfen steigen die Autoverkäufe über Jahre. Doch damit ist nun Schluss. Dennoch drängen die Hersteller weiter in das Land.

Dem weltweit viertgrößten Automarkt geht etwas die Puste aus. Im vergangenen Jahr wurden in Brasilien erstmals seit einem Jahrzehnt weniger Fahrzeuge verkauft. Der Branchenverband Anfavea begründete den Rückgang mit der schleppenden Konjunkturentwicklung und dem Ende von Steuererleichterungen.

Im Dezember wurden den Angaben zufolge in dem Schwellenland insgesamt 353.843 Autos, Lastwagen und Busse verkauft. Das waren zwar 17 Prozent mehr als im Vormonat - aber 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Dezember hat dann auch die Jahresbilanz verhagelt: Die Gesamtverkäufe 2013 konnte die Vorjahresrekordmarke von 3,8 Millionen nicht übertreffen. Insgesamt wurden in Brasilien 3,77 Millionen Fahrzeuge abgesetzt.

Zuvor hatte der Branchenverband Anfavea ein Absatzplus von 4,5 Prozent geschätzt, musste dann aber von der optimistischen Prognose abrücken. Die Prognose wurde auf ein Plus von ein bis zwei Prozent zusammengestutzt. In Zahlen wären dies dann 3,88 Millionen verkaufte Fahrzeuge gewesen.

Stotternde Konjunktur bremst Markt

Brasilien spürt zunehmend die Auswirkungen der angeschlagenen Wirtschaft in den Vereinigten Staaten und in Europa, und das Wachstum hat sich abgekühlt. So wies das Land im dritten Quartal beispielsweise durch fallende Investitionen, eine stagnierende Industrie und das Ende der Erntezeit die schwächste Wirtschaftsentwicklung seit zwei Jahren auf.

Nun wirkt sich die stotternde Konjunktur auch auf die Fahrzeugnachfrage aus. Zuletzt war der Autoverkauf 2003 auf Jahressicht rückläufig. Damals wurden in Brasilien rund 1,5 Millionen Fahrzeuge an den Kunden gebracht und danach setzte der Markt zu einem Boom an. Steuererleichterungen beim Autokauf ließen den Absatz 2012 auf einen Rekord schnellen. Die niedrigere Steuer sollte ursprünglich nur auf vier Monate befristet sein, doch die Regierung verlängerte dann diese Maßnahme bis Ende Dezember 2013. Jetzt im Januar wurde die Steuer wieder leicht erhöht. Im Sommer soll sie wieder das alte Niveau erreichen.

Neben den höheren Steuern und der Konjunkturabschwächung sehen sich die Autobauer auch einer weiteren Hürde in Brasilien gegenüber: Ab 2014 gelten neuen Sicherheitsvorschriften. Die nationale Verkehrsbehörde Contran beschloss, dass die Airbag- und ABS-Pflicht für Neufahrzeuge ohne Ausnahme in Kraft treten wird.

Produktionsplus - aber unter der Prognose

Obwohl der Branchenverband Anfavea die Absatzprognose für den Heimatmarkt 2013 stutzen musste, wurde die Prognose für den Fahrzeugbau und Autoexport für den Zwölfmonatszeitraum erhöht. Brasilien hat eine Industriesteuer auf Importautos und -lastwagen, die außerhalb des Landes hergestellt werden. Diese Steuer gilt für Autobauer, deren Fahrzeuge nicht zu mindestens 65 Prozent vor Ort produziert werden und die nicht in Forschung und Entwicklung in Brasilien investierten. Damit will die Regierung die brasilianische Industrie stimulieren. In Brasilien produzieren Konzerne wie Volkswagen und General Motors.

Im Dezember 2013 ging die Fahrzeugproduktion in Brasilien um 12 Prozent zum Vorjahresmonat und 19 Prozent zum Vormonat zurück. Für das gesamte vergangene Jahr zeigt sich aber dennoch ein Plus von 9,9 Prozent. Doch wurde damit die Anfavea-Prognose von knapp zwölf Prozent ebenfalls verfehlt. Insgesamt wuchsen die Exporte im Gesamtjahr um 14 Prozent auf rund 16,6 Milliarden Dollar. Auch hier war der Branchenverband zu optimistisch: Anfavea schätzte das Exportwachstum auf 20 Prozent.

Beliebteste Autohersteller bei den brasilianischen Kunden waren im vergangenen Jahr Fiat vor Volkswagen, General Motors und Ford. Zuletzt hatten die beiden deutschen Hersteller Daimler und Audi mit dem bau neuer Werke ihre Aktivitäten in Brasilien ausgeweitet. Zudem hatte der weltgrößte Autobauer Toyota nach Jahrzehnten wieder die Produktion in dem Land ins Auge gefasst.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ

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