Wirtschaft

Letzte Chance für Karstadt? Bürgermeister beäugen Benko

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Mit Geld alleine nicht zu lösen: Karstadt braucht eine klug durchdachte, unternehmerisch tragfähige Strategie.

(Foto: dpa)

Bevor es mit Karstadt wieder aufwärts gehen kann, drohen harte Schnitte: Schon in der kommenden Woche will der neue Eigentümer über einen Plan zur Rettung der Warenhauskette beraten. "15 bis 20 Häusern" droht angeblich das Aus.

Nach dem Eigentümerwechsel bei der Warenhauskette Karstadt droht einem Bericht zufolge mehreren Häusern die Schließung. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, will der Karstadt-Aufsichtsrat am kommenden Donnerstag über ein Sanierungskonzept beraten. Das Blatt beruft sich auf Informationen aus dem Umfeld des neuen Eigentümers René Benko.

Mittelfristig könnten "15 bis 20 Häuser" geschlossen werden, heißt es in dem Bericht. Vorher solle jedes Haus auf seine Rentabilität geprüft werden. Die Signa-Holding des österreichischen Immobilienunternehmers Benko hatte vor dem Wochenende mitgeteilt, sie übernehme die verschuldete Warenhauskette Karstadt komplett. Dabei fließe kein Geld, betonte Signa. Der bisherige Besitzer Nicolas Berggruen hatte Karstadt im September 2010 für einen Euro übernommen.

Wie die "SZ" unter Berufung auf Benkos Umfeld weiter berichtete, will der Unternehmer "zehn Jahre oder mehr" dabeibleiben und dabei auch in das Unternehmen investieren. Diesen Angaben zufolge plant er, Markenhändler als zusätzliche Mieter in Karstadt-Häuser zu holen und sie zu größeren Shopping-Zentren umzubauen.

17.000 Arbeitsplätze

Die Gewerkschaft Verdi und der Karstadt-Betriebsrat hatten Benko zuvor aufgefordert, in die Filialen zu investieren und ein schlüssiges Zukunftskonzept für die rund 17.000 Mitarbeiter vorzulegen. Dem einst als "Karstadt-Retter" gefeierten Investor Nicolas Berggruen wird vorgeworfen, sich finanziell und unternehmerisch zu wenig bei Karstadt engagiert zu haben.

Die Warenhauskette Karstadt verfügt über umfangreiche Ladenflächen in bester Lage - und spielt in der Wirtschaftsstruktur zahlreicher deutscher Innenstädte eine zentrale Rolle. Auf der Ebene der Kommunen verfolgen Bürgermeister, Stadtkämmerer und Standortentwicklung daher die Entwicklungen rund um das taumelnde Traditionsunternehmen mit nachvollziehbarer Besorgnis.

Die große Befürchtung: Ein endgültiger Zusammenbruch bei Karstadt dürfte längere Leerstände nach sich ziehen - was die Wirtschaftskraft der ohnehin stark belasteten Innenstädte weiter gefährden würde.

Lebensqualität und Wirtschaftskraft

Der Deutsche Städtetag gab nun anlässlich des neuerlichen Wechsels der Hoffnung Ausdruck, dass der neue Karstadt-Eigner Benko ein kluges Zukunftskonzept für die angeschlagene Warenhauskette vorlegt.

"Die Städte brauchen attraktive Zentren und haben ein großes Interesse daran, dass es dem Einzelhandel vor Ort gut geht", teilte Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Städtetags, mit. "Denn Warenhäuser tragen zu lebendigen Innenstädten bei, ziehen Käufer an und nutzen auch dem Einzelhandel in ihrem Umfeld", erklärte Articus. Sie seien außerdem wichtige Arbeitgeber.

In der Vergangenheit habe sich gezeigt: "Wo Warenhäuser schließen müssen, sinken oft auch die Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe und kann ein Stück Lebensqualität der Bevölkerung verloren gehen." Aber die Landschaft im Handel sei vielfältiger geworden. "Diesem Wandel müssen sich die Warenhäuser immer stärker stellen", betonte der Hauptgeschäftsführer.

Karstadt steckt seit langem in einer Krise. Am Freitag wurde bekannt, dass der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen die Warenhauskette an die Signa-Holding des Immobilieninvestors Benko abgibt. Die Übernahme schlägt Wellen bis in höchste politische Kreise: In den Reihen der Bundesregierung sehen Spitzenpolitiker die neuerlichen Turbulenzen mit dem Eigentümerwechsel beim Traditionskonzern Karstadt mit gemischten Gefühlen.

Von der Leyens Favorit

Das Bundesarbeitsministerium verfolge die Entwicklung um das Unternehmen "ganz sensibel und aufmerksam und auch durchaus mit Besorgnis", erklärte ein Sprecher. Aktuell sehe man keinen konkreten Anlass oder Ansatzpunkt für ein Handeln des Ministeriums oder auch der Bundesagentur für Arbeit.

Beim Einstieg des US-Milliardärs Berggruen im Herbst 2010 hatte sich die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen - derzeit Verteidigungsministerin - intensiv an den Verhandlungen um eine Lösung beteiligt. In einem Bericht des "Handelsblatts" hieß es sogar, von der Leyen habe sich damals "massiv für einen Karstadt-Einstieg von Investor Berggruen eingesetzt".

"Das Unternehmen muss jetzt (...) in sicheres, ruhigeres Fahrwasser", erklärte der Sprecher des mittlerweile von der SPD-Politikerin Andrea Nahles geführten Arbeitsministeriums nun. Einen solchen Kurs strebe offenbar auch der neue Eigentümer Benko an. Das Unternehmen und seine Mitarbeiter bräuchten Perspektiven und Sicherheit. Das Ministerium appellierte an den neuen Eigentümer, die Arbeitnehmerseite intensiv an den Bemühungen zur Stabilisierung des Unternehmens zu beteiligen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa/rts