Wirtschaft

BaFin: Entschädigungsfall Campino-Bruder wickelt Greensill Bank ab

Ein Schild mit dem Firmennamen

Eine Bank wird Geschichte.

(Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild)

Das Insolvenzverfahren ist eröffnet, Gläubiger können ihre Forderungen anmelden: Die Bremer Greensill Bank macht dicht. Sparer kommen mit einem blauen Auge davon. Kommunen müssen wahrscheinlich ihre Einlagen abschreiben.

Die Greensill Bank ist nicht mehr zu retten: Knapp zwei Wochen nachdem die Finanzaufsicht BaFin das Institut geschlossen hat, eröffnete das Amtsgericht Bremen das Insolvenzverfahren. Die BaFin stellte noch am selben Tag den Entschädigungsfall fest. Privatanleger erhalten nun innerhalb der nächsten Tage ihre Einlagen zurück. Zahlreiche Kommunen könnten dagegen leer ausgehen, ihre Einlagen sind vom Einlagensicherungsfonds der privaten Banken nicht mehr abgesichert. Für den Fonds ist es die größte Belastung seit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2008.

Zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Hamburger Rechtsanwalt Michael Frege von der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Der Bruder des Sängers Campino von der Rockband "Die Toten Hosen" kennt sich mit Bankpleiten aus. Er hatte mit der Deutschland-Tochter von Lehman Brothers und der Maple Bank die beiden größten Bankinsolvenzen der vergangenen Jahre in Deutschland betreut. Bei der Lehman Brothers Bankhaus AG machte sein dreistelliges Millionenhonorar Schlagzeilen, das sich nach der Insolvenzmasse richtet. Er konnte allerdings die Gläubiger voll entschädigen.

Sparer werden entschädigt - Kommunen nicht

Der Einlagensicherungsfonds werde sich in Kürze bei den betroffenen Sparern melden, erklärte der Bankenverband BdB, zu dem der Fonds gehört. Die Entschädigung werde innerhalb von sieben Arbeitstagen erfolgen. Pro Kunde seien bei der Greensill Bank 74,96 Millionen Euro abgesichert. Insidern zufolge stellt sich der Fonds darauf ein, rund drei Milliarden Euro an private Sparer auszuzahlen.

Einlagen von Institutionen wie Bund, Ländern und Kommunen unterliegen seit Anfang Oktober 2017 hingegen nicht mehr der Sicherungseinrichtung. Insidern zufolge stehen bei dieser Kundengruppe rund 500 Millionen Euro im Feuer. Bislang ist von 26 Kommunen ein Volumen von gut 250 Millionen Euro bekannt. Ob sie ihr Geld je wiedersehen, hängt davon ab, wie viel Frege noch sicherstellen kann. Generell sind die Insolvenzquoten bei Banken deutlich höher als bei anderen Unternehmen.

Mehrere Kommunen werfen der Finanzaufsicht vor, zu spät über die Probleme bei der Greensill Bank informiert zu haben. 26 betroffene Städte und Gemeinden wollen sich nach Angaben der Stadt Monheim am Rhein zusammentun, um aus der Insolvenzmasse einen Teil ihrer Einlagen zurückzuerhalten, wie Monheim ankündigte. Zudem sollen Haftungsansprüche gemeinschaftlich geprüft werden.

Die BaFin erklärte, der Bankenverband habe kommuniziert, dass die Gelder von Kommunen nicht mehr geschützt seien, und auch in der Fachpresse für Kämmerer sei dies deutlich gemacht worden. Sie schloss die Greensill Bank Anfang März wegen drohender Überschuldung und zeigte das Management bei der Staatsanwaltschaft Bremen an, weil für Forderungen in der Bilanz teilweise kein Nachweis erbracht werden konnte.

Lieferantenforderungen zu Anleihen gebündelt

Das Bremer Institut hatte über Online-Portale wie "Weltsparen" und "Zinspilot" mit vergleichsweise hohen Zinsen Spareinlagen bei Privatanlegern eingesammelt, mit denen Geschäfte der britisch-australischen Mutterfirma Greensill Capital abgesichert wurden. Alleine 2019 stieg die Bilanzsumme der Bank von 760 Millionen Euro auf 3,8 Milliarden Euro. Ende 2020 belief sie sich auf 4,5 Milliarden Euro.

Die Muttergesellschaft der Bremer Bank, Greensill Capital, meldete vor ein paar Tagen Insolvenz an, nachdem Versicherungen für ihre Fonds weggefallen waren. Das Kerngeschäft der 2011 vom Australier Lex Greensill gegründeten Firma war die Lieferketten-Finanzierung. Greensill bündelte Lieferantenforderungen zu Anleihen und verkaufte sie an Investoren. Unter anderem betrieb sie das Fondsgeschäft mit der Schweizer Bank Credit Suisse. Diese stellt sich wegen des Zusammenbruchs von Greensill Capital auf finanzielle Belastungen ein.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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