Wirtschaft

Furcht vor der großen Kreditklemme China-Banken beruhigen Kunden

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Bau-Boom in Shanghai: Echte Engpässe in der Kreditversorgung dürften nicht nur den chinesischen Wachstumsmotor ins Stottern bringen (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Die energischen Ankündigungen zeigen offenbar Wirkung: Die aufflammende Angst vor unkontrollierten Turbulenzen im chinesischen Finanzsystem kann die Pekinger Zentralbank zwar vorerst unterdrücken. Doch schon tauchen neue Gerüchte um Engpässe in der chinesischen Kreditversorgung auf.

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Der Pegel sinkt: Der Zinssatz für einwöchige Repo-Geschäfte liegt aktuell bei 6,91 Prozent.

(Foto: REUTERS)

Die chinesischen Banken gehen Medienberichten zufolge nach der jüngsten Aufregung am Geldmarkt bei der Kreditvergabe deutlich restriktiver vor. Einige Filialen führender Geldhäuser würden die Neuvergabe von Darlehen an Firmen und Privatpersonen einstellen beziehungsweise die Kriterien verschärfen, berichteten mehrere chinesische Medien. Die China Construction Bank (CCB) betonte dagegen, die Vergabe von Krediten an Kunden oder andere Institute sei selbstverständlich nicht eingestellt worden. Die CCB gilt bei der Kreditvergabe als Nummer zwei des Landes.

Tatsächlich scheint sich die Lage im chinesischen Finanzmarkt insgesamt eher zu beruhigen. Die Angst vor dem Abgleiten in eine neue Finanzkrise lasse nach, hieß es. Jüngste Daten stützen diese Beobachtung: Die Zinsen im Interbankenmarkt fielen den fünften Tag in Folge. Die Aufschläge, die Banken verlangen, wenn sie anderen Instituten kurzfristig Geld leihen, liegen aber immer noch klar über dem langjährigen Durchschnitt.

In der vergangenen Woche waren sie zeitweise auf extrem ungewöhnliche Werte von über 25 Prozent geschnellt, was innerhalb Chinas und international Erinnerungen an den Vertrauensschwund in der Bankenbranche nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 weckte.

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Euro / Yuan 7,77

Da die Sorgen zuletzt deutlich an Schärfe verloren, kündigten die Währungshüter des Landes nun an, auf zusätzliche Liquiditätsspritzen für bedrängte Banken zu verzichten. Zuletzt bot die People's Bank of China (PBoC) den Geschäftsbanken keine regulären Transaktionen zur Steuerung der Liquidität mehr an. Damit fließen dem Geldmarkt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde im Lauf dieser Woche netto 25 Mrd. Yuan (4,07 Mrd. US-Dollar) an Liquidität ausschließlich aus auslaufenden Transaktionen zu. Das sind 3 Mrd. Yuan weniger als vergangene Woche.

Die Waffen der Währungshüter

Die Lage am Interbankenmarkt hat sich gegen Ende der Handelswoche etwas gebessert, bleibt aber nach wie vor angespannt. Der Zinssatz für einwöchige Repo-Geschäfte lag am Donnerstag bei 6,91 Prozent gegenüber 7,29 Prozent im Schlussgeschäft am Mittwoch. Vor Beginn der Kreditklemme Ende Mai hatte der durchschnittliche Wert bei 3,30 Prozent gelegen.
Die Entspannung auf dem Interbankenmarkt steht Beobachtern zufolge im Zusammenhang mit einer verbalen Intervention der Zentralbank: Am Dienstag hatte die PBoC mitgeteilt, dass sie ausgewählten Banken mehr Mittel zur Verfügung gestellt habe, um deren Liquidität zu stärken.

Aus Sicht der Analysten der US-Bank JP Morgan werden die Interbanken-Zinsen in China zwar weiter fallen, nicht aber unter das Niveau vor den jüngsten Turbulenzen. Die dann höheren Refinanzierungskosten dürften die Banken auf die Kunden abwälzen. Das könnte die ohnehin schwächelnde Wirtschaft in der Volksrepublik weiter belasten.

EZB schielt auf die Kreditvergabe

In Europa haben die Banken unterdessen ihre Kredite an Firmen und Privathaushalte in der Eurozone - unabhängig von den Entwicklungen in China - überraschend stark zurückgefahren. Die Summe schrumpfte im Mai um 1,1 Prozent zum Vorjahresmonat, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Analysten hatten lediglich ein erneutes Minus von 0,9 Prozent erwartet.

Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag wie erwartet bei 2,9 Prozent. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (März bis Mai) erhöhte sich M3 ebenfalls um 2,9 Prozent. Im April hatte das Plus noch bei 3,2 Prozent gelegen. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert eine potenzielle Inflationsgefahr.

Dass sich das Geldmengenwachstum in der Eurozone wie erwartet verlangsamt, dürfte nach Ansicht von Experten den Druck auf die EZB erhöhen, zusätzliche Maßnahmen zur Belebung der Kreditvergabe zu ergreifen. Die Kreditvergabe an private Haushalte stieg zuletzt mit einer Jahresrate von 0,2 Prozent, nach plus 0,4 Prozent im April. Dabei wuchsen die Kredite für den Hausbau um 1,0 Prozent. Im April hatte die Wachstumsrate bei 1,2 Prozent gelegen.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts