Wirtschaft

Boom-Markt ElektromobilitätChina holt auf

01.08.2010, 15:49 Uhr
imageAxel F. Busse
Volt
Mit dem Chevrolet Volt will sich GM einen großen Teil des Elektromobilität-Kuchens sichern. (Foto: picture alliance / dpa)

China hat den Elektro-Auto-Markt fest im Blick: Im Reich der Mitte hofft man, dass 2015 eine halbe und eine Million Elektrofahrzeuge am Straßenverkehr teilnehmen werden.

Wenn es nach der Nationalen

Plattform Elektromobilität ginge, fahren im Jahr 2020 in Deutschland eine

Million Elektroautos. Bei einem angenommenen Preis von - aus heutiger Sicht -

"nur" 25.000 Euro pro Fahrzeug, wäre das ein Markt von 25 Milliarden.

Klar, dass die Pkw-Hersteller von dieser Summe ein möglichst großes Stück abhaben

wollen - wie zum Beispiel General Motors.

Noch hält die Regierung der

Vereinigten Staaten ihre schützende Hand über den Konzern, der Opel nicht

verkaufen wollte und mit Chevrolet eine der in Deutschland am stärksten

wachsenden Marken sein Eigen nennt. Der Chevrolet Volt gehört ebenso wie der

Opel Ampera zu den Stromautos, mit denen GM sich Chancen auf einem ordentlichen

Anteil am Zukunftsmarkt Elektromobilität ausrechnet. Gerade hat Chevrolet den

Preis für das Elektroauto bekannt gegeben, das mittels eines als

Reichweiten-Verlängerer wirkenden Verbrennungsmotors bis zu 500 Kilometer am

Stück fahren können soll.

Weniger Strom-Autos als geplant?

Für 41.000 Dollar soll das

Fahrzeug zunächst in den USA angeboten werden. Das sind nach heutigen

Wechselkurs etwa 31.500 Euro. Während Kunden in den USA sehr wahrscheinlich

beim Erwerb eine Steuergutschrift in Anspruch nehmen können, ist die Frage der

Förderung von Elektroautos in Deutschland alles andere als geklärt. Ferdinand

Dudenhöfer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Universität

Duisburg-Essen, hält die jetzt bekannten Föderrichtlinien für unzulänglich und

ineffizient. Allenfalls 600.000 Stromautos in den nächsten zehn Jahren seien

damit zu erreichen.

General Motors ist derweil dorthin gegangen, wo gegenwärtig die größte Dynamik

in Sachen Elektromobilität herrscht: nach China. Im Rahmen der Weltausstellung

Expo 2010 kam es zu einem Experten-Forum mit Entwicklern, chinesischen

Regierungsvertretern und Wissenschaftlern. GM hält sich zugute, Pionier auf dem

Gebiet des emissionsfreien Autofahrens zu sein, da bereits 1966 erste Versuche

mit einem Brennstoffzellen-Antrieb unternommen wurden. Nach Karl Stracke,

Vize-Präsident bei GM für Entwicklung, ist der Weg des Unternehmens strategisch

so vorgezeichnet: Über die Stufen "Mild"- und "Full"-Hybrid

soll der so genannte Plug-in-Hybrid für den Massenmarkt vorbereitet werden -

das Auto also, dessen Akku an der heimischen Steckdose aufgeladen wird. Das

Elektro-Auto, dessen "Range-Extender" die Reichweite in die Nähe

konventionell angetriebenen Autos rückt, steht noch vor der Brennstoffzelle als

Kraftquelle.

Batterien müssen billiger werden

In jedem Fall, und da gibt es

laut Stracke "keine Kompromisse", müsse der Kunde ein Auto bekommen,

dessen Batterie die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs durchhält. Selbst wenn

das als zeitnah erreichbares Entwicklungsziel erscheint, gibt es zahlreiche

andere ungelöste Probleme. Eines davon sind die Batteriekosten. Im Opel Ampera,

der weitgehend baugleich ist mit dem Chevrolet Volt, kostet das Akku-Paket rund

10.000 Euro. Die gespeicherte Leistung beträgt 16 Kilowattstunden, demnach

kostet eine Kilowattstunde mehr als 600 Euro. Experten sind sich einig, dass

eine massenhafte Elektro-Mobilisierung erst dann funktionieren kann, wenn der

Preis je Kilowattstunde auf 200 Euro oder weniger gefallen ist.

Strom
Noch müssen Fahrer von Eelktroautos mehrere Stunden auf eine volle Batterie warten. (Foto: picture alliance / dpa)

Außer dem Preisthema stehen

auch Fragen der Gewichtsreduzierung und der Ladetechnik auf der Agenda.

Entsprechend dem Nutzungsverhalten der Besitzer heutiger Pkw, wo das Nachtanken

wenige Minuten dauert, ist es den Fahrern von Elektro-Autos wohl kaum

zuzumuten, mehrere Stunden auf eine Batterieladung zu warten. An einer

240-Volt-Quelle, so der gegenwärtige Stand beim Elektro-Chevi, ist der Akku

nach etwa drei Stunden wieder voll.

"Wir sind noch nicht

zufrieden" sagte Stracke in Shanghai zum gegenwärtigen Entwicklungsstand.

In verschiedenen Forschungszentren, das europäische ist in Mainz/Kastell, sucht

General Motors deshalb nach Lösungen. Noch werden mehr als zwei Drittel der Batteriekosten

von den Speicherzellen selbst verursacht, Laborarbeit macht etwa 20 Prozent

aus. Erkenntnisgewinn verspricht eine Flotte von Demonstrations-Fahrzeugen.

Stracke kündigte an, dass diese Flotte aus Fahrzeugen verschiedener Systeme

bestehen soll, aus reinem Batterieantrieb ebenso wie Hybrid- und

Brennstoffzellen-Fahrzeugen.

Demo-Regionen für Elektro-Antriebe

Die Ankündigung passt nicht

zufällig zu dem, was in China vorbereitet wird. Nach dem von der

Unternehmensberatung McKinsey ermittelten Elektromobilitätsindex (Evi) hat

China in den letzten drei Monaten weltweit die größten Fortschritte in der

Elektrifizierung des Individual-Verkehrs gemacht. Lai Xiaokang, Direktor am

chinesischen Strom-Forschungsinstitut, geht davon aus, dass im Reich der Mitte

schon 2015 zwischen einer halben und einer Million Elektrofahrzeuge am

Straßenverkehr teilnehmen werden. Dazu sollen Demo-Regionen eingerichtet

werden, in denen von Elektro-Omnibussen bis zu Tausenden von Ladestationen die

Integration von alternativen Antrieben in das tägliche Verkehrsgeschehen

getestet werden soll. Laut Karl Stracke wird der herkömmliche Verbrennungsmotor

in China schon längst aus Auslaufmodell angesehen.

Im Vergleich zu Deutschland,

wo die am 28. Juli zuletzt tagende Nationale Plattform Elektromobilität vor

allem damit beschäftigt ist, einen Ausgleich der verschiedenen

Interessengruppen herzustellen, hat China einen entscheidenden Vorteil: In dem

zentralistisch und nach Parteidiktat regierten Land wird "von oben"

entschieden, statt in einem demokratischen Prozess den richtigen Weg zu suchen.

Staatliche Eingriffe, zum Beispiel Förderprogramme, brauchen deshalb nur kurze

Zeit, um in der Praxis anzukommen. Und die Förderung ist üppig: In fünf

ausgewählten Regionen bekommen die Käufer von Elektroautos künftig einen

Zuschuss von umgerechnet 4500 Euro. Das ist ein Mehrfaches des

durchschnittlichen Jahreseinkommens in chinesischen Großstädten.