Wirtschaft

Weniger Gewinn und Eurohypo-Lasten Commerzbank bleibt skeptisch

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Die Commerzbank rechnet für den Rest des Jahres mit sinkenden Gewinnen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Schuldenkrise lastet weiter auf der Commerzbank: Für den Rest des Jahres rechnet Deutschlands zweitgrößte Bank mit schrumpfenden Gewinnen. Im ersten Halbjahr bleibt unter dem Strich weniger hängen. Denn die Bank legt für eine mögliche Eskalation der Krise enormes Kapital zurück - es drohen Filialschließungen und Stellenabbau.

Die teilverstaatlichte Commerzbank rechnet angesichts der ungelösten Schuldenkrise in Europa mit einem schwächeren Geschäft für den Rest des Jahres. Das Konzernergebnis werde unter dem der ersten Jahreshälfte liegen, sagte Finanzvorstand Stephan Engels. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir weiterhin keine Stabilisierung des Marktumfelds. Wir sehen daher derzeit auch keine Anzeichen dafür, dass sich der Druck auf das operative Ergebnis reduziert."

Belastet wird das diesjährige Ergebnis von Abschreibungen für die Trennung von der ukrainischen Bank Forum.  Im ersten Halbjahr verdiente die Commerzbank unter dem Strich 644 Mio. Euro, ein Drittel weniger als vor einem Jahr. Im zweiten Quartal konnte das Institut einen weiteren Gewinneinbruch aber zumindest vermeiden. Im Vorjahr hatte die Commerzbank wegen hoher Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen nur 24 Mio. Euro von April bis Juni verdient, diesmal waren es 275 Mio. Operativ verdiente die Bank wie bereits in der Vorwoche angekündigt im ersten Halbjahr 1,04 Mrd. Euro, knapp 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Vor allem wächst die Gefahr, dass Kredite wieder stärker ausfallen. "Unser Ziel für die Risikovorsorge von 1,7 Mrd. Euro ist erreichbar. Allerdings ist dieses Ziel angesichts der sich weiter verschlechternden Marktbedingungen zunehmend ambitioniert", sagte Engels. "Die Kosten haben wir fest im Griff. Im zweiten Halbjahr erwarten wir zwar eine leichte Erhöhung, wir werden unser Kostenziel von 7,6 Mrd. Euro aber deutlich unterschreiten."

Ihren Gewinn stellt die Bank ohnehin hintan. Die Führung der Bank hat Angst vor einer Verschärfung der Eurokrise, da sie vor allem in Spanien und Italien stark engagiert ist. "Größtes Abwärtsrisiko bleibt ein von einer Eskalation der Staatsschuldenkrise - also einem Auseinanderbrechen der Währungsunion - ausgelöster Unsicherheitsschock", heißt es im Zwischenbericht. Doch dafür hat sich die Bank gewappnet: Seit Ende 2011 hat sie ihr Kapitalpolster um 8,1 Mrd. Euro aufgestockt und damit die Vorgaben der EU-Aufseher bei weitem übertroffen. Die Aufsicht hatte eine Kapitallücke von 5,3 Mrd. Euro ausgemacht.

Gleich mehrere Vorstände sollen Sparkurs umsetzen

Die Bank schwenkt auf einen drastischen Sparkurs ein. Angesichts der sich eintrübenden Konjunktur und der anhaltenden Schuldenkrise soll die gesamte Kostenbasis überprüft werden. Bis November will die Bank vor allem das Geschäft mit den elf Mio. Privatkunden unter die Lupe nehmen, mit dem sie im zweiten Quartal kaum noch Geld verdiente, wie Vorstandschef Martin Blessing sagte. Im Privatkundengeschäft blieben nur noch 126 Mio. Euro hängen, im zweiten Quartal ganze 14 Mio. Euro. Spekulationen über einen Stellenabbau und Filialschließungen kursieren bereits seit einigen Wochen.

Zudem will die Commerzbank einen Plan entwickeln, wie das kürzlich aufgegebene Geschäft mit Schiffs- und Immobilienfinanzierungen abgewickelt werden kann. Im ersten Halbjahr schrieb die Sparte mehr als eine halbe Mrd. Euro Verlust, vor allem weil die Rückstellungen für Schiffskredite drastisch aufgestockt werden mussten. Bis 8. November soll feststehen, wie der Ausstieg vonstatten gehen und wie lange er dauern soll.

Um die Abwicklung ihrer Altlasten zu stemmen, schneidet die Commerzbank die Zuständigkeiten im Vorstand neu zu. Gleich zwei Vorstände sind mit der Abwicklungsbank betraut: Ulrich Sieber und Jochen Klösges sind künftig gemeinsam für die neue interne "Bad Bank" NCA (Non Core Assets) zuständig. Darin lagern der Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo sowie die Schiffsbank, die beide komplett abgewickelt werden. Hinzu kommen einige Portfolien der bisherigen Abwicklungseinheit PRU, die ebenso wie die alte Eurohypo-Sparte ABF aufgelöst wird. Insgesamt lagern in der Abwicklungseinheit nun Risiken im Volumen von 158 Mrd. Euro. Die zumeist langlaufenden und großvolumigen Kredite sollen über die Zeit möglichst wertschonend abgebaut werden.

Klösges sollte ursprünglich das neue Geschäftsfeld Real Estate and Ship Finance leiten, das im Juni aber überraschend wieder eingestampft wurde. Sieber bleibt weiterhin Personalchef. Er war bislang auch für das Osteuropa-Geschäft zuständig. Das besteht aber nach dem Verkauf der ukrainischen Bank Forum und der russischen Promsvyazbank fast ausschließlich noch aus der BRE-Bank. Die wird künftig zur Chefsache und fällt ab sofort in den Verantwortungsbereich von Vorstandschef Martin Blessing. Blessing wiederum reicht deshalb den Bereich Treasury an Investmentbank-Chef Michael Reuther weiter.

Quelle: ntv.de, dpa/rts