Wirtschaft

Der Mann, der die Welt veränderte Das Leben von Steve Jobs

Mit Steve Jobs verliert Apple mehr als nur einen früheren Konzernchef: Der Erfolg des Computerkonzerns ist eng mit dem Denken und der Persönlichkeit des Marketing-Genies verknüpft. Ein Blick zurück auf das Leben eines Ausnahmeunternehmers.

"Leider ist der Tag gekommen ..." Ganze neun Sätze lang war dieser Brief am 25. August 2011, gerichtet an die Belegschaft von Apple, an die Aktionäre und an die Welt. Er trete von seinem Posten als CEO von Apple zurück. Steve Jobs wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass er den Kampf gegen den Krebs verloren hatte.

Er war erfolgsbesessener Perfektionist, detailverliebter Produkttüftler und charismatischer Visionär ... Steve Jobs war Apple. Apple war Steve Jobs. Apple ist weiter Steve Jobs. Sein Name wird das Unternehmen weiter prägen. Es ist glänzend aufgestellt für die nächsten Jahre. Und doch geht eine Ära zu Ende.

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Steve Jobs (1955 - 2011)

(Foto: picture alliance/dpa)

Es gibt viele Geschichten über Steve Jobs. So soll er an einem frühen Sonntagmorgen einmal einen Google-Manager angerufen haben. Das zweite O von Google habe auf der iPhone-App nicht den richtigen Gelbton. Das könne Google doch nicht wirklich so gewollt haben. Er solle am Montag einen Programmierer vorbeischicken, dann werde man ihm bei Apple helfen.

Oder die Geschichte, dass Mitarbeiter es vermeiden würden, Fahrstuhl zu fahren, wenn der Chef im Haus ist. Einmal habe Steve Jobs im Fahrstuhl einen Mann gefragt, woran der denn gerade arbeite. Mit der Antwort war Jobs ganz und gar nicht zufrieden. Was sei denn das für ein Bullshit, war Jobs' aufbrausende Reaktion. Damit vergeude er Zeit und setze das Ansehen von Apple aufs Spiel. Schluss damit. Aus. Kündigung. Noch im Fahrstuhl. Beide Geschichten stehen exemplarisch für Steve Jobs.

Immer perfekt sein, immer zwei Schritte vorausdenken ... "Es ist nicht die Aufgabe der Verbraucher, zu wissen, was sie wollen ...", so ein verbürgtes Zitat, keine Geschichte. Das sei seine Aufgabe. Marktforschung - wozu das denn, die sei ihm schnuppe. Er wisse, was die Leute morgen brauchen und lieben werden. Das klingt größenwahnsinnig und arrogant. Ist es auch, aber so hat es Steve Jobs all die Jahre an der Spitze von Apple gehalten. Und der Erfolg hat ihm immer recht gegeben. So ist Apple zum wertvollsten Technologieunternehmen der Welt aufgestiegen.

Millionär mit 23

In die Wiege gelegt war ihm das alles nicht. Seine leiblichen Eltern geben ihn noch vor seiner Geburt zur Adoption frei. Er wächst in einfachen Verhältnissen auf, sein Adoptivvater jobbt als Automechaniker und Tagelöhner. Steve selbst ist kein überragender Schüler, schafft es aber bis ans College, bricht das Studium jedoch nach einem Semester ab. Zu langweilig, Zeitverschwendung. Seiner damaligen Freundin erklärt er, er wolle Millionär werden. Das war 1974. Da stecken die Computer noch in den Kinderschuhen.

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Los Altos, Kalifornien: Die Garage, in der alles begann.

(Foto: AP)

Zusammen mit Steve Wozniak beginnt er in diese neue Welt einzutauchen. Beide schrauben zwei Jahre später den Apple I zusammen. Da ist Steve Jobs 21, wohnt noch in seinem alten Kinderzimmer. Mit 23 ist er dann tatsächlich Millionär, mit 25 schon 100 Millionen Dollar schwer, mit 27 ist er auf dem Cover von "Time", vier Jahre vor Microsoft-Gründer Bill Gates. Weitere zwei Jahre später beschäftigt Apple 4000 Mitarbeiter und hat den legendären Macintosh auf dem Markt, dessen Kosename bis heute für die Computer des Unternehmens steht.

Während die Konkurrenz als Beweis für die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte beim Booten grüne Zahlenkolonnen über ihre Bildschirme jagt und sich über Links-Rechts-Oben-Unten-Curser an die richtige Position auf dem Display navigiert, begrüßt der Macintosh seine Benutzer mit einem stilisierten Lächeln und lässt sie mit einer Maus auf grafischer Benutzeroberfläche arbeiten. Doch dann gibt es Streit und Steve muss die eigene Firma 1985 verlassen. Apple verzettelt sich, der Konzern dümpelt vor sich hin und steht 1997 schließlich kurz vor dem Bankrott. Als Retter in der Not wird Steve Jobs schließlich zurückgeholt.

Geldspritze von Bill Gates

Er besorgt eine damals sehr umstrittene Finanzspritze vom Erzrivalen Microsoft, der zu der Zeit uneingeschränkt den Markt beherrscht. Das Geld von Bill Gates wird das Startkapital für den Umbau von Apple und Basis für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute andauert. Computer sind fortan nicht mehr einfach Arbeitsgeräte, sie sind schick und hip. Weg mit dem grauen Einheitsdesign, weg mit komplizierten, überladenen Benutzermenüs. Die bunten iMacs machen den Anfang, wenig später kommen bunte iBooks und edel gebürstete Aluminium-Macbooks. Must-Have-Produkte für Kreative, für Studenten und alle, die gerne zeigen, was "in" ist. Und für die Apple-Gemeinde sowieso.

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Visionär mit Rollkragen, Jeans und Turnschuhen: Steve Jobs bei einer Präsentation im Juni 2011.

(Foto: picture alliance / dpa)

2001 kündigt Steve Jobs vollmundig ein völlig neues Gerät an, mit dem er die Musikbranche revolutionieren werde. Zunächst verlacht und vom Käufer gemieden, steigt der iPod bis 2006 zum erfolgreichsten Musikplayer der Geschichte auf und ist es bis heute. Mit iTunes wird ein Vertriebskanal aufgebaut, der in kurzer Zeit auch zum weltgrößten Musikverkäufer wird.

Die Art und Weise, wie sich Steve Jobs bei diesen Erfolgskapiteln immer wieder selbst inszeniert und die Apple-Welt präsentiert, sind legendär: schwarzer Pulli, Jeans, Turnschuhe. Gerüchte ohne Ende im Vorfeld. Es gibt niemals verbürgte Vorabinformationen. Geschickt inszeniert. Alles konzentriert sich auf den einen Auftritt. Der Termin wird erst wenige Tage vorher bekanntgegeben. Auch das gehört seit Jahren zum Apple-Kult, mit dem "Just one more thing!" am Ende der Keynote, wenn er noch etwas ganz Spezielles im Köcher hat.

Neue Messlatten des Erfolgs   

Um große Worte ist Steve Jobs dabei nie verlegen. Wie schon beim iPod legt er auch 2007 die Messlatte hoch. Er stellt das iPhone vor und kündigt an, dass Apple damit das Telefon neu erfinden werde. Zu diesem Zeitpunkt beherrschen Nokia, Samsung und Motorola den Handy-Markt. Wieder mitleidiges Lächeln der Branche. Auch 2010, als Apple das iPad vorstellt und damit eine noch gar nicht existierende Geräteklasse begründen will. Nein, nicht schon wieder, dieses Mal werde Apple es nicht schaffen ... Tablets würden sich nicht durchsetzen. Und erneut behält Steve Jobs recht.

Apple und Steve Jobs haben die Maschinerie inzwischen so gut im Griff, dass sie nicht einmal aufwändige Werbung schalten müssen. Das übernimmt gerne die große Gemeinde der Apple-User, die fast sektenhaft alles lobpreist, was aus Cupertino kommt. Und seit einiger Zeit macht das unaufgefordert auch die Medienbranche. Und wo gibt es das sonst noch ...? - Schon Tage vor dem offiziellen ersten Verkaufstag für ein neues Kultprodukt campieren die ganz Verrückten vor den Apple-Stores in aller Welt.

Steve Jobs hat alles richtig gemacht in den letzten fast 15 Jahren. Es ist bitter, so auf dem Höhepunkt des Lebens aus dem Leben gerissen zu werden. 2005, als er nach der ersten Krebsdiagnose zurückkehrte und hoffte, die Krankheit für die nächsten Jahrzehnte überstanden zu haben, hat er vor Stanford-Absolventen eine sehr bewegende Rede gehalten. Über Liebe, Verlust und den Tod. Niemand wolle sterben, so Jobs damals: "Und doch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist ihm jemals entronnen. Und so soll es auch sein: Denn der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens. Er ist der Katalysator des Wandels. Er räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird."

In einem seiner neun Sätze vom August 2011 schreibt Steve Jobs, Apple habe die besten Jahre noch vor sich. Er wusste bereits, dass er nicht mehr dabei sein wird. Die Fußstapfen, die er hinterlässt sind riesengroß. Steve Jobs wurde nur 56 Jahre alt.

Quelle: n-tv.de

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