Wirtschaft

Trumps unauffälliger Schwiegersohn Das Milliardenimperium von Jared Kushner

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Jared Kushner, Immobilienunternehmer und Zeitungsverleger, Wahlkampfhelfer und Schwiegersohn von Donald Trump. Welche Rolle wird er künftig im Weißen Haus spielen?

(Foto: REUTERS)

Grübchen, braver Scheitel - ein Mittdreißiger mit Babygesicht. So unscheinbar der Mann an der Seite von Donald Trump und dessen Tochter Ivanka daherkommt, er hat viel mit dem Trump-Clan gemein.

Die kurzen braunen Haare brav gescheitelt, Khaki-Look, Pullover mit V-Ausschnitt und Turnschuhe. Das Markenzeichen von Jared Kushner ist es, unauffällig und leise daherzukommen. Der 35-Jährige, der mit seinem Babygesicht noch deutlich jünger wirkt, scheint das absolute Gegenteil von seinem laut polternden Schwiegervaters Donald Trump und dessen glamouröser Tochter Ivanka, die Kushner vor sieben Jahren geheiratet und mit der er drei Kinder hat. Während Schwiegervater und Ehefrau ständig das Rampenlicht suchen, meidet er es, wo er kann. Ein richtiger Anti-Trump, so scheint es.

Hinter Kushners unscheinbaren Fassade verbirgt sich jedoch jemand, der entgegen allen Äußerlichkeiten immens viel mit dem demnächst mächtigsten Mann der USA gemein hat. Der Familienname Kushner steht genauso wie der von Trump für ein riesiges Immobilienimperium. Beide Männer sind Unternehmer der zweiten Generation. Beide traten in die Fußstapfen ihrer erfolgreichen Väter. Donald Trump verdankt den Grundstock seines Vermögens seinem Vater Fred, der zurückhaltende Schwiegersohn und enge Berater des künftigen Präsidenten erbte die Unternehmensgruppe Kushner Companies von seinem Vater Charles.

Anders als Trump stieg der Harvard-Student jedoch unfreiwillig in das Familienunternehmen ein. Bereits im Jahr 2005, im Alter von 24 musste er, ohne das Studium beendet zu haben, die Geschäfte übernehmen. Der Vater wurde wegen Steuerhinterziehung, illegaler Wahlkampfspenden und Beeinflussung von Zeugen zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Die Untersuchung gegen Kushner Senior führte übrigens kein unbekannter Staatsanwalt, sondern Chris Christie, der ebenfalls zu den prominenten Unterstützern im Wahlkampf von Trump gehörte. Als Christie nach der Wahl aus dem engsten Team abgezogen wurde, behaupteten böse Zungen Kushner habe hier möglicherweise seine Hand im Spiel gehabt.

Mit 26 Jahren der erste Milliarden-Deal

Dass er unternehmerisch ins kalte Wasser geworfen wurde, bereitete Kushner keinerlei Probleme. Der Mann, der so wirkt, als hätte er noch nie irgendwelche Ambitionen gehabt, fand schnell seinen Platz in der Geschäftswelt. Zwei Jahre nachdem er das Unternehmen übernommen hatte, organisierte der Enkel von Holocaust-Überlebenden - jetzt gerade mal 26 Jahre alt - den Kauf eines Wolkenkratzers in der 666 Fifth Avenue für 1,6 Milliarden Dollar. Es war der bis dahin teuerste Immobiliendeal der amerikanischen Geschichte. 2008 war Jared bereits Vorstandsvorsitzender von Kushner Properties. Damals datete er bereits Trumps Tochter Ivanka aus erster Ehe. Im Jahr darauf heiratete er sie, vorher trat sie zum jüdischen Glauben über.

Heute besitzt Kushner Tausende hochkarätiger Immobilien - dazu zählen Luxus-Eigentumswohnungen genauso wie Hightech-Büroflächen. Kushners Website zeigt eine lange Liste von Geldgebern, darunter die Citibank, Wells Fargo oder die Deutsche Bank. Laut "Wall Street Journal" (WSJ)hat Kushner gerade erst eine Refinanzierung in Höhe von 370 Millionen US-Dollar mit der Deutschen Bank abgeschlossen. Ebenso wie Trump hat auch Kushner die Medienbranche als Geschäftsfeld entdeckt. Trump wurde mit der Reality-Soap "The Apprentice" berühmt. Kushner kaufte vor zehn Jahren für zehn Millionen Dollar die Wochenzeitung "New York Observer".

Trump hat seinen äußerlich eher farblosen Schwiegersohn im Wahlkampf schätzen gelernt. Kushner, der selber aus einer Familie stammt, die traditionell die Demokraten unterstützte - zum Beispiel erhielt Hillary Clinton 2002 bei ihrer Bewerbung um einen Sitz im amerikanischen Senat finanzielle Zuwendungen - erwies sich als absolut loyal zur Trump-Familie. Der Immobilienunternehmer und Zeitungsverleger habe immer hundertprozentig hinter seinem republikanischen Schwiegervater gestanden, berichteten amerikanische Medien.  

"Jared kann sehr hilfreich sein"

Kushner soll viele von Trumps Reden geschrieben haben. Im Wahlkampf war maßgeblich für die Sozialen Netzwerke zuständig. Als Trump wegen eines Tweets Judenfeindlichkeit vorgeworfen wurde, nahm Kushner ihn in Schutz. Sei Schwiegervater sei "kein Antisemit", schrieb er im "Observer". "Jared ist ein sehr schlauer Kerl. Ich denke er kann sehr hilfreich sein", lobte ihn Trump umgekehrt vergangene Woche im Interview mit der "New York Times". Ihm traue er sogar zu, im Nahost-Konflikt Frieden zwischen Israel und Palästinensern zu stiften.

Was genau Trump mit Jared tatsächlich vorhat, ist offen. Es heißt, Tochter Ivanka übernehme das Familienunternehmen von ihrem Vater, wenn Trump demnächst Präsident ist. Offenbar würde er Kushner am liebsten einen offiziellen Posten im Weißen Haus geben. Angeblich favorisiert ihn Trump als Stabschef. Angesichts Kushners Geschäfte dürfte das aber wohl schwierig werden. Angeblich wird gerade geprüft, was möglich ist.

Gegen einen Posten im Weißen Haus sprechen nicht nur die Ethik-Regularien der Regierung gegen "Vetternwirtschaft". In dem Fall geht es immerhin um nahe Familienangehörige. Wenn es die "reale Möglichkeit" eines geschäftlichen Gewinns oder Verlustes für sie gibt, dürfen Führungskräfte nicht mit entsprechenden Angelegenheiten betraut werden.

Kushner profitiert von Green-Card-Programm

Wie heikel solche Verflechtungen von Unternehmertum und Politik werden können, zeigt ein Beispiel. Kushner hat laut WSJ von einem Green-Card-Programm mit dem Namen EB-5 profitiert. Hier können reiche Ausländer für den Preis von mindestens 500.000 Dollar eine Arbeitserlaubnis in den USA erwerben. Kushner soll aus diesem Programm Fördermittel erhalten haben und damit einen fünfzigstöckigen Apartment-Wolkenkratzer in Jersey gebaut haben, der gerade eingeweiht wurde.

Kritiker bemängeln schon länger, dass das Geld aus diesem Programm vor allem Projektentwicklern in reichen Wohngegenden zugutekommt statt Projekten in armen Bezirken. Die Trump-Administration wird sich eine Meinung bilden müssen, wenn der Kongress demnächst mögliche Reformen des Programms debattiert. Experten sind gespalten, wie eng die Ethik-Regularien der Regierung ausgelegt werden sollten.

Eine Sprecherin von Kushner antwortete dem "WSJ" auf Anfrage: "Wenn Kushner in irgendeiner Form in der neuen Verwaltung dienen sollte, würde es einen rigorosen Prozess geben, um sicherzustellen, dass keine Konflikte bestünden." Wie der aussehen könnte, ist unklar. Alternativ könnte Kushner aber auch weiter außerhalb des Rampenlichtes Strippen ziehen. So oder so, Kushner wird unter Trump auf jeden Fall eine zentrale Rolle spielen.

Quelle: n-tv.de

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