Wirtschaft

BDI muss mit Trump klarkommen "Das ist in höchstem Maß besorgniserregend"

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Trump während seines Telefonats mit Merkel. Der BDI fordert von der deutschen Politik, sich nicht auf bilaterale "Deals" mit Trump einzulassen.

(Foto: AP)

Trotz nationalistischer Tiraden aus dem Weißen Haus will die deutsche Industrie ihre Interessen vertreten, "ohne ihre Werte zu verraten". Einfach sei das derzeit nicht, sagt der USA-Experte des BDI im Interview mit n-tv. Doch deutsche Firmen könnten Trump "helfen", seine Ziele zu erreichen.

n-tv.de: Die Wahl Trumps hatte zunächst auch bei deutschen Wirtschaftsvertretern Hoffnung auf einen neuen Aufschwung ausgelöst. Was ist davon knapp zwei Wochen nach seiner Amtseinführung geblieben?

Fabian Wendenburg: In den vergangenen Tagen hat Trump durch seine Äußerungen und durch seine ersten Schritte vor allem eines klar gemacht: Er hat vor, seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf tatsächlich umzusetzen. Was er bisher angepackt hat - die Aufkündigung des Handelsabkommens TPP, protektionistische Drohungen gegenüber Mexiko, der Einreiseerlass - all das ist in höchstem Maß besorgniserregend. Andererseits sehen wir auch Chancen. Wenn Trump auch das versprochene Investitionsprogramm für die Infrastruktur und die Steuerreform umsetzt, können auch deutsche Unternehmen davon profitieren.

Worin besteht die größte Gefahr für deutsche Unternehmen?

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Fabian Wendenburg ist stellvertretender Abteilungsleiter für Außenwirtschaftspolitik und Experte für Transatlantische Wirtschaftsbeziehungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie.

(Foto: bdi)

In der Abkehr von der globalen, auf Regeln basierenden Wirtschaftsordnung. Deutschlands exportorientierte Wirtschaft ist davon besonders abhängig. Fast jeder Handelskonflikt auf der Welt betrifft auch die deutsche Wirtschaft. Unmittelbar befürchten wir weniger neue Handelsbarrieren zwischen Europa und den USA, sondern etwa welche zu Mexiko oder China. Deutsche Unternehmen sind Teil der globalisierten Wertschöpfungsketten und wären direkt davon betroffen. Das heißt, die Herstellung von Produkten, die grenzübergreifend etwa in Deutschland, Mexiko, China und den USA stattfindet, würde gestört oder verteuert. Dabei geht es nicht nur um Zölle: Auch die derzeit in Washington diskutierte Border Adjustment Tax würde Importe in die USA de facto verteuern.

Sie vertreten die Interessen der deutschen Unternehmen - auch in Washington. Wie klappt das derzeit aus Ihrer Sicht? Können Sie mit Ihren Argumenten bis zu Trumps Team durchdringen?

Wir haben ein bewährtes Netzwerk bei amerikanischen Partnerverbänden, Abgeordneten und auch auf Arbeitsebene bei der Regierung. Dort haben wir starke Verbündete für unsere Argumente gegen Protektionismus. Die Kommunikation mit dem Team Trumps ist dagegen eine Herausforderung. Als Outsider in Washington hat er keine Mannschaft oder Vertraute, zu denen man schon lange hätte Kontakte aufbauen können. In den Ministerien ist so kurz nach dem Machtwechsel noch alles im Umbau.

Glauben Sie angesichts Trumps nationalistischem Kurs, dass der Präsident und sein Team sich überhaupt für die Sorgen der deutschen Industrie interessieren?

Trumps zentrales Anliegen ist es, Jobs zu schaffen, und zwar vor allem in der Industrie. Unsere Botschaft in Washington ist, dass die deutschen Unternehmen ein Teil der Lösung dafür sind und nicht Teil des Problems. Die deutschen Autobauer etwa haben ihre Produktion in den USA in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet, und ein Großteil davon geht in den Export. Trump will US-Exporte stärken. Dafür ist die deutsche Industrie der richtige Partner. Wenn wir auf dieser Ebene argumentieren, können wir auch unseren Sorgen über den Protektionismus Gehör verschaffen. Wir müssen letztendlich einen Weg finden, mit der neuen Administration zu kooperieren, ohne dabei unsere Interessen und unsere Werte zu verraten.

Was fordern Sie von der deutschen Politik?

Trump will eine Bilateralisierung der Wirtschaftsbeziehungen. So glaubt er, von jedem Partner einen besseren "Deal" bekommen zu können. Das darf die Bundesregierung nicht zulassen. Dazu muss vor allem Europa geschlossen auftreten. Außerdem muss die Bundesregierung darauf drängen, an der internationalen Kooperation etwa im Rahmen der G20 festzuhalten.

Das Interview führte Max Borowski.

Quelle: n-tv.de