Wirtschaft

Ölpreis, Wachstumssorgen und QE Das treibt die EZB um

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Der Ratssaal im 41. Stock des neuen EZB-Gebäudes.

(Foto: ECB / Robert Metsch)

Die Währungshüter der Eurozone haben zuletzt kräftig ins Horn geblasen: Staatsanleihenkäufe sind eine klare Option, um die niedrige Inflation anzufeuern - zumal der Ölpreis weiter fällt. Nur wann genau ist der richtige Zeitpunkt?

Der Rahmen stimmt schon mal. Der neue Doppelturm im Frankfurter Ostend, wo der EZB-Rat heute das erste Mal tagt, wäre zweifellos eine passende Kulisse für ein kleines Feuerwerk zum Einzug. Aber dem verbalen Getrommel im Vorfeld zum Trotz, wird hier wohl heute eher nichts gezündet. Die Mehrzahl der Ökonomen geht davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi nicht viel Neues verkünden wird. Auch wenn er zuletzt ordentlich ins Horn geblasen hat: "Wir werden tun, was notwendig ist, um Inflation und Inflationserwartungen schnellstmöglich anzuheben, wie das unser Preisstabilitätsmandat von uns verlangt", so der EZB-Chef vor wenigen Wochen.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,10

Der Druck, weitere - wenn auch umstrittene - Maßnahmen zu ergreifen, ist ohne Frage hoch. Gefühlt kommt die EZB den von vielen gefürchteten Staatsanleihekäufen immer näher. Die Konjunktur im Euro-Raum kommt nicht in Schwung und die Inflationsraten sind bedenklich niedrig. Nach jüngsten Zahlen der Statistikbehörde Eurostat steigen die Verbraucherpreise im Euroraum immer langsamer: Im November lag die jährliche Teuerungsrate nur noch bei 0,3 Prozent. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Währungshüter nicht mehr lange warten werden, bis sie in den breit angelegten Kauf von Anleihen einsteigen werden.

Welche Rolle spielt der Ölpreis?

Unterstützung bekommen die Befürworter eines Anleihekauf-Programms nach amerikanischem Vorbild vom stetig fallenden Ölpreis, der die Inflation zusätzlich drückt. Möglicherweise geht die EZB deshalb wirklich schneller auf QE-Kurs als viele Marktteilnehmer annehmen. Mit der Mini-Inflation wächst die Furcht vor einer Deflation - also einer Abwärtsspirale der Preise, welche die Konjunktur weiter bremsen könnte. Befürworter von Anleihenkäufen meinen, dass diese die Wirtschaft ankurbeln werden. In den USA scheint das funktioniert zu haben. Möglicherweise liefert die EZB heute selbst ein Argument, warum dieser Schritt schnell notwendig ist. Entscheidungshilfe könnten die neuen Inflations- und Wachstumsprognosen des volkswirtschaftlichen Stabs der EZB leisten. Den Wunschkorridor von knapp zwei Prozent Inflation wird die Eurozone mit höchster Wahrscheinlichkeit verfehlen.

Tatsächlich hat sich die EZB schon einmal vom Ölpreis beeinflussen lassen. Bei der letzten - heftig kritisierten - Zinsanhebung vor der großen Finanzkrise im August 2008 hob sie die Leitzinsen mit der Begründung an, dass der Ölpreisanstieg die Inflationserwartungen zu beeinflussen beginne.

Quantitative Easing (QE)

Bei der "Quantitativen Lockerung" drucken sich Zentralbanken praktisch selbst Geld, um damit in großem Stil Wertpapiere zu kaufen. Über den Erwerb von Unternehmens- oder Staatsanleihen sollen langfristige Zinsen gesenkt werden. Zudem wird zusätzliches Geld ins Bankensystem geschleust, das die Institute zum Beispiel in Form neuer Kredite verwenden können. Das soll die Konjunktur in Schwung bringen. Die Menge (Quantität) des Zentralbankgeldes nimmt zu, daher der Begriff. Verkäufer der Anleihen sind beispielsweise Banken.

Für Staatsanleihenkäufe spricht auch, dass Ökonomen prophezeien, dass die Annahme der EZB, dass sich die Wirtschaft der Eurozone erholt - was für die Inflationsprognosen wichtig ist - einen Schlag erhalten wird. Die Prognose der Zentralbank für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr von 1,6 Prozent sei viel zu optimistisch, heißt es. Zum Vergleich: Andere Ökonomen erwarten lediglich 1,0 Prozent Wachstum. Die Frage ist aber, ob sich die EZB nicht längst an den anderen Projektionen orientiert. Und wie weit die neuen Daten von den Prognosen abweichen. Je weiter desto wahrscheinlicher ist es, dass sie zur Tat schreitet.

EZB: Für eine Einschätzung ist es zu früh

Es gibt aber auch Argumente gegen einen Startschuss für das Quantitative Easing (QE) im Dezember. Die Währungshüter wollen vielleicht erst einmal abwarten, was die im Sommer beschlossenen Maßnahmen bringen, die gerade erst angelaufen sind. Das deutete EZB-Vizepräsident Vitor Constancio diese Woche an. Wahrscheinlich werde die EZB erst im ersten Quartal 2015 einschätzen können, ob die Maßnahmen ausreichen werden, das selbst gesteckte Ziel die Bilanzsumme um rund eine Billion Euro auszuweiten, zu erreichen, sagte der Portugiese.

Experten äußern sich allerdings schon im Vorfeld skeptisch, ob die günstigen Langfristkredite an Banken sowie der Kauf verbriefter Kreditpakete (ABS) und Pfandbriefe reichen werden. Eine erste Bilanz des Programms zum Beispiel für den gerade angelaufenen Kauf von ABS-Papieren fällt bescheiden aus: Die Notenbank hat ein Kreditvolumen von nicht mehr als 400 Millionen Euro aufgekauft. Das ist zu wenig, um viel zu bewegen - was nicht überraschend kommt. Schon als das Programm vorgestellt wurde, hatten Beobachter darauf hingewiesen, dass der Markt zu klein sei. Deshalb wurden auch weitere geldpolitische Maßnahmen in Aussicht gestellt.

Die Kraft der Botschaft, die diesmal aus dem 41. Stockwerk des neuen Doppelturms gesendet wird, wird deshalb wohl wieder eher symbolischer Natur sein. Im Sinne von: Die Währungshüter stehen bereit, die Pläne liegen in der Schublade. Das Warten und die Diskussionen werden weitergehen. So hat es Draghi vor zwei Wochen im Grunde auch vorweggenommen. Er hätte noch ergänzen können: Inflation anheben, ja. Wenn es denn wirklich notwendig ist. Wann entscheidet letztlich immer noch die EZB.

Gut sind solche Botschaften allemal. Das hat man gelernt. Zum einen hat sie gezeigt in den vergangenen Jahren mehr als einmal bewiesen, dass sie eine Währungs-Soko braucht. Zum anderen hat sie gezeigt, dass häufig eine verbale Intervention reicht. Jetzt dürfte ihr die allemal lieber sein. Denn sie steht an einem schwierigen Scheideweg. Die Schritte, die sie skizziert  hat, sind höchst umstritten. Sollte sie vorpreschen, wäre es auf jeden Fall ein großes Feuerwerk zum Einzug.

Quelle: n-tv.de

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