Wirtschaft

Konsolidierung oder Ausbruch? Dax steht vor Richtungsentscheidung

Die Marke von 10.000 Punkten im Dax übt noch immer ihren Reiz auf die Anleger aus. Nach einem Kursrücksetzer unter die Region von 9700 Zählern könnte nun ein erneuter Angriff folgen. Was spricht dafür, was dagegen?

Von wegen Sommerloch, nicht nur die Temperaturen steigen, auch an den Aktienmärkten nimmt die Nervosität zu. Zwar notiert der Dax nur um rund drei Prozent unter seinem Rekordhoch. Nach dem insgesamt eher zähen ersten Halbjahr dürfen sich die Käufer nun aber keine weitere Ruhepause mehr gönnen.

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Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

(Foto: Tradesignal)

 

Nach wie vor sehen wir im Dax einen offenen Schlagabtausch zwischen Käufern und Verkäufern, bisher kann sich keine Seite durchsetzen. Während die bereits investierten Anleger mangels Alternativen nicht verkaufen wollen oder weiter steigende Kurse erwarten, bewerten andere den Markt knapp unter der 10.000 als zu teuer und hoffen auf eine bereinigende Korrektur, um wieder günstiger einsteigen zu können. Die zahlreichen Krisen sowie die laufende Berichtssaison und die traditionell eher schwierige Börsenzeit mit unterdurchschnittlichen Umsätzen und der erhöhten Gefahr von Fehlsignalen schaffen eine spannende Ausgangslage für die kommenden Wochen.

Dazu gesellt sich eine allmählich angespannte charttechnische Lage. Im Blickpunkt rückt auf der Unterseite das mittelfristig richtungsweise Kursareal um 9450 bis 9600 Punkte. Der Bereich kann aus technischer Sicht nicht hoch genug eingeordnet werden. Mit der 200-Tage-Linie, der südlichen Begrenzung des seit Sommer 2012 bestehenden Aufwärtskanals, einer horizontalen Unterstützung um 9600 sowie dem 38- und 50-Prozent-Korrekturniveau scheint der Markt sehr gut nach unten hin abgesichert.

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Franz-Georg Wenner

Zahlreiche Schnäppchenjäger dürften an der Seitenlinie lauern und bei einem Rücksetzer einsteigen. Bleibt dann aber die erhoffte Gegenbewegung aus, ziehen sich die spekulativen Käufer sehr schnell wieder zurück. Eine größere Umkehrbewegung wäre die Folge, mit entsprechend negativen Aussichten für die kommenden Wochen und Monate. Im bearischen Fall müsste für das zweite Halbjahr erneut ein Rücksetzer bis an die mehrfach bestätigte Unterstützung um 8950 / 9000 einkalkuliert werden.

(Noch) ist alles gut

Noch aber halten die Bullen alle Trümpfe in der Hand, der Trend zeigt eindeutig aufwärts. Der Dax sollte nun zügig die 21-Tage-Linie bei 9810 zurückerobern, um berechtigte Chancen auf der Oberseite zu eröffnen. Im Anschluss lauert um 9870 das Vorwochenhoch. Hier hätte der Markt zugleich rund 62 Prozent der jüngsten Abwärtsbewegung wieder aufgeholt - ein Niveau, ab dem die Korrektur als beendet angesehen werden könnte. Spätestens oberhalb  von 9900 Punkten wäre der Weg frei bis zum Rekordhoch.

Zwei Szenarien für die Zukunft

Oft ist der Fokus zu sehr auf das kurzfristige Hin und Her der Kurse gerichtet, während die längerfristige Entwicklung vernachlässigt wird. Besonders selten sind daher Monatscharts des Dax, obwohl auch hier wertvolle Informationen im Kursbild enthalten sind.

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(Foto: Tradesignal)

 

Chart 2 zeigt die Entwicklung seit 1995. Markant sind besonders die steigendes Bewegungstiefpunkte, während der Leitindex zugleich auf der Oberseite lange bei rund 8200 Punkten gedeckelt war. Aus technischer Sicht war der Sprung über die Barriere somit nur eine Frage der Zeit.

Zwei Szenarien sind nun ungefähr gleich wahrscheinlich. Aufgrund der Bedeutung der Zone um 8200 Zähler wäre eine klassische Rückkehrbewegung und somit ein Retest des Ausbruchsniveaus nicht überraschend. Ein möglicher Wendepunkt könnte an der runden Schwelle von 10.000 Punkten liegen. In den vergangenen Monaten zeigte der Dax bereits viel Respekt vor der Marke. Ausgehend von dem kurzen Ausflug in fünfstellige Regionen wäre mittel- bis langfristig eine Korrektur bis in den Bereich um 8200 / 8500 Zähler zu erwarten. Erst im Anschluss würde eine nachhaltige Aufwärtsbewegung einsetzen.

Denkbar ist ebenfalls eine Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau. Da es kaum noch attraktive Anlagealternativen gibt und viele Investoren an der Seitenlinie warten, kam es bereits seit mehreren Monaten nicht mehr zu einer bereinigenden Korrektur. Jeder noch so kleine Rücksetzer wird bisher zum Einstieg oder Positionsaufbau genutzt, die Hausse nährt die Hausse. Die von vielen Investoren erhoffte Korrektur würde ausfallen, weiter steigende Kurse wären die Folge. Verlässliche Widerstände müssen sich dann erst noch ausbilden, erfahrungsgemäß ist an runden Kursmarken mit verstärkten Gewinnmitnahmen zu rechnen.

Dax-Aktien mittelfristig angeschlagen

Zum Abschluss noch der wichtige Blick unter die Oberfläche, um die innere Marktstruktur des Dax zu erfassen. Wer es eilig hat, kann mit der Trendstärke-Matrix schnell erkennen, in welcher Verfassung sich der Index befindet. Dazu sind vier Dinge zu prüfen.

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1) Chancen durch extreme Ausreißer: Haben sich schwarze Punkte bei einzelnen Aktien weit von der Mitte entfernt? Dies würde auf eine zu hohe Nachfrage (Punkt rechts von der Mitte) oder einen zu hohen Abgabedruck (Punkt links von der Mitte) bei dem jeweiligen Papier hindeuten. Aktuell ist das bei keinem Indexmitglied mehr der Fall, nur bei SAP kann allmählich eine Überhitzung festgestellt werden. Die Korrekturgefahr nimmt langsam zu.

2) Gesamtmarkt-Frühindikator: Befinden sich die meisten schwarzen Punkte rechts oder links von den grauen Punkten? Letztere zeigen den Vorwochen-Mittelwert. Dadurch ist sofort erkennbar, in welche Richtung die Reise aktuell geht. Notieren viele schwarze links von den grauen Punkten, ist der Markt schwächer geworden - umgekehrt dagegen zieht die Relative Stärke an. Diese Entwicklung kündigt als Erste einen bevorstehenden Umschwung an. Derzeit steigt die Trendstärke bei einer knappen Mehrzahl der Werte an, dies ist leicht positiv für den kurzfristigen Zeithorizont.

3) Gesamtmarkt überkauft/überverkauft: Befinden sich sehr viele schwarze Punkte auf derselben Seite von der Mittellinie? Derzeit tendieren die 30 Dax-Mitglieder zwar überwiegend nach links, liegen also unter ihrem Vier-Wochen-Durchschnitt. Zehn Titel liegen über dem Mittelwert, zu Wochenbeginn waren es sogar nur vier Werte. Dieser überverkaufte Extremzustand des Index wird aktuell abgebaut, ein Umschwung des Marktes zeichnet sich ab.

4) Gesamtmarkt-Trend: Welche Farbe dominiert die Grafik? Der vielleicht wichtigste Gesamtmarktindikator: Aktuell sind nur drei Balken grün, nur noch bei diesen Aktien steigen die Vierwochen-Durchschnitte. Hingegen fallen 15 Papiere im Durchschnitt, der Rest hat keinen klaren Trend. Damit ist die mittelfristige Tendenzprognose für den Dax passend zum Sommerloch negativ.

Quelle: ntv.de

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