Wirtschaft

Viele Aktien heiß gelaufen Denkpause für die Börsen

Das niedrige Zinsniveau oder gar die jüngsten Strafzinsen der EZB werden noch viele Anleger in die Aktienmärkte treiben. Doch Belohnung ohne Risiko gibt es nicht mehr. Die aktuell hohe Bewertung vieler Aktien mahnt zur Vorsicht.

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Ein Mann geht an der Skulptur "Der Denker" von Auguste Rodin in der Skulpturenhalle im Dresdner Albertinum vorbei.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Vertrauen der Investoren will trotz des Dax-Rekordlaufs an den Börsen nicht zurückkehren. Nicht ganz unbeteiligt an dieser Situation sind Politik und Notenbanken. Anleger sollen Altersvorsorge betreiben und gleichzeitig werden die Zinsen wieder einmal deutlich gesenkt beziehungsweise Strafzinsen verteilt.

Um nicht in dieses Loch in der Zinslandschaft zu fallen, müssen Anleger höhere Risiken eingehen. Der Aktienmarkt in Deutschland wie in anderen Ländern angetrieben durch die Zins-Entscheidung der EZB neue Rekordhöhen erreicht. Aber das Rundum-Sorglos-Paket der Europäischen Zentralbank für den Aktienmarkt zeigt erste Risse. Ein Risikofaktor ist die hohe Bewertung im Vergleich zur Volatilität, zusammen signalisieren sie, dass kurzfristig Gefahr in Verzug ist.

Das Angstbarometer steigt wieder

Die aufkommende Gefahr spiegelt auch der VDAX-New wider. Er misst die Schwankungsbreite im Dax und ist als Angstbarometer bei Anlegern gefürchtet. Der VDax-New signalisierte in dieser Woche bei einem Stand von unter 14 Punkten eine sehr hohe Sorglosigkeit unter Anlegern. Häufig reicht auf diesem Niveau aber eine leichte Zunahme der Unsicherheit aus, um die Anleger zu verschrecken, einfach weil niemand damit gerechnet hat. Mit der Zuspitzung der Kämpfe im Irak ist das Volatilitäts-Pendel zum Wochenausklang auch promt wieder nach oben ausgeschlagen. Dennoch hält sich die Angst beziehungsweise die Volatilität immer noch auf einem vergleichsweise niedrigen Stand.

Hohe Bewertungsrelationen

Besonders auffällig ist das Verhältnis der Volatilität zur Aktienmarktbewertung anhand der Kurs-Gewinnrelation. Sie ist sehr hoch, auch wenn sich dieses Verhältnis zum Wochenschluss auf dem deutschen Parkett etwas beruhigt hat. Für den US-Aktienmarkt hat der Analyst der Deutschen Bank David Bianco diese Relation untersucht. Dabei wird das fortlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Relation zur Volatilität gemessen, hier der Volatilitätsindikator VIX für den marktbreiten S&P 500.

Das Verhältnis zeigte unlängst mit einem Wert von mehr als 1,66 ein Niveau an, das Bianco als Markt-Manie bezeichnet hat. "Aus der Phase der Selbstgefälligkeit bewegen wir uns in die Phase der Manie", beurteilt Bianco die aktuelle Gemütslage des Marktes. Selbst die Krisen in den Jahren 2000 und 2007 haben keine solchen Manie-Levels hervorgebracht. Hier war lediglich die Sorglosigkeit besonders hoch.

Daher rät Bianco Anlegern, auf bessere Einstiegszeitpunkte zu warten. Dann haben auch Politik und Notenbanken wieder Zeit, Vertrauen aufzubauen. Allerdings waren solche Denkpausen an den Aktienmärkten in den vergangenen Jahren sehr kurzweilig.

Quelle: n-tv.de

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