Wirtschaft

US-Geldpolitik bleibt ultralocker Yellen erfreut die Finanzmärkte

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Applaus für Janet Yellen: Nicht nur Ben Bernanke (r.) und Barack Obama (l.) denken so.

(Foto: REUTERS)

Ab Februar sitzt der US-Notenbank eine Frau vor. An der Geldpolitik der Federal Reserve wird sich deshalb aber erst einmal nichts ändern. Das macht die designierte Fed-Chefin Yellen unmissverständlich deutlich. Der Grund dafür ist nicht neu, die Reaktionen darauf folgen prompt.

Bei Alan Greenspan haben die Finanzmärkte genau hingehört, wenn er sich zu Zins- oder Geldpolitik äußerte, bei Ben Bernanke ebenso. Eine Tradition, die sich mit der küntigen Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Janet Yellen, fortsetzen wird. Den Beweis für diese These lieferte sie selbst.

Vor der Senatsanhörung ist das Rede-Manuskript der künftigen Fed-Präsidentin veröffentlicht worden. Darin betont sie, dass die US-Wirtschaft seit der Rezession "gute Fortschritte" gemacht habe, allerdings auch noch weiter wachsen müsse, um die erlittenen Verluste wieder auszugleichen. Die Fed müsse noch "mehr Arbeit" für die Erholung der US-Wirtschaft investieren. Zwischen den Zeilen heißt das: Yellen spricht sich für eine Fortsetzung der ultralockeren US-Geldpolitik aus. Damit dämpft sie die Furcht vor einem abrupten Ende der Konjunkturspritzen.

In den USA und in Asien zogen die Kurse von Aktien und Anleihen in Reaktion auf die Rede an, während der Dollar deutlich nachgab und sich erst wieder im fernöstlichen Handel etwas fangen konnte. "Es wird wieder auf Risiko gespielt", kommentierte ein Händler.

"Tapering" im Dezember unwahrscheinlich

Eine Unterstützung der Konjunktur zum jetzigen Zeitpunkt sei der sicherste Weg, um zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren zu können, erklärte Yellen. Sowohl die Gesamtwirtschaft als auch der Arbeitsmarkt blieben noch weit hinter ihrem Potenzial zurück und der Inflationsdruck auf absehbare Zeit gedämpft. Yellens Aussagen waren an den Finanzmärkten mit großer Spannung erwartet worden, weil sie ein erster Hinweis auf die zukünftige US-Geldpolitik unter ihrer Führung sind - voraussichtlich wird sie im Februar das Erbe von Ben Bernanke antreten.

Gerade weil Yellen als Verfechterin einer lockeren Geldpolitik gilt, hatten einige Volkswirte damit gerechnet, dass sie sich als harte Inflationsbekämpferin präsentiert, um ihre Glaubwürdigkeit zu stärken. "Dies geht jedoch nicht aus der Rede hervor. Wir gehen auch nicht davon aus, dass sie morgen früh (im Ausschuss) eine härtere Tonart anschlägt", erklärte Michael Feroli von JP Morgan.

Yellens deutliche Aussprache für eine Stützung der Konjunktur sei ein Anzeichen dafür, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihekäufe im Dezember noch nicht drosseln dürfte, hieß es. "Dies schließt jedoch nicht unbedingt ein kleines 'Tapering' im Januar aus, falls die Daten mitmachen", erklärte Dana Saporta von Credit Suisse. Im Fachjargon bezeichnet 'Tapering' die Drosselung der Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar im Monat.

Zuletzt hatten relativ gute Wirtschaftsdaten in den USA und Äußerungen einiger Fed-Vertreter die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Notenbank ihre monatlichen Wertpapierankäufe bereits im Dezember und damit früher als erwartet zurückfahren könnte. 

Unbequemes "Verhör"

Yellen muss sich auf harte Fragen im Senatsausschuss gefasst machen. Ihre Gegner befürchten zunehmende Inflationsgefahren, wenn die Fed unter ihrer Führung zu spät die Geldflut an den Märkten wieder eindämmen sollte.

Die erforderliche Mehrheit im Senat für die Nominierung dürfte der 67-jährigen Ökonomin dennoch sicher sein, auch wenn einige Republikaner mit kritischen Fragen die Bestätigung zu erschweren versuchen. Der mehrheitlich mit Demokraten besetzte Bankenausschuss prüft Yellens Qualifikation für den Job, bevor der gesamte Senat über die Personalie abstimmt.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts

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