Wirtschaft

Irlands Schuldenberge Deutsche Banken zittern

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(Foto: dpa)

Die Angst vor einer Staatspleite mitten in Europa macht wieder die Runde. Nach Griechenland sorgen sich die Akteure an den Finanzmärkten diesmal vor allem um Irland. Müssen nun auch wieder deutsche Finanzhäuser mit dem Rotstift an ihre Bilanzen?

Bange Blicke richten sich im Zuge der Sorgen um die irischen Staatsfinanzen auch auf die europäischen Banken. Bei der Griechenland-Krise waren vor allem sie es, die um ihre Gelder und damit auch um ihre eigene finanzielle Lage fürchteten. Wiederholt sich nun die Geschichte am ganz westlichen Rand Europas? Ein Blick in die Finanzierungsstrukturen Irlands hilft weiter, auch was das Engagement deutscher Banken betrifft. Für die deutschen Banken haben die Statistiken eine schlechte und zumindest eine halbwegs gute Nachricht.

Wenig Staatsanleihen

Die gute Nachricht zuerst: In der Spitzengruppe der Staatsfinanzierer Irlands, die also Staatsanleihen aus Dublin in ihren Depots halten, taucht keine deutsche Bank an prominenter Stelle auf - nicht mehr. Das zeigen die Ergebnisse des Stresstests, dem sich die europäischen Finanzhäuser im Frühjahr 2010 unterziehen mussten. Zwar schlummern laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auch in den Beständen deutscher Institute irische Staatsschuldpapiere von 3,4 Mrd. Euro, das Engagement etwa französischer oder britischer Banken ist jedoch mehr als doppelt so hoch. Das weitaus größte Risiko durch Staatsanleihen tragen nach Berechnungen von Barclays Capital jedoch ohnehin nicht europäische Banken, sondern Investoren außerhalb der Bankenwelt. Kurzum: Ein Domino-Risiko für den Bankensektor wegen ausfallender Staatsanleihen, wie es im Falle Griechenlands befürchtet wurde, ist unwahrscheinlich.

Ursprünglich spielte die Hypo Real Estate mit ihrer irischen Tochter Depfa Bank eine wichtige Rolle bei der Staatsfinanzierung Irlands. Um jedoch die Probleme der deutschen Skandalbank in den Griff zu bekommen, wurden all jene Wertpapiere, die der HRE gefährlich werden könnten, in eine Bad Bank verschoben. Dort können sie weder der Hypo Real Estate noch in der Folge dem gesamten Finanzsystem gefährlich werden. Richtig gut ist diese Nachricht aber deshalb nicht, weil die giftigen Papiere, auch die aus Irland, damit lediglich unter Quarantäne gestellt wurden. Ob sie am Ende gesund oder als Totalverlust für den Steuerzahler die Isolierstation verlassen, steht in den Sternen. Eine Staatspleite, auch wenn sie nicht allzu wahrscheinlich ist, würde ohne Zweifel negative Fakten schaffen.

Viele Schulden

Die schlechte Nachricht: Weitaus größer als die Staatsverschuldung Irlands sind die Schulden, die das Land darüber hinaus über seine Bürger und Unternehmen im Ausland angehäuft hat. Insgesamt beliefen sich diese Schulden Mitte 2010 auf 731,2 Mrd. US-Dollar. Den Löwenanteil von mehr als zwei Dritteln davon schulden die Iren europäischen Banken. Größte Gläubiger sind die britischen Finanzinstitute, die auf Forderungen in Höhe von 148,5 Mrd. US-Dollar sitzen. Zweitgrößte Gläubiger sind jedoch bereits deutsche Banken, die den Iren aktuell 138,6 Mrd. US-Dollar geliehen haben. Auch Belgien und Frankreich sind in größerem Umfang im Geschäft, ihr Risiko ist jedoch wegen deutlich geringerer Außenstände bedeutend kleiner als das deutscher Institute.

Wohl und Wehe der großen Gläubigerbanken hängt nun davon ab, in welchen Bereichen die Institute ihr Geld verliehen haben und wie stark diese von der konjunkturellen Entwicklung in einzelnen Bereichen angewiesen sind. Sollte Irland tatsächlich Hilfen der EU und des IWF in Anspruch nehmen müssen, verliert es seine Souveränität, frei über seine Staatsausgaben und deren Finanzierung entscheiden zu können. Strukturveränderungen werden jedoch auch ihre Spuren in der irischen Wirtschaft hinterlassen, da beispielsweise eine mögliche Anhebung der bisher sehr niedrigen Unternehmenssteuern die Wirtschaftsleistung weiter schwächen könnte. Eine Folge davon wären höhere Ausfälle bei Krediten, die dann auch in den Bilanzen deutscher Banken abgeschrieben werden müssten.

Die meisten Banken werden vor allem stets ein Auge auf den Immobilienmarkt der Insel werfen. Kommt die irische Wirtschaft, ob mit oder ohne finanzieller Schützenhilfe, nicht wieder richtig in Fahrt, dürften Investoren vergeblich auf eine Neubelebung der Häuserpreise warten. Das jedoch wäre eine schlechte Nachricht für die Gläubigerbanken, da sie im Spiel um immer weiter steigende Immobilienkurse hoch gepokert und verloren haben - vorerst.

Quelle: n-tv.de

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