Wirtschaft

BIP wächst kaum Deutsche Wirtschaft stagniert

Negative Überraschung an der deutschen Konjunkturfront: Das Bruttoinlandsprodukt legt im zweiten Quartal um lediglich 0,1 Prozent zu. Deutschland hat es damit mit dem langsamsten Wachstum seit dem Beginn des Krisenjahres 2009 zu tun. Die lahmende deutsche Wirtschaft bremst auch das Wachstum in der Eurozone.

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Dunkle Konjunkturwolken erreichen Deutschland.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Aufschwung ist im zweiten Quartal fast zum Erliegen gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von April bis Juni nur noch um 0,1 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr, teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit.

"Das ist das langsamste Wachstum seit Jahresbeginn 2009, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte", sagte ein Statistiker. Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet, wobei ihre Prognosen von 0,2 bis 0,8 Prozent reichten. Das Wachstum für das erste Quartal korrigierten die Statistiker gleichzeitig von 1,5 auf 1,3 Prozent nach unten.

Die privaten Konsumausgaben und die Bauinvestitionen bremsten die deutsche Wirtschaft im zweiten Vierteljahr 2011, hieß es. Weil die Importe schneller stiegen als die Exporte, kamen auch vom Außenhandel negative Impulse. Dagegen zogen Investitionen der Unternehmen an und hielten die Wirtschaft damit auf Wachstumskurs. Details wollen die Statistiker am 1. September nennen.

Experten reagierten überrascht auf die unerwartet starke Konjunkturabkühlung. "Das ist eine herbe Enttäuschung", sagte WestLB-Analyst Jörg Lüschow. "Wir kennen noch nicht die genauen Ursachen", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Aber es liegt natürlich auch am Bau, der im ersten Quartal von einer ungewöhnlich milden Witterung profitiert hatte. Diese Nachfrage fehlte jetzt."

Die weltweite Konjunkturabkühlung habe der Exportnation ebenfalls zugesetzt. "Auch Deutschland kann sich nicht völlig abkoppeln vom Rest der Weltwirtschaft", sagte Krämer. "Die Frühindikatoren zeigen mittlerweile auch bei uns nach unten."

Negative Auswirkungen auf Eurozone

Die lahmende deutsche Wirtschaft bremste auch das Wachstum in der Eurozone kräftig. Die Konjunkturentwicklung verlief deutlich weniger dynamisch als noch zum Jahresstart. Im zweiten Quartal 2011 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 17 Euro-Ländern im Vergleich zum Vorquartal nur um 0,2 Prozent zu, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg in einer ersten Schätzung mit. Zu Jahresbeginn hatte der Aufschwung noch mehr Fahrt gehabt: Im ersten Quartal lag die Wachstumsrate bei 0,8 Prozent. Im Jahresvergleich ist die Wirtschaft im Euroraum von April bis Juni um 1,7 Prozent gewachsen.

In der gesamten EU legte das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal verglichen mit dem vorangegangenen Drei-Monats-Zeitraum ebenfalls um 0,2 Prozent zu. Im ersten Quartal hatte das Wachstum auch in den 27 EU-Staaten bei 0,8 Prozent gelegen.

In den Euro-Staaten Frankreich und Portugal sowie in Ungarn stagnierte die Wirtschaft im zweiten Quartal. Am besten schnitten unter den Euro-Ländern Estland (1,8 Prozent), Finnland (1,2 Prozent) und Österreich (1,0 Prozent) ab.

Quelle: ntv.de, rts/dpa

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