Wirtschaft

Zalando und Co. sahnen ab Deutsche lassen sich in Krise beliefern

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Der Online-Modehändler Zalando konnte seinen Gewinn im zweiten Quartal mehr als verdoppeln.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Pandemie beschert etlichen Firmen herbe Umsatzverluste. Doch die Schließung von Restaurants und Geschäften bringt auch neue Gewinner hervor: Lieferservice-Unternehmen wie Hellofresh und Zalando gewinnen innerhalb weniger Wochen Millionen neue Kunden.

Die Notwendigkeit, in der Corona-Krise zu Hause zu bleiben, beschert viele Lieferdienste mit einem gewaltigen Umsatzplus. Zu den großen Gewinnern zählen unter anderem Europas größter Online-Modehändler Zalando und der Kochboxen-Lieferant Hellofresh.

Der Umsatz von Hellofresh sprang im zweiten Quartal um mehr als das Doppelte auf rund 972 Millionen Euro, wie das in Berlin ansässige Unternehmen mitteilte. Es habe eine hohe Anzahl wiederkehrender Bestellungen gegeben und ein Bestellvolumen, "das so groß war wie noch nie", sagte Firmenchef Dominik Richter. Deswegen könne die Prognose erneut angehoben werden.

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Finanzchef Christian Gärtner begründete dies unter anderem mit dem vielversprechenden Start ins dritte Quartal sowie der erneuten Verschärfung der Corona-Krise in einigen Märkten. Ein Händler sprach von einer positiven Überraschung. Die Hellofresh-Aktie kletterte mehr als sieben Prozent zum Handelsstart. Geschlossene Restaurants, Ausgangssperren und viele Leute, die regelmäßig von zu Hause arbeiten, spielen dem Anbieter von Kochboxen, die mit Rezepten und abgemessenen Zutaten direkt nach Hause geliefert werden, in die Hände.

Hellofresh verdrängt US-Marktführer

Laut Richter würden inzwischen viele Kunden nicht nur ihr Abendessen, sondern auch ihr Mittagsmahl am heimischen Tisch essen. Dieser Trend werde wohl anhalten. Positiv habe sich im zweiten Quartal auch ausgewirkt, dass viele Kunden im Sommer nicht verreist seien.

Um das Wachstum stemmen zu können, eröffnet Hellofresh in Großbritannien wie auch den USA neue Produktionsstätten. Seit Juni ist das Unternehmen in Dänemark aktiv und damit nunmehr in 14 Ländern. Im zweiten Quartal stieg die Zahl der Kunden von 2,4 auf fast 4,2 Millionen. Rund zwei Millionen aus den USA. Darunter scheint der dortige einstige Marktführer Blue Apron zu leiden: Im Vergleich zum Vorjahr verlor der US-Konzern sogar Kunden.

Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) von Hellofresh legte auch wegen geringerer Marketingkosten auf bisher nie erreichte 153,6 Millionen Euro zu. Im Gesamtjahr soll der Umsatz währungsbereinigt um 75 bis 95 (bisher 55 bis 70) Prozent steigen und die Betriebsergebnis(AEbitda)-Marge zwischen neun und elf Prozent statt bisher zwischen acht und zehn Prozent.

Zalando verdoppelt Gewinn im zweiten Quartal

Die geschlossenen Restaurants und Ausgangssperren haben auch bei Essenslieferant Delivery Hero im zweiten Quartal eine Umsatzverdopplung beschert. Der Dax-Kandidat rechnet dieses Jahr mit einem Umsatz zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro. Analysten hatten bereits Werte um die 2,7 Milliarden Euro auf dem Zettel, Delivery Hero selbst stellte bisher 2,4 bis 2,6 Milliarden in Aussicht.

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Auch Zalando hat in der Corona-Krise Millionen Kunden gewonnen. Ende Juni habe die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel höher bei mehr als 34 Millionen gelegen, teilte das in Berlin ansässige Unternehmen mit. Der Umsatz legte in den ersten sechs Monaten ähnlich stark auf 3,56 Milliarden Euro zu, im zweiten Quartal betrug das Plus sogar 27 Prozent. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg leicht auf 113,3 Millionen Euro.

Erst Mitte Juli hob das Unternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr an. Es rechnet demnach nun für 2020 mit einem Umsatzplus von 15 bis 20 Prozent statt mit zehn bis 20 Prozent und mit einem operativen Gewinn (Ebit) zwischen 250 und 300 Millionen Euro statt mit 100 bis 200 Millionen Euro.

Quelle: ntv.de, vmi/rts