Wirtschaft

Jens Dirk Nonnenmacher Die Wege des Dr. No

Mit sportlicher Ausdauer konnte sich HSH-Chef Nonnenmacher trotz erheblichen öffentlichen Drucks an der Spitze der skandalumwitterten Landesbank halten. Nun jedoch muss der ungeliebte Manager wohl sein Bündel schnüren. Ein Porträt.

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(Foto: dpa)

Lange musste Jens Dirk Nonnenmacher nach seinem Wechsel zur HSH Nordbank nicht auf seinen Spitznamen warten: Dr. No. Ob es dabei eher äußerliche oder charakterliche Ähnlichkeiten mit dem Bösewicht des ersten James-Bond-Films waren, die den Ausschlag gaben, ist nicht überliefert. Unstrittig ist jedoch, dass sich der stets gut gegelte Bankchef seit seinem Amtsantritt bei der wankenden HSH keine außerordentlichen Sympathien erworben hat. Dafür sorgt eine ganze Reihe von Ungereimtheiten, für die er nun die Konsequenzen tragen muss.

Dass Nonnenmachers Wege einmal in die Finanzwelt führen würden, war zu Beginn seiner Karriere trotz der offenkundigen Faszination für Zahlen keineswegs klar. Vielmehr schien er zunächst eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Er studierte in Deutschland und den USA Mathematik und Medizin. Mit 27 Jahren promovierte er an der Universität Ulm über die "Theorie mehrdimensionaler Perron-Integrale mit Ausnahmemengen", drei Jahre darauf schloss er seine Habilitation an. Er lehrte und forschte daraufhin an deutschen und US-amerikanischen Universitäten und lehrte als Honorarprofessor an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg.

Geld lockt

Parallel zu seinen Lehraufgaben lockte Nonnenmacher jedoch rasch auch die Finanzwirtschaft. Er beriet Finanzhäuser in den Bereichen Konzernsteuerung, Risikomanagement und Produktentwicklung. 1998 übernahm Nonnenmacher als Bereichsleiter für die Dresdner Bank in Frankfurt und London die globale Entwicklung und Umsetzung der Methoden für das Markt- und Kreditrisiko. Von 2004 an leitete Nonnenmacher das Strategische, Risiko- und Financial Controlling der DZ Bank in Frankfurt.

Nonnenmachers Zeit bei der HSH Nordbank begann schließlich 2007, zunächst als Finanzvorstand und Verantwortlicher für das Risiko-Management. Zu dieser Zeit war die HSH bereits auf dem besten Wege in die Krise. Allzu ehrgeizige Pläne für einen Börsengang der Bank hatten einen Strategieschwenk weg von Geschäften mit verbrieften Krediten scheinbar unmöglich gemacht, waren sie doch in guten Zeiten eine Gelddruckmaschine.

Als der Untergang der US-Investmentbank Lehman Brothers die Verluste der HSH in die Höhe schnellen ließen und das Institut an den Rand der Pleite drängte, musste der damalige HSH-Chef Hans Berger im November 2008 seinen Posten räumen. Als Nachfolger hatte der Aufsichtsrat Jens Dirk Nonnenmacher auserkoren. Er nahm an - zu seinen Bedingungen.

Millionenbonus zur Unzeit

Obwohl milliardenschwere staatliche Hilfen nötig waren, um die HSH zu stabilisieren, ließ sich Nonnenmacher gleich zu seinem Amtsantritt einen Sonderbonus von 2,9 Mio. Euro zusichern. In der Öffentlichkeit sorgte dieses ungewöhnliche Verständnis von Leistungsanreizen für heftigen Unmut, da die Bezüge staatlich gestützter Finanzhäuser eigentlich auf maximal 500.000 Euro jährlich begrenzt wurden. Doch Nonnenmacher setzte noch einen drauf und geißelte die Debatte um seine Bezüge als "Unsinn".

Im Visier stand Nonnenmacher zudem auch wegen seiner möglichen Verstrickung in die so genannten "Omega-Geschäfte", just jener riskanter Finanzdeals, die die HSH beinahe um ihre Existenz gebracht hätte. Noch immer steht der Verdacht im Raum, Nonnenmacher habe als damaliger Finanzchef von diesen Geschäften gewusst und seinen Chef nicht informiert. Damit hätte Nonnenmacher das Schicksal der HSH riskiert, um den Chefposten für sich freizugraben.

Atmosphärische Krönung sind jedoch die Vorwürfe gegen Nonnenmacher, HSH-kritische Politiker überwacht und unliebsame Mitarbeiter durch fingierte Beweise aus dem Unternehmen gedrängt zu haben. Einem Manager in der New Yorker Niederlassung soll dabei sogar gezielt kinderpornographisches Material untergeschoben worden sein.

Aller analytisch-intellektuellen Brillanz zum Trotz bleibt von Jens Dirk Nonnenmacher vor allem die Ausstrahlung von Arroganz und stoischer Selbstzufriedenheit haften. Das kostete ihn sicher nicht seinen schweren Job bei der HSH. Die Folgen mangelnder Bodenhaftung jedoch schon.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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