Wirtschaft

Advent peilt Mehrheit an Douglas-Verkauf naht

Die Übernahme der angeschlagenen Handelskette Douglas kommt voran. Finanzinvestor Advent scheint in den Gesprächen mit den Großaktionären Oetker und Erwin Müller Fortschritte zu machen. Der Deal ist zwar noch nicht in trockenen Tüchern, die Douglas-Aktie zieht aber schon mal kräftig an.

Der Finanzinvestor Advent kommt einer Übernahme der Handelskette Douglas näher. Advent International verhandele mit zwei Douglas-Großaktionären, die dem Investor zu einer Beteiligung von gut 50 Prozent verhelfen könnten, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters aus Verhandlungskreisen. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, kurzfristig sei aber kein Abschluss mit dem Drogerieunternehmer Erwin Müller und dem Nahrungsmittelkonzern Oetker zu erwarten. Vor allem rechtliche Fragen seien noch zu klären, hieß es im Umfeld der Beteiligten. Die Verhandlungen könnten noch immer scheitern.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete, Advent sei bereit, 38 bis 40 Euro je Aktie des Parfüm-, Buch-, Schmuck- und Süßwarenhändlers aus Hagen bei Dortmund zu zahlen, ein Übernahmeangebot sei schon in der kommenden Woche möglich. Damit würde der im Nebenwerteindex MDax gelistete Konzern mit 1,5 bis 1,6 Mrd. Euro bewertet. Das trieb die Douglas-Aktie am Markt um fast zehn Prozent auf 37 Euro nach oben.

Advent setzt mit seinem Vorgehen die Gründerfamilie Kreke unter Druck: Vorstandschef Henning Kreke bliebe damit nur, mit dem Mehrheitseigentümer an einem Strang zu ziehen oder sich von der eigenen 12,7-Prozent-Beteiligung ebenfalls zu trennen. Im Umfeld des Finanzinvestors wird betont, dass Advent auch bei Douglas auf ein freundliches Vorgehen setze. Verhandlungen mit Kreke gibt es allerdings Branchenkreisen zufolge nicht. Eigentlich hatte sich Henning Kreke das anders vorgestellt: Anfang des Jahres hatte er mit dem Plan überrascht, die seiner Ansicht nach unterbewertete Douglas AG zusammen mit einem Finanzinvestor von der Börse zu nehmen. BC Partners und Permira hatten jedoch abgewunken. Sie hätten maximal 35 Euro je Douglas-Aktie zahlen wollen.

Gewinn liegt im Einkauf

In Investorenkreisen wird bezweifelt, ob Advent deutlich mehr ausgeben will. "Auch bei Finanzinvestoren liegt der Gewinn im Einkauf", sagte ein Insider. Damit sich eine Übernahme zu einem so hohen Preis lohne, müsste der neue Investor zumindest für das Sorgenkind Thalia eine Lösung parat haben. Die Buchhandelskette leidet stark unter der Konkurrenz von Amazon & Co aus dem Internet und belastet den gesamten Konzern. Auch zwischen den Douglas-Parfümerien, Hussel-Süßwarenläden und den Christ-Schmuckgeschäften können Experten kaum Größeneffekte erkennen.

Um bei Douglas richtig durchgreifen zu können, bräuchte der Investor eine Dreiviertel-Mehrheit. Dieser könnte er durch ein Bündnis mit den Krekes und der zweiten Gründerfamilie Eklöh näherkommen, deren Anteile auf 20 Prozent geschätzt werden, aber als Streubesitz gelten.

Die Douglas-Aktie hatte lange um 34 Euro gependelt. LBBW-Analyst Bernd Müll hält die genannten 38 bis 40 Euro allerdings für "plausibel". Die DZ Bank erklärte, die Familie Kreke werde eine Mehrheitsübernahme durch Advent nicht verhindern können. Analyst Holger Schwesig kündigte an, sein Kursziel von 31 Euro zu überprüfen.

Advent, Douglas, Kreke und Oetker wollten sich am Dienstag zu den Informationen nicht äußern, Müller war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Erwin Müller hat es eilig

Vor allem der mit 10,7 Prozent beteiligte Ulmer Drogerie-Unternehmer Müller hat ein Interesse daran, rasch zu einem Abschluss zu kommen. Medienberichten zufolge hat Müller sich mit Finanzwetten gegen den Schweizer Franken verspekuliert, so dass er sich die anfangs geplante Aufstockung seiner Douglas-Anteile nicht mehr leisten könne. In den nächsten Wochen werden aber Optionen fällig, nach denen Müller weitere 15 Prozent an Douglas erwerben müsste - laut "Financial Times Deutschland" zu Preisen von 42 bis 43 Euro. Pflichtmitteilungen deuten darauf hin, dass er die Geschäfte mit der Schweizer Bank Sarasin abgeschlossen hat, die eine Beteiligung von zehn Prozent an Douglas aufgebaut hat. Mit dem genannten Preis von 38 bis 40 Euro für Aktien und Optionen käme er ohne größere Verluste davon.

Der Bielefelder Oetker-Konzern ist bereits seit den 1990er Jahren an Douglas beteiligt, als die Aktie bei 26 Euro notierte, und hatte 2008 auf gut 25 Prozent aufgestockt. Oetker winkt bei einem Verkauf an Advent ein finanzieller Gewinn. Mit den Aktien beider Großaktionäre käme Advent auf gut 50 Prozent der Anteile und müsste damit allen anderen Anteilseignern ein Pflichtangebot unterbreiten. Je höher der Durchschnittskurs der Douglas-Aktie wird, desto teurer kann die Offerte werden, die aber mindestens den an Oetker und Müller gezahlten Preis erreichen muss.

Quelle: ntv.de, rts