Wirtschaft

IWF senkt Wachstumsprognosen Wirtschaft vor tiefem Fall?

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Weltwirtschaft vor tiefem Fall? IWF senkt Wachstumsprognosen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Weltkonjunktur stottert - und schuld sind die Industrieländer. Zu diesem Schluss kommt der IWF in seiner jüngsten ökonomischen Analyse. Der Fonds schätzt die globalen Wachstumsaussichten deutlich schwächer ein als bisher, und auch Deutschland bekommt Probleme. Die Politik ist in der Pflicht.

Mit sehr gemischten Gefühlen blickt der Internationale Währungsfonds (IWF) auf das globale Wachstum. Der Fonds senkte erneut seinen Ausblick für die Weltwirtschaft und gab die Schuld dafür den Industrieländern. In diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf globaler Sicht um 3,3 Prozent zunehmen und damit 0,2 Prozentpunkte weniger als noch im Juli geschätzt worden war. Für 2013 sagt der IWF ein Wachstum von 3,6 Prozent voraus. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als bislang angenommen. Die Werte gehen aus dem neuen Weltwirtschaftsausblick der Institution hervor.

Auch für Deutschland korrigierte der IWF seine Prognose zum Negativen. So werde das BIP der Bundesrepublik im laufenden Jahr wie bisher angenommen um 0,9 Prozent zulegen. Aber 2013 werde das Wachstum in Deutschland statt 1,4 Prozent ebenfalls nur noch 0,9 Prozent betragen. Schon im vergangenen Juli hatten die IWF-Volkswirte ihre Prognose für Deutschland verringert.

Für den Euroraum sehen die Ökonomen ebenfalls deutlich schwächere Werte. In diesem Jahr werde beim BIP sogar ein Minus von 0,4 Prozent verzeichnet. 2013 werde es zwar wieder leicht um 0,2 Prozent wachsen. Bisher war aber mit einem Wachstum von 0,7 Prozent gerechnet worden.

IWF sieht Eurozone in der Pflicht

Ursache sei die Wachstumsschwäche der Industrieländer, die unter der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen und ihren immer noch angeschlagenen Bankensystemen litten. Darüber hinaus diagnostiziert der IWF eine allgemeine Unsicherheit. Zusammen wirkten diese Faktoren auch auf die Schwellen- und Entwicklungsländer, was die Industrieländer zusätzlich belaste.

Handlungsbedarf sieht der IWF vor allem in der Eurozone. Hier müssten die Pläne für eine stärkere Integration umgesetzt werden, darunter eine Bankenunion mit gemeinsamer Aufsicht und Einlagensicherung und Rekapitalisierung. Kurzfristig müssten Spanien und Italien Pläne zur Herstellung von Wettbewerbsfähigkeit bei fiskalischer Balance und gleichzeitigem Wirtschaftswachstum umsetzen. "Um das zu tun, müssen sie Banken rekapitalisieren können, ohne dabei ihre Staatsschulden zu erhöhen", forderte Blanchard. Außerdem müssten diese Länder in der Lage sein, zu "vernünftigen Zinsen" Geld zu borgen.

Bisher hat die EU nur Spanien Geld für die Rekapitalisierung seiner Banken zugesagt. Von den in Aussicht gestellten 100 Mrd. Euro wird das vermutlich nur 60 Mrd. brauchen. Italien oder italienische Banken haben bisher keinen Hilfsbedarf angemeldet.

Zinsen niedrig halten

Der IWF riet der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Zinsen niedrig zu halten oder sogar noch weiter zu senken. Das neue Staatsanleihekaufprogramm OMT wird nach Aussage des IWF helfen, dass die von der EZB gesetzten niedrigen Leitzinsen auch zu niedrigeren Kreditzinsen in den Peripherieländern führen. Die Deutsche Bundesbank hat derartige Vorschläge des IWF im Vorfeld der bevorstehenden Herbsttagung erstmals öffentlich kritisiert.

USA droht Rezession

Im Hinblick auf die USA, für die der Fonds Wachstumsraten von 2,2 uns 2,1 Prozent prognostiziert, warnt der IWF vor allem vor den Auswirkungen ungelöster fiskalischer Probleme. Er sieht das Risiko, dass sich die US-Politiker nicht auf die Verlängerung bestimmter Steuererleichterungen und auf eine Anhebung des Schuldenlimits einigen können. In diesem Falle würden automatisch starke Steuererhöhungen wirksam, die die USA nach IWF-Ansicht letztlich in eine Rezession treiben könnten.

China prognostiziert der IWF Wachstumsraten von 7,8 und 8,2 Prozent. Die Organisation geht davon aus, dass die Binnennachfrage 2013 anziehen wird. Besonders die Investitionen dürften von der lockeren Geldpolitik der People's Bank of China profitieren, erwartet der IWF.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/dpa