Wirtschaft

Razzia in der Pharma-Branche EU-Ermittler suchen Beweise

Im Auftrag der Wettbewerbshüter gehen EU-Ermittler grenzüberschreitend gegen Unternehmen aus der Pharma-Branche vor. Ihr Verdacht: Mehrere Firmen sollen die Einführung von Generika-Produkten verzögern - zum Schaden von Kunden und Krankenkassen.

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Die Pharmabranche steckt viel Geld in die Forschung. Entsprechend groß ist die Zurückhaltung bei billigen Nachahmerprodukten.

(Foto: REUTERS)

Mit einer Reihe von Durchsuchungsaktionen haben die europäischen Kartellwächter in den Büros von Pharmafirmen in mehreren Ländern für Aufregung gesorgt. Die Unternehmen stünden im Verdacht, die Markteinführung von günstigeren Nachahmerpräparaten zu verzögern, teilte die EU-Kommission mit. Bereits am Dienstag habe es deswegen bei Arzneimittelherstellern unangekündigte Besuche gegeben.

Die EU-Behörde habe Grund zur Annahme, dass die betroffenen Unternehmen entweder alleine oder gemeinschaftlich den Marktstart bestimmter Generika-Präparate verschleppt und damit dem Wettbewerb behindert hätten. Die Untersuchung sei aber noch in einem frühen Stadium. Generika sind Nachahmerprodukte, die in der Regel wesentlich preiswerter sind als Originalarzneimittel.

Die EU-Kommission wollte zunächst keine Namen nennen. Die britisch-schwedische AstraZeneca räumte ein, zu den betroffenen Unternehmen zu gehören. Im Blickpunkt der Kommission stehe das umsatzstarke Magenmedikament Nexium. Der Konzern werde mit den Behörden zusammenarbeiten. Im Oktober hatten mehrere Generikahersteller billigere Kopien des Präparats in Deutschland auf den Markt gebracht.

Generika kosten Umsatz

Der größte deutsche Arzneimittelhersteller Bayer ist nach eigenen Angaben dagegen von den Untersuchungen nicht betroffen. Auch der britische Pharmariese GlaxoSmithKline zählt eigenen Angaben zufolge nicht zum Kreis der Verdächtigen.

Falls die Ermittler konkrete Hinweise auf Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln finden, kann die EU-Kommission Verfahren wegen verbotener Absprachen oder Ausnutzens einer marktbeherrschenden Stellung eröffnen. Am Ende von solchen Verfahren drohen den betroffenen Unternehmen hohe Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes.

Ihrem Verdacht von Wettbewerbsverzerrungen waren die Kartellwächter nachgegangen. Damals ging es um weniger bekannte Namen. Die Branchenriesen AstraZeneca, GlaxoSmithKline, Bayer und Boehringer Ingelheim waren im Dezember 2009 nicht von Durchsuchungen betroffen.

Quelle: ntv.de, dpa/rts