Wirtschaft

Markt ignoriert Risiken Euphorie treibt den Ölpreis

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Der Ölpreis hat sich in den letzten Monaten deutlich erholt.

(Foto: imago/Nature Picture Library)

Der Ölpreis hat sich seit dem Februartief annähernd verdoppelt. Weitere Impulse fehlen aber. Auch weil die Opec wieder einmal keine Produktionskürzung beschlossen hat. Kann die Rally dennoch weitergehen?

Die Rally beim Ölpreis macht einige Menschen zusehends optimistischer: "Es ist möglich, dass der Ölpreis im Laufe des Sommers auf 60 Dollar oder mehr steigt", sagte Sultan bin Saeed al Mansoori, Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Analysten der SEB Bank haben zuletzt vorhergesagt, dass der Preis der Nordseesorte Brent im Laufe des Jahres die Marke von 60 Dollar je Barrel erreichen werde. Damit würde sich der kräftige Anstieg der vergangenen Monate fortsetzen.

Verantwortlich für den Aufwärtsdruck ist die Verknappung des Angebots, weshalb das weltweit hohe Überangebot zusehends geringer wird. "Der weltweite Angebotsüberschuss wird später im Jahr dramatisch zurückgehen", schrieb der Branchenverband International Energy Agency (IEA). Wegen der Angriffe von Aufständischen ist die Produktion Nigerias auf ein 20-Jahres-Tief gesunken. Zudem hatten die Waldbrände in Kanada die dortige Förderung kräftig gedrückt, weshalb es weniger Ölexporte in die USA gab. Gleichzeitig drückt die Wirtschaftskrise in Venezuela stark auf die Produktion.

Bereinigung in den USA

In den USA selbst ist die Produktion zuletzt auf nur mehr 8,8 Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen – das niedrigste Niveau seit September 2014. "Zahlreiche Firmen haben wegen des zwischenzeitlichen Preisverfalls die Förderung außerordentlich kräftig gesenkt", sagt Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank. Das ist auch an den Unternehmen nicht spurlos vorbei gegangen. Fast 270 US-Ölfirmen haben im ersten Quartal eine Herabstufung ihrer Bonität hinnehmen müssen – mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammengenommen.   

Die Spekulanten am Ölmarkt haben auch auf die Ölpreisrally reagiert und die Zahl der Futures und Optionen mit denen die Spekulanten auf sinkende Preise (Short) setzen, deutlich abgebaut. Derzeit übersteigt die Zahl der Kontrakte auf steigende Kurse (Long) jene auf fallende um mehr als 240.000. Damit hat sich der Wert in den vergangenen drei Monaten mehr als verdoppelt.

Ein Non-Event war, wie zu erwarten, die jüngste Opec-Sitzung. Die Mitglieder konnten sich nicht einigen, weil das wichtigste Opec-Mitglied Saudi-Arabien trotz der Rekordproduktion seine Marktanteile halten und deswegen die Förderung nicht drosseln will, während der Kontrahent Iran seine Förderung und Exporte zusehends erhöht. Deswegen war die Produktion der Opec zuletzt mit 32,6 Millionen Barrel pro Tag auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen. Damit macht die Opec ein Drittel des weltweiten Angebots aus.

Geht die Rally beim Ölpreis weiter?

Die gestiegenen Ölpreise dürften dazu führen, dass die US-Firmen nun allmählich wieder beginnen, Ölbohrtürme in Betrieb zu nehmen, was mit einer zeitlichen Verzögerung von einer paar Monaten zu einer steigenden Produktion führen würde. Das würde den Preisanstieg dämpfen. Zudem sollte die Förderung in Kanada in den nächsten Monaten wieder allmählich zulegen.

Damit der Preis weiter kräftig nach oben strebt, müssten außerdem Impulse von der Nachfrageseite kommen. Eine deutliche Belebung der Weltwirtschaft ist aber nicht in Sicht. Zuletzt sind die Prognosen für das Wirtschaftswachstum der USA für 2016 auf nur mehr 1,8 Prozent gesunken. Zudem kühlt sich die Konjunktur in China zusehends ab, wodurch andere Exportabhängige Volkswirtschaften, vor allem aus Asien, deutlich belastet werden. Vor dem Hintergrund könnte zumindest kurzfristig der Deckel auf dem Ölpreis drauf sein.

Quelle: ntv.de

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