Wirtschaft

Claassen streitet um Kündigung Ex-Chef verklagt Solar Millennium

Solar Millennium wird vom ehemaligen Vorstandschef Claassen verklagt. Hintergrund ist die überraschende Kündigung des Managers.

Utz Claassen

Utz Claassen

Der Streit um den überraschenden Rücktritt des früheren Vorstandschefs des Solarkraftwerks-Spezialisten Solar Millennium, Utz Claassen, beschäftigt jetzt auch die Justiz. Der bereits nach nur zweieinhalb Monaten ausgeschiedene Manager will mit einer Feststellungsklage die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung von Mitte März erstreiten. Der Versuch, den Streit außergerichtlich beizulegen, sei an "unrealistischen Vorstellungen des Aufsichtsrats" gescheitert, sagte Claassens Anwalt Harald Noack.

Der Aufsichtsrat von Solar Millennium bestreitet dagegen nach Angaben von Claassens Anwalt eine wirksame Kündigung. Das Unternehmen selbst wollte sich zu der Feststellungsklage nicht äußern. Sie liege dem Vorstand noch nicht vor.  "Ohne Kenntnis der Vorwürfe in der Klageschrift können wir dazu nichts sagen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Bei der Klage geht es nach einem Bericht des "Tagesspiegels" um Millionen von Euro. Der Manager habe zum Dienstantritt als Vorstands-Chef von Solar Millennium einen siebenstelligen Betrag als Ausgleich für andere niederlegte Posten erhalten, hieß es. Claassen habe sich mit dem Aufsichtsrat nicht darauf einigen können, wie viel er davon zurückzuzahlen habe. Deshalb möchte Claassen gerichtlich festgestellt haben, dass sein Rücktritt rechtswirksam gewesen sei.

Der Anwalt begründete Claassens Kündigung mit "fundamentalen Auffassungsunterschieden" in Fragen der Unternehmensführung und der Unternehmenskultur. Hinzu gekommen seien weitere Aspekte, "die dazu führten, dass Claassen es nicht mehr verantworten konnte, weiterhin für die Solar Millennium AG tätig zu sein". Zudem habe sich Claassen über die wirtschaftliche Lage der Gesellschaft, über ihre Entwicklungsperspektiven und ihre technologische Position grob getäuscht. Auch habe sich der frühere Chef des Energieversorger EnBW vom Aufsichtsrat in seinem unternehmerischen Gestaltungsspielraum eingeschränkt gefühlt.

Erkenntnisse über etwaige Fehlbilanzierungen, über die ein Wirtschaftsmagazin nach Claassen Rücktritt berichtet hatte, lägen Claassen dagegen nicht vor. Bilanzierungsfragen hätten bei der Entscheidung für seinen Rücktritt keine Rolle gespielt, betonte der Anwalt in seiner Erklärung. Claassen hatte die Position am 1. Januar 2010 angetreten. Mit ihm an der Spitze wollte das Unternehmen seinen ehrgeizigen Wachstumskurs fortsetzen. Im laufenden Geschäftsjahr sollte sich der Umsatz auf 350 Mio. Euro verdreifachen.

Quelle: ntv.de, dpa