Wirtschaft

Aufarbeitung der BER-Misere Ex-Flughafenchef hat Erinnerungslücken

Auf Rainer Schwarz können die Berliner Parlamentarier nicht bauen. Der ehemalige BER-Chef zeigt sich hinsichtlich früherer Warnungen vor Risiken als nicht auskunftsfähig. Sein Nachfolger Mehdorn will derweil keine externen Kontrolleure im Unternehmen.

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Rainer Schwarz auf dem Weg zum Untersuchungsausschuss.

(Foto: dpa)

Der ehemalige Chef der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, kann sich an frühe Warnungen vor Termin- und Kostenrisiken am neuen Hauptstadtflughafen BER nach eigenen Angaben nicht erinnern. Gutachter des Flughafens hatten Ende 2008 betont, dass der zunächst geplante Eröffnungstermin im Oktober 2011 stark gefährdet sei. "Kann sein, dass der (Flughafen-Technikchef) Körtgen das mal erzählt hat, kann auch nicht sein", sagte Schwarz im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Zu einem ähnlichen Gutachten aus der Zeit vor der zweiten gescheiterten Eröffnung 2012 wollte Schwarz sich nicht öffentlich äußern.

Lange nach dem ersten Spatenstich 2006 hatte Schwarz umfangreiche Planänderungen auf den Weg gebracht. Um die steigenden Passagierzahlen in Berlin zu bewältigen, wurden doppelstöckige Fluggastbrücken gebaut und zwei Ebenen im Terminal miteinander getauscht. "Es lag offensichtlich das Placet der Planer vor, dass das alles geht, auch im zeitlichen Rahmen", sagte Schwarz. Der Aufsichtsrat habe alles genehmigt.

Anders als sein Nachfolger Hartmut Mehdorn war Schwarz nicht Vorsitzender der Geschäftsführung und damit gesamtverantwortlich, sondern nur ihr Sprecher. Zuständig für den Bau des Flughafens sei Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen gewesen. Schwarz war Anfang 2013 nach der geplatzten Eröffnung des zweiten Eröffnungstermins am 3. Juni 2012 entlassen worden.

Krach um externe Prüfung

Derweil wehrt sich Mehdorn gegen externe Kontrolleure in seinem Unternehmen. Wie der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, hat sich Mehdorn in einem Brief an den scheidenden Aufsichtsratschef Klaus Wowereit über eine bevorstehende Prüfung von Dokumenten des Hauptstadtflughafens beschwert. Demnächst wollten elf Unternehmensberater in der Flughafengesellschaft alle entscheidenden Unterlagen der Jahre 2013 und 2014 unter die Lupe nehmen.

"Der Vorgang übertrifft aber alles, was man sich vorstellen kann", schrieb Mehdorn laut "Tagesspiegel" in dem Brief vom 1. Dezember. Er habe angewiesen, dass vor einem förmlichen Aufsichtsratsbeschluss "keinerlei Unterlagen aus unserem Haus (...) herausgegeben werden dürfen".

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte der Zeitung, die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg hätten das externe Controlling beschlossen. "Dabei bleibt es", betonte er. "Es soll die Effektivität der Mechanismen, Abläufe und Berichterstattungswege innerhalb der Flughafengesellschaft prüfen. Auch die Auftragsvergabe und das Kostenmanagement werden analysiert." Die Gutachter sollten Schwachstellen aufdecken und den Fortschritt des Großprojekts damit unterstützen.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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