Wirtschaft

Kurzfristige Absage Ex-HRE-Chef Funke macht sich rar

46000334.jpg

Schweigt lieber: Ex-HRE-Chef Georg Funke sagt seinen Auftritt vor Gericht unerwartet ab.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Auftritt ist mit Spannung erwartet worden: Doch der frühere Chef der HRE lässt den Auftritt platzen. Die Anklage ist überrascht - und zeigt Verständnis. Für Aufsehen sorgt indes die Aussage eines anderen Zeugen.

Der Ex-Chef der Skandalbank Hypo Real Estate hat seinen mit Spannung erwarteten Auftritt im milliardenschweren Schadenersatzprozess überraschend platzen lassen. Georg Funke werde nicht kommen und nicht aussagen, kündigte einer seiner Anwälte mit Verweis auf ein laufendes Strafverfahren an. In einem Musterprozess am Münchner Oberlandesgericht wird über die Forderung von Anlegern verhandelt, die sich von der früheren HRE-Führung unter Funke über die desolate Lage der Bank vor dem Beinahe-Zusammenbruch 2008 getäuscht fühlen.

Funkes Strafverteidiger Wolfgang Kreuzer sagte, die Entscheidung, dass sein Mandant nicht zu dem Prozess komme, sei am Vorabend gefallen. Er habe ihm dazu geraten. Gründe wollte der Jurist nicht nennen. Auch zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht. Rechtsanwalt Andreas Tilp, der stellvertretend für Hunderte Anleger eine Musterklage über gut eine Milliarde Euro durchfechten will, zeigte sich überrascht: "Wir haben eigentlich erwartet, dass er kommt", auch wenn Funke dazu rechtlich nicht verpflichtet sei. Er fügte hinzu: "Ich hätte meinem Mandanten den Auftritt heute auch erspart." Zugleich relativierte er die Bedeutung der Absage: "Herr Funke spielt für uns eigentlich strategisch keine Rolle." Seine Aussage sei für die Musterklage nicht entscheidend.

Zeuge belastet Funke

Positiv wertete Tilp die Aussage eines Zeugen, Funke habe bereits vor der Übernahme der Depfa-Bank mit hohen Verlusten bei der späteren Tochter gerechnet. In einem Telefonat habe der Ex-HRE-Chef im September 2007 erklärt, es sei über mehrere Jahre mit einem mittleren zweistelligen Millionenverlust zu rechnen, sagte ein Fondsmanager der britischen Finanzfirma Governance for Owners. "Der Geschäftsplan der Depfa ist Phantasie", zitierte der Investor aus seinen Gesprächsnotizen den Münchner Banker.

Der Fondsmanager veranschlagte den Fehlbetrag auf eine etwa halbe Milliarde. In einem Schreiben habe er Funke darauf hingewiesen, dass die Verlusterwartungen in der englischen Übersetzung des Börsenprospekts nicht ausreichend klar seien. Der seinerzeitige HRE-Chef habe ihm schriftlich geantwortet, rechtlich verbindlich sei allein die deutsche Variante. Die Erwartungen seien allerdings in beiden Versionen ausreichend klar.

Die HRE hatte den Kauf unter anderem mit der Ausgabe neuer Aktien gestemmt. Kläger-Anwalt Tilp argumentiert, die HRE habe auch in dem Börsenprospekt für die Kapitalerhöhung Falschangaben über ihre Lage gemacht. Sollte er dies nachweisen können, lassen sich nach seinen Angaben Schadenersatzansprüche rechtlich besonders leicht durchsetzen. Richter Guido Kotschy hatte jedoch zu Prozessbeginn eingewendet, das Gericht sehe keine Anhaltspunkte für Falschangaben in dem Börsenprospekt.

Positive Signale zu Verfahrensbeginn

Zum Prozessauftakt zu Wochenbeginn hatte der Vorsitzende Richter Guido Kotschy den Anlegern Hoffnung gemacht. Die HRE habe sich damals zu optimistisch geäußert und eine Informationslücke entstehen lassen, sagte er. Noch Anfang August 2007 hatte die HRE in einer Pressemitteilung geschrieben, keine negativen Belastungen aus der US-Subprime-Krise zu erwarten. Diese Mitteilung gilt als ein wichtiges Dokument in dem Prozess.

Das Fiasko der einst größten deutschen Immobilienbank war eines der dramatischsten Kapitel der Finanzkrise und löste etliche Rechtsstreitigkeiten aus. Mit weit über 100 Milliarden Euro an Garantien und Geldspritzen stützte die Bundesregierung die HRE, die 2008 ins Wanken geriet und weitere Banken in den Abgrund zu reißen drohte.

Quelle: ntv.de