Wirtschaft

1 Milliarde für Retro-Fotos Facebook schluckt Instagram

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(Foto: dpa)

Facebook-Chef Zuckerberg nimmt jede Menge Geld in die Hand und vergrößert sein Reich: Zu diesem gehört schon bald auch die beliebte Foto-Anwendung Instagram. Der Preis für die Firma ohne nennenswerten Umsatz ist allerdings ungewöhnlich hoch.

Kurz vor dem geplanten Börsengang wagt Facebook noch eine dicke Übernahme: Das weltgrößte soziale Netzwerk schluckt den Fotodienst Instagram. Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte an, eine Milliarde Dollar in Aktien und Barmitteln an die Entwickler der Anwendung zu zahlen, mit der sich Fotos von Smartphones bearbeiten und in soziale Netzwerke hochladen lassen.

Instagram ist momentan eine der angesagtesten Smartphone-Apps, mit der sich Fotos teilen lassen. Dabei können die Nutzer unterschiedliche Filter anwenden, so dass die Bilder etwa einen Retro-Look bekommen. Andere Nutzer können die Fotos dann kommentieren und bewerten. Instagram gilt als die visuelle Variante von Twitter, wo die Bilder auch häufig geteilt werden.

Für das Startup hat sich die Idee schnell ausgezahlt. Im Herbst 2010 gründeten die Stanford-Absolventen Mike Krieger und Kevin Systrom das Unternehmen, das nur gut ein Dutzend Mitarbeiter hat. Die Software ist gratis.

Zwölf Mitarbeiter, kaum Umsatz

Der Kauf von Instagram sei ein "wichtiger Meilenstein für Facebook", sagte Zuckerberg. "Zum ersten Mal überhaupt haben wir ein Produkt und eine Firma mit so vielen Nutzern erworben." Die Instagram-Anwendung für iPhones und andere mobile Internetgeräte von Apple wurde nach Angaben der Entwickler seit Ende 2010 mehr als 27 Millionen Mal heruntergeladen. Kürzlich erschien die Foto-App auch für Smartphones, die auf dem Google-Betriebssystem Android basieren.

Instagram kooperiert neben Facebook auch mit Twitter oder Tumblr. Die Nutzer könnten weiterhin ihre Bilder in andere soziale Netzwerke senden, versicherte Zuckerberg. Auch solle kein Instagram-Nutzer gezwungen werden, Facebook zu nutzen. "Wir denken, es ist ein wichtiger Teil der Erfahrung, dass Instagram mit Diensten jenseits von Facebook verbunden ist." "Instagram wird bestehen bleiben", versprach auch Firmenmitgründer und -chef Kevin Systrom im hauseigenen Blog. Das gelte ebenso für die kostenlose App.

Eine Akquisition dieser Art ist für Facebook ungewöhnlich, das in der Vergangenheit kleinere Firmen vor allem schluckte, um an begehrte Fachkräfte zu gelangen. Trotz der ansteigenden Bewertungen für Start-Ups im Silicon Valley überraschte viele Beobachter der Preis für ein Unternehmen ohne nennenswerten Umsatz. Möglicherweise will Facebook verhindern, dass Instagram Rivalen wie Twitter oder Google in die Hände fällt. Instagram wäre auch für diese Firmen äußerst wertvoll, sagte Lou Kerner, Gründer des Social Internet Fund. Daher sei der Schritt von Facebook sowohl defensiv wie offensiv.

Facebook treibt seit Wochen seinen Börsengang voran, der für Mai oder Frühsommer erwartet wird. Mit Einnahmen von aktuell angepeilten 5 Mrd. Dollar würde es der größte Börsengang einer Internetfirma überhaupt. Zusammen mit den Anteilen, die bei den Alteigentümern wie Zuckerberg verbleiben, dürfte Facebook auf eine Firmenbewertung von 100 Mrd. Dollar kommen. Facebook selbst hat um die 845 Mio. Nutzer, Tendenz bis zuletzt steigend.

Quelle: n-tv.de, jga/dpa/rts/AFP

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