Wirtschaft

Zweifel einfach weggefegt Facebook überwältigt Börsianer

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Legt den Knaller der bisherigen US-Berichtssaison hin: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

(Foto: dpa)

Facebook straft alle Börsianer Lügen, die den blauen Konzern schon abgeschrieben hatten. Nahezu geräuschlos schlägt Facebook den Weg in die mobile Zukunft ein, gleichzeitig sprudeln die Werbeeinnahmen und von Nutzermüdigkeit keine Spur. Da geht die Aktie durch die Decke.

Die Stimmung bei den Facebook-Aktionären war im Vorfeld der Quartalszahlen mehr als gedrückt. Während der S&P500-Index ein Rekord nach den anderen markierte, musste sich die Facebook-Aktie noch aus dem im Juni erreichten Siebens-Monats-Tief vorarbeiten und notierte mit Kursen um die 26 US-Dollar mehr als 30 Prozent unter dem Emissionspreis von 38 Dollar. Der Titel habe sich noch immer nicht richtig vom IPO-Fiasko im vergangenen Jahr erholt, klagten Börsianer. Für eine Trendwende müsste Facebook das Unmögliche schaffen und vor allem im Geschäft mit Werbung auf mobilen Geräten überzeugen, hieß es einigermaßen hoffnungslos. Analysten hielten es für wahrscheinlich, dass die User mittlerweile weniger Zeit auf Facebook verbringen. Für Teenies sei das Modell angesichts der Konkurrenz durch WhatsApp & Co zudem ohnehin zunehmend uninteressant, zeigten sie sich überzeugt.

Um die Aktie künftig zumindest auf dem aktuellen Niveau zu halten, müsse Facebook-Gründer Mark Zuckerberg die Investoren mindestens davon überzeugen, dass der Konzern die aktuellen Wachstumsraten beim Umsatz halten könne, so die allgemeine Meinung. Google und Yahoo, Facebook größte Konkurrenten auf dem Markt für Online-Werbung, hatten hier zuletzt enttäuscht. Google musste im zweiten Quartal einen weiteren Rückgang der Anzeigenpreise für Suchmaschinenwerbung beichten, Yahoo erlitt einen Umsatzrückgang von sieben Prozent, weil die Marktanteile beim Verkauf von Online-Werbung weiter gesunken waren.

Geglückte Überraschung

Was Facebook dann tatsächlich lieferte, damit hatte keiner gerechnet: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um mehr als 50 Prozent auf 1,181 Milliarden US-Dollar, aus dem Vorquartalsverlust von 157 Millionen Dollar ist binnen drei Monate ein Nettogewinn von 333 Millionen Dollar geworden. Getragen wurde das Ganze zur Überraschung der Analysten vor allem durch das Geschäft mit Werbung auf mobilen Geräten. Ganze 41 Prozent trug diese Sparte zu den gesamten Anzeigeneinnahmen bei. Im ersten Quartal hatte dieser Anteil noch bei 30 Prozent gelegen und beim Börsengang bei nahezu null. Und das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein: "Wir werden schon bald mehr Umsatz über mobile Geräte einfahren, als über Computer", verkündete Zuckerberg bei der Telefonkonferenz mit Analysten. Mehr als 819 Millionen Nutzer würden bereits über das Smartphone oder Tablet auf Facebook zugreifen. Und nicht nur das: "Die Leute verbringen mehr Zeit bei Facebook als jemals zuvor." Insgesamt hat sich die Zahl der monatlich aktiven Nutzer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf 1,15 Milliarden erhöht. Auch davon das Jugendliche aus dem sozialen Netzwerk flüchteten, will Zuckerberg nichts wissen: "Nach den Daten, die wir haben, ist das nicht wahr", sagt der Firmenchef, der manchmal selbst noch wie ein Teenager wirkt. "Jugendliche nutzen Facebook weiterhin sehr intensiv."

Die Überraschung ist dem Unternehmen geglückt, Börse und Analysten zeigten sich mehr als zufrieden: "Das Unternehmen durchläuft den Übergang zu mobiler Werbung erfolgreich, und die Werbeformate funktionieren richtig gut", sagte Analyst Arvind Bhatia von Sterne Agee. "Es war ein starkes Quartal vom Anfang bis zum Ende", resümierte auch Facebook-Finanzchef David Ebersman zufrieden. "Die Investitionen zahlten sich nun aus", erklärte Zuckerberg mit Blick auf das erste Jahr an der Börse. "Wir haben eine gute Grundlage für die Zukunft gelegt."

Doch billig sind die Neuerungen nicht zu haben: Die Initiativen im mobilen Geschäft schlugen sich auch in den Kosten nieder, die innerhalb eines Jahres um 60 Prozent zulegten. Im Gesamtjahr rechnet Facebook früheren Angaben zufolge mit einem Kostenplus von etwa 50 Prozent. Das zahlt sich aber aus, wie etwa die gestärkten lokalen Anzeigenverkäufe zeigen.

Auf zu neuen Märkten

Außerdem denkt Facebook schon weiter: Weil das soziale Netzwerk in Industrieländern langsam an eine gläserne Decke stößt, will der Konzern nun auch Nutzer in Entwicklungs- und Schwellenländern erreichen. Dafür hat es die Anwendung "Facebook for Every Phone" entwickelt, die auch auf zahlreichen Mobiltelefonen der unteren Preisklasse läuft. Die Einfach-App stellt deutlich weniger Anforderungen an die Telefone als die Apps für iPhone und Android-Smartphones. Auch die abgerufenen Datenmengen sind kleiner, weshalb geringere Kosten für die Internetnutzung per Handy anfallen. Das ist wichtig in den Entwicklungs- und Schwellenländer, wo die klassischen Handys noch viel verbreiteter sind, als in entwickelten Länder. Mittlerweile nutzen jeden Monat 100 Millionen Menschen "Facebook for Every Phone". Diese Aussicht auf neue Kundschaft kommt natürlich auch an der Börse gut an.

Überhaupt ist die Facebook-Müdigkeit hier einen Tag nach den Zahlen erst einmal wie weggeblasen. Nachbörslich stieg die Aktie um 19 Prozent und erstmals seit Monaten wieder über die Marke von 30 Dollar. Damit rückt der Emissionspreis von 38 Dollar wieder ein ganzes Stück näher.

Quelle: ntv.de, mit DJ/dpa

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