Wirtschaft

MAN und Scania auf der Einkaufsliste Fiat überrascht die Deutschen

Die Automesse in Detroit bringt in diesem Jahr mehr als nur Glamour und neue Modelle: Fiat-Chef Sergio Marchionne meldet unerwartet Interesse an den beiden Lkw-Herstellern MAN und Scania an. Experten erkennen darin eine gewisse Logik - und eine Spitze gegen VW-Chef Martin Winterkorn.

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Will Alfa Romeo behalten: Fiat-Chef Sergio Marchionne (rechts) an der Seite von Nordamerika-Chefin Laura Soave.

(Foto: REUTERS)

Der italienische Industriekonzern Fiat ist nach Aussage des Vorstandschef Sergio Marchionne am Kauf der Volkswagen-Beteiligungen MAN und Scania interessiert.

Beobachtern zufolge dreht Marchionne mit diesem Vorstoß den Spieß um: Konfrontiert mit ständigen Spekulationen, Volkswagen wolle die Edelmarke Alfa Romeo kaufen, melden die Italiener nun kurzerhand Interesse an den Lastwagen-Beteiligungen der Deutschen an.

Wenn sich VW von seinen Anteilen an MAN und Scania trennen wollte, stünde Fiats Nutzfahrzeugsparte bereit, sagte Marchionne auf der Automesse in Detroit.

VW-Trennung nach italienischem Muster?

Fiat hat seine Iveco-Lastwagen samt Land- und Baumaschinen gerade erst unter dem Namen Fiat Industrial abgespaltet und als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht.

Vielleicht wolle VW dem Beispiel folgen und sich auch rein auf Autos konzentrieren, sagte Marchionne. Alfa Romeo wolle er jedenfalls nicht hergeben, wiederholte er: "Wir haben kein Interesse daran, zu verkaufen."

Volkswagen will sich bis 2018 zum größten Autobauer der Welt aufschwingen. Gleichzeitig mischen die Wolfsburger seit der Mehrheitsübernahme von Scania und dem Einstieg bei MAN auch groß im Lkw-Markt mit. Die Wolfsburger haltend derzeit 29 Prozent der MAN-Aktien.

"Unsere Pläne für die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen, MAN und Scania sind klar", sagte Konzernchef in Detroit. "Die Frage ist nur, wann und wie wir sie umsetzen."

Fiat stockt bei Chrysler auf

Am Rande des Branchentreffens in Detroit war ebenfalls bekannt geworden, dass der italienische Autobauer auf dem Weg zu einer Mehrheit an Chrysler seine Anteile an dem US-Konzern von bislang 20 auf 25 Prozent erhöht hat. Fiat erhält damit die Option, seine Chrysler-Anteile auf 35 Prozent aufzustocken.

Im Fall eines baldigen Börsengangs des US-Unternehmens rechnen Beobachter damit, dass Fiat binnen kurzem eine Mehrheit von 51 Prozent erreichen könne. Für die schrittweise Erhöhung der Anteile muss Fiat bestimmte Bedingungen erfüllen. So ist vertraglich vereinbart, dass ein Motorenmodell für den Kleinwagen Fiat 500 im Chrysler-Werk Dundee in Michigan gebaut wird.

Eine Fusion strebt Fiat-Chef Sergio Machionne nach eigenen Worten zunächst nicht an. Der Manager kündigte allerdings an, ein Chrysler-Börsengang könne noch vor dem vierten Quartal 2011 anstehen. Bis Mitte des Jahres könnte demnach Klarheit herrschen.

Fiat war 2009 bei Chrysler eingestiegen. Der US-Konzern zählt neben Ford und General Motors zu den "großen Drei" des amerikanischen Autobaus und war im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise und einer Reihe von hausgemachten Probleme in schwere Bedrängnis geraten.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts

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