Wirtschaft

IWF mahnt zur Vorsicht Finanzsystem wackelt noch

Die Finanzkrise und ihre Ursachen drohen angesichts der allerorten anspringenden Konjunktur in Vergessenheit zu geraten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält das für einen schweren Fehler. Denn es liegt seiner Ansicht nach noch zu viel im Argen.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Beinahe vier Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise ist das Weltfinanzsystem aus Sicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch bei weitem nicht über den Berg. Zwar habe sich die Lage in den vergangenen zwölf Monaten gebessert, heißt es in dem IWF-Bericht zur Stabilität der globalen Finanzmärkte. Viele Industrieländer "leben wegen ihrer hohen Schuldenlast gefährlich", sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung, José Viñals. Auch sei das Vertrauen in das Bankensystem "noch nicht völlig wiederhergestellt".

Eine Untersuchung des Fonds habe ergeben, dass 30 Prozent der europäischen Banken, die voriges Jahr dem Stresstest unterzogen worden waren, eine Kernkapitalquote von weniger als acht Prozent hätten. Dadurch seien sie weniger in der Lage, Schocks auszuhalten und kosteneffektiv zu arbeiten, sagte Viñals.

Die zweite Runde der Stresstests sei "eine wichtige Gelegenheit, das EU-Bankensystem auf Herz und Nieren zu prüfen", so der Ökonom. Doch müssten die anstehenden Prüfungen "glaubhaft, strikt und Teil einer breiteren Strategie zu Krisenmanagement sein", mahnte er. Die ersten Stresstests waren als zu lasch stark kritisiert worden.

US-Immobilienmarkt weiter angeschlagen

Hinter dem verbesserten Zustand des Weltfinanzsystems dank Konjunkturerholung und unterstützender staatlicher Maßnahmen verbergen sich Viñals Worten zufolge "ernsthafte Anfälligkeiten, die so schnell wie möglich angegangen werden müssen". Es gebe "ein echtes Risiko, dass Selbstgefälligkeit, Ermüdung und Zögerlichkeit die Oberhand gewinnen, statt dass harte Entscheidungen getroffen werden".

In den USA lasteten unterdessen ein weiter angeschlagener Immobilienmarkt, Überbleibsel der Hypothekenkrise und Zwangsversteigerungen auf dem Bankensystem, befindet der Weltwährungsfonds. In der Folge fließen Kredite nur spärlich, während auch der Hypothekenmarkt nicht in Schwung kommt. Die Verschuldung der Privathaushalte sie nach wie vor hoch, sagte der Chef der IWF-Kapitalmarktabteilung. Folge könne sein, dass die gesamte weltwirtschaftliche Erholung in Mitleidenschaft gezogen werde.

Überhitzung in Schwellenstaaten befürchtet

Die Politik müsse sich nun weniger auf Maßnahmen zur Symptombekämpfung konzentrieren und sich mehr um die zugrundeliegenden Ursachen kümmern, mahnte Viñals. Dazu zähle vor allem, für ein vollständige Gesundung des Bankensystems zu sorgen, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen und zu helfen, die Schuldenlast der privaten Haushalte zurückzufahren.

Mit Sorge blickt der Fonds auch auf die Lage in aufstrebenden Schwellenstaaten. Sie müssten handeln, um künftige Krisen zu vermeiden. Angesichts massiver Kapitalzuflüsse "müssen sie sich vor Überhitzung schützen", mahnte der IWF-Ökonom. Indizien auf zunehmende Gefahren liefere auch ein starker Zuwachs an Bankkrediten, die in diesen Ländern vergeben werden. Das einströmende Kapital erhöhe die Gefahrenlage, weil sein Fluss sehr schwanken könne. Als Gegenmaßnahmen empfiehlt der IWF Zinserhöhungen, flexiblere Wechselkurse und Zurückhaltung bei den Staatsausgaben.

Am Freitag beraten in Washington die Finanzminister und Notenbankchefs der 20 größten Wirtschaftsmächte (G20) Fortschritte bei der Reform des Finanzsystems. Weltbank und IWF kommen dann am Wochenende in Washington zu ihrer gemeinsamen Frühjahrstagung zusammen.

Quelle: ntv.de, dpa