Wirtschaft

Renault-Zukunftsplan überzeugt nicht Ghosn kann nicht punkten

Renault will bis 2013 im Verhältnis zum vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Fahrzeuge absetzen. Die Franzosen stoßen mit diesem Ziel bei Analysten und Anlegern auf große Skepsis. Auch eine von Konzernchef Ghosn angekündigte Verdoppelung der Umsatzrendite kann nicht verhindern, dass die Aktie auf Talfahrt geht.

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Allen Beschwörungen zum Trotz: Carlos Ghosn kann die Anleger nicht überzeugen.

(Foto: AP)

Europas drittgrößter Autobauer Renault setzt sich für die kommenden Jahre hohe Ziele, kommt damit bei Anlegern aber nicht an. Bis 2013 will der französische Konzern weltweit mehr als drei Millionen Wagen absetzen, ein Plus von mindestens 15 Prozent zum vergangenen Rekordjahr. Dabei soll sich die Umsatzrendite auf mehr als fünf Prozent verdoppeln, wie Konzernchef Carlos Ghosn ankündigte. Zugleich soll weiter stark in Elektroautos investiert werden.

Der mit Spannung erwartete Zukunftsplan kam an der Börse hingegen gar nicht gut an. Das Papier des nach Volkswagen und Peugeot drittgrößten europäischen Autobauers verlor an der Pariser Börse zeitweise stark an Wert. Einige Experten zweifelten, ob Renault die von Ghosn für 2013 angekündigte Verdoppelung der Umsatzrendite erreichen kann. Im vergangenen Jahr hatte Renault eine Rendite von 2,8 Prozent eingefahren.

"Der Preisdruck in vielen Märkten wird anhalten oder sich sogar verschärfen. Gleichzeitig steigen die Rohstoffpreise stark an, das wird die Marge von Renault belasten", sagte Marc-René Tonn, Autoanalyst des Bankhauses M.M. Warburg. "Wir halten circa vier Prozent für realisierbar." Andere Experten nannten die von Ghosn verkündeten Margenziele dagegen "wenig ambitioniert". Angesichts der boomenden Nachfrage in Schwellenländern seien deutliche Gewinnsteigerungen für alle Hersteller derzeit "ein Muss", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Die bis 2013 geplante Absatzsteigerung auf mehr als drei Millionen Fahrzeuge konnte die Experten ebenfalls nicht begeistern. "Das sind Sprünge, die die Premiumhersteller bereits dieses Jahr machen werden", sagte Frank Schwope von der NordLB.

China ist ein weißer Fleck

Renault will den Absatz in den nächsten Jahren vor allem in Schwellenländern wie Brasilien, Russland und Indien steigern. Dadurch wollen sich die Franzosen unabhängiger vom stagnierenden Heimatmarkt in Europa machen. Einen Einstieg in den boomenden chinesischen Markt plant Ghosn indes nicht vor 2013. Analysten kritisierten das, weil Renault nach ihrer Einschätzung damit auf einen wichtigen Wachstumsmarkt verzichtet.

Die größten Zweifel hegen die Experten an der Strategie bei Elektroautos. Zusammen mit seinem japanischen Partner Nissan Motor will der französische Konzern bis 2016 in der Lage sein, weltweit 1,5 Millionen Elektroautos an die Leute zu bringen. In die Entwicklung neuer Modelle und den Aufbau von Produktionskapazitäten stecken die beiden Autobauer zusammen vier Milliarden Euro.

Hohes Risiko bei Elektroautos

Renault und Peugeot haben in ihren Allianzen mit japanischen Partnern zwar bei Elektroautos bereits die Nase vorn. Allerdings wird sich der Wandel vom herkömmlichen Verbrennungsmotor hin zu rein batteriegetriebenen Wagen nach Überzeugung von Experten nicht so schnell vollziehen wie Renault hofft. Viele Konkurrenten setzen daher als Zwischenschritt auf Hybridautos, die beide Antriebsarten miteinander kombinieren.

"Es ist nicht zu erwarten, dass man mit Elektroautos in den nächsten drei bis fünf Jahren Geld verdienen wird", prognostizierte Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. "Es sieht vielmehr so aus, dass Renault ein hohes Risiko geht", fügte der Wissenschaftler hinzu.

Quelle: ntv.de, rts