Wirtschaft

Solar-Millennium-Pleite Gläubiger brauchen langen Atem

Nach dem Insolvenzantrag des Kraftwerkbauers Solar Millennium sind viele Fragen offen. Der vorläufige Verwalter braucht erstmal Zeit, um einen Überblick über die komplexen Strukturen zu bekommen. Die aktuellen Bauprojekte will er möglichst zu Ende führen.

1324481503.jpg8092368312201416119.jpg

(Foto: dapd)

Der Insolvenzverwalter des zusammengebrochenen Kraftwerksentwicklers Solar Millennium hat die Gläubiger um Geduld gebeten. Wegen der "komplexen Firmenstruktur" werde die Prüfung des Antrags auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens einige Zeit in Anspruch nehmen, erklärte Insolvenzverwalter Volker Böhm. Derzeit werde geprüft, welche Möglichkeiten es gebe, um bestehende Unternehmenswerte sowie das Know-how in der internationalen Projektentwicklung solarthermischer Kraftwerke weiterhin zu nutzen.

Böhm betonte, die Geschäfte führe er nun gemeinsam mit dem Vorstand. Damit sei das Unternehmen handlungs- und entscheidungsfähig. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter würden über das Insolvenzgeld abgesichert. Nach dem Zwischenbericht zum 1. Halbjahr 2010/11 hat das Unternehmen 300 Mitarbeiter.

US-Projekte nicht unmittelbar betroffen

Die US-Tochter von Solar Millennium, die Mega-Solarkraftwerke in Kalifornien und Nevada geplant und entwickelt hat, teilte unterdessen mit, von der Insolvenz des Mutterkonzerns nicht direkt betroffen zu sein.

Die Milliarden-Projekte in den USA sollen an die deutsche Solarhybrid verkauft werden. Die ursprünglich bis Ende 2011 abgeschlossene Transaktion verzögert sich allerdings bis ins kommende Jahr, da Solarhybrid nach eigenen Angaben noch offene Fragen zu den Projektrechten klären muss. Die Verzögerung hatte unter anderem dazu geführt, dass Solar Millennium am Mittwoch Insolvenz beantragen musste.

Im Sommer hatte die auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisierte Solar Millennium ihr Milliarden-Vorhaben in den USA aufgeben, das als Pilotprojekt für das Wüstenstromvorhaben Desertec galt. Statt solarthermischer Großkraftwerke, bei denen mit Hilfe der Sonne Wasser erhitzt und so Energie gespeichert werden kann, sollten nun kleinere Photovoltaik-Anlagen gebaut werden. Da Solar Millennium dafür die Expertise fehlt, soll Solarhybrid übernehmen.

Quelle: ntv.de, nne/dpa/rts