Wirtschaft

Droht die Zerschlagung? Gläubiger richten über Schlecker

schleck.jpg

Ein Bild, dass künftig häufiger zu sehen sein könnte.

(Foto: REUTERS)

Mit dem Einreichen des Insolvenzantrags ist eines klar: Schlecker braucht Hilfe, um wieder auf die Beine zu kommen. Die Drogeriekette will sich am liebsten selbst retten. Planinsolvenz nennt sich das. Allerdings müssen die Gläubiger dem zustimmen und genau von dieser Seite droht Ärger.

Die Drogeriemarktkette Schlecker hat offiziell Insolvenz beantragt. Ein Sprecher des Amtsgerichts Ulm bestätigte, dass der Insolvenzantrag per Fax eingegangen sei. Einer der wichtigsten Gläubiger meldete einem Bericht zufolge aber bereits Bedenken gegen die Pläne der Drogeriekette an, sich per Planinsolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren.

Der gefaxte Insolvenzantrag sei als solcher schon wirksam, sagte der Gerichtssprecher. Sämtliche weitere Angaben von Seiten des Unternehmens hätten dem Gericht zunächst noch nicht vorgelegen. Je nachdem, wann Schlecker die fehlenden Unterlagen nachliefere, könne noch im Laufe des Montags über den Antrag entschieden werden.

"Markant" gegen Eigenregie

Dem Papier zufolge plane Schlecker, seine Insolvenz "offensichtlich in Eigenverwaltung" zu durchlaufen, sagte der Gerichtssprecher weiter. Ein Insolvenzverwalter solle dann nur begleitend tätig werden. Bei einem solchen, "Planverfahren" genannten Vorgehen können Gesellschafter und Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Gläubiger müssten freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das Unternehmen hatte bereits am Freitag mitgeteilt, einen Antrag auf eine solche Planinsolvenz stellen zu wollen.

Mit dem Einkaufsverbund Markant hegt laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" jedoch einer der wichtigsten Gläubiger Vorbehalte gegen die Insolvenz in Eigenverwaltung. Der Verbund habe dem Ulmer Gericht bereits seine Bedenken signalisiert, berichtete die Zeitung.

Auch zwei führende deutsche Insolvenzverwalter äußerten sich laut "FTD" skeptisch, dass das von Schlecker favorisierte Verfahren so funktioniert. "Die Gläubiger werden nur zum Verzicht  bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet", sagte einer der beiden Juristen, die anonym bleiben wollten. Die Eignerfamilie Schlecker könnte somit die Kontrolle über das Unternehmen verlieren. Im Extremfall bedeutet das für das Unternehmen: Es könnte zerschlagen werden. Und nur einige wenige, gut laufende der rund 7000 Filialen würden dann möglicherweise unter der Regie eines heutigen Konkurrenten weiterlaufen.

Verdi dafür

Die Gewerkschaft Verdi sprach sich deshalb klar für ein solche Planinsolvenz aus. Sie sei "möglicherweise besser, weil sie auf den Fortbestand des Unternehmens ausgerichtet ist", sagte die Verdi-Handelsexpertin Stefanie Nutzenberger. "Ziel ist auf jeden Fall der Fortbestand des Unternehmens und daran ausgerichtet der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze", sagte Nutzenberger.

Seit drei Jahren Verluste

Die Drogeriemarktkette hatte am Freitag angekündigt, Insolvenz zu beantragen, um damit unter Gläubigerschutz den laufenden Unternehmensumbau fortzusetzen. Der Geschäftsbetrieb solle unverändert weiterlaufen, die Zahlung der Gehälter für die Mitarbeiter sei über das Insolvenzausfall-Geld gesichert.

Schlecker macht seit mindestens drei Jahren Verluste. Mitte 2011 verfügte die Kette nach eigenen Angaben noch über rund 7500 Drogeriemärkte in Deutschland. In ganz Europa gab es demnach etwa 11.000 Filialen. Die Zahl der Mitarbeiter gab Schlecker europaweit mit rund 47.000 an, davon laut der Gewerkschaft Verdi mehr als 30.000 in Deutschland.

Quelle: n-tv.de, bad/AFP/dpa

Mehr zum Thema