Wirtschaft

"Geheimdienst-Methoden" im Aufsichtsrat? Hedgefonds verklagen Piech und Porsche

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Nicht registrierte Mobiltelefone und Verschlüsselungsmethoden? Bei Veranstaltungen wie der IAA in Frankfurt sprechen Ferdinand Piech (.) und Wolfgang Porsche (r.) miteinander in aller Öffentlichkeit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wenige Tage vor Prozessbeginn bringt die Klägerseite ein neues juristisches Geschütz in Stellung: Im Rechtsstreit um die gescheiterte VW-Übernahme durch Porsche fordern US-Fonds nun die verlorenen Milliarden bei zwei Aufsichtsräten persönlich ein.

Die Klagewelle gegen Porsche nach der Übernahmeschlacht um Volkswagen aus dem Jahr 2008 steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Wie am Wochenende bekannt wurde, sollen sich nun auch die Aufsichtsratsmitglieder Wolfgang Porsche und Ferdinand Piech persönlich für die finanziellen Auswirkungen des Debakels verantworten.

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Eine Gruppe von Hedgefonds habe ihre Schadenersatzklage gegen die Holding des Sportwagenbauers Porsche SE von Anfang 2012 auf die beiden Personen ausgeweitet, erklärte ein Sprecher der Porsche SE und bestätigte damit entsprechende Angaben des "Spiegel". Demnach reichte der Hedgefonds Elliott des US-Investors Paul E. Singer Klage beim Landgericht Frankfurt ein. Die Porsche SE bezeichnete die Klagen gegen Piech und dessen Cousin Porsche in einer ersten Stellungnahme als unbegründet.

Den beiden Spitzenkontrolleuren wird vorgeworfen, die Übernahme von VW vor sechs Jahren heimlich vorbereitet, dies aber in der Öffentlichkeit bestritten zu haben. Eine ganze Reihe an Hedgefonds hatten daraufhin auf fallende VW-Kurse gesetzt - und schließlich viel Geld verloren, als der Kurs nach Bekanntgabe des Übernahmeplans im Oktober 2008 in die Höhe schnellte.

Gegen die Porsche SE sind Klagen von mehr als zwei Dutzend Hedgefonds und einigen Privatpersonen bereits anhängig an den Landgerichten Hannover, Braunschweig und Stuttgart. Die eingeklagte Summe beläuft sich auf insgesamt 5,7 Milliarden Euro. Der erste Prozess dazu beginnt in acht Tagen in Stuttgart. Die 1,8 Milliarden Euro, die Elliott nun auch persönlich von Piech und Porsche einklagt, sind in der zur Verhandlung stehenden Summe enthalten.

Abhör-Gefahr im VW-Konzern?

In der Klageschrift werfen die Anwälte der Profi-Investoren den beiden Aufsichtsräten vor, sie hätten mit Methoden gearbeitet, "wie man sie sonst nur aus dem Bereich der Geheimdienste und der Organisierten Kriminalität kennt", berichtete der "Spiegel". So seien nicht registrierte Mobiltelefone und Verschlüsselungsmethoden eingesetzt worden, die eigentlich nur Regierungen zugänglich seien.

Unklar blieb zunächst, ob sich aus Vorwürfen dieser Art Rückschlüsse auf etwaige Abhörversuche auf Investorenseite ziehen lassen. Eine vertrauliche Kommunikation zwischen zwei Aufsichtsratsmitgliedern ist für sich genommen weder anstößig, noch unüblich oder gar rechtlich bedenklich.

Die Porsche-Holding erklärte, die erweiterte Klage ziele nur darauf ab, Druck auszuüben. "Weder die betroffenen Aufsichtsratsmitglieder noch die Porsche SE lassen sich davon beeindrucken", hieß es dazu. Es gebe keine neuen inhaltlichen Aspekte. Weitere Stellungnahmen durch das Landgericht Frankfurt, Piech oder die Rechtsvertreter der beteiligten Hedgefonds lagen am Wochenende zunächst nicht vor.

Quelle: ntv.de, mmo/rts