Wirtschaft

Batterieforschung in Münster Ignorierte Karliczek Expertenmeinung?

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Die Forschungsfabrik Batteriezellenfertigung soll in Münster entstehen. Ging bei der Entscheidung alles mit rechten Dingen zu? Die Kritik an Forschungsministerin Anja Karliczek reißt jedenfalls nicht ab.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Bundesregierung plant ein neues Batterie-Forschungszentrum. Als die Standort-Wahl auf Münster fällt, ist die Überraschung groß. Zugleich wird Forschungsministerin Karliczek für die Entscheidung scharf kritisiert. Ein Schreiben wirft nun weitere Fragen auf.

Forschungsministerin Anja Karliczek gerät im Zusammenhang mit dem Standort für eine Forschungsfabrik zur Batteriezellenfertigung zunehmend in Erklärungsnot. Denn nicht Münster, sondern Ulm soll bei der Abstimmung über die Standortwahl für die "Forschungsfertigung Batteriezelle" vorne gelegen haben. Das berichtet der "Tagesspiegel" und beruft sich auf ein Schreiben, in dem die Kommission die Entscheidung für den Standort Ulm begründet. Das Forschungsministerium hatte Anfang 2019 eine Gründungskommission mit acht Industrievertretern eingesetzt.

Karliczek hatte jedoch Ende Juni verkündet, die Entscheidung sei auf Münster gefallen. Angeblich weil die Stadt in Nordrhein-Westfalen das beste Konzept vorgelegt hatte. Die Entscheidung habe nichts mit dem Standort in der Nähe ihres Wahlkreises zu tun. Karliczek kommt aus Ibbenbüren in der Nähe von Münster.

Nun zitiert der "Tagesspiegel" aus dem Kommissionsschreiben: Die Bewerbungen der Standorte Baden-Württemberg und Bayern würden sich besonders positiv abheben. Die Verfasser heben "insbesondere die Verfügbarkeit von Gebäuden bei gleichzeitig kompetentem Personal, ausgewiesener institutioneller sowie industrieller Zellkompetenz und überzeugenden Konzepten zur industriellen Nutzung der Forschungsfertigung für unterschiedlichste Anwendungen" hervor. "Aus diesem Grund schlagen wir vor, dass das Bundeswirtschaftsministerium den Standort Ulm auswählt", zitiert das Blatt.

"Entwurf einer Empfehlung"

Das Forschungsministerium dementiert jedoch, dass das Schreiben eine Rolle gespielt habe. Es habe sich nur um den "Entwurf einer Empfehlung" gehandelt, heißt es. Dieser Entwurf sei bei der Kommissionsitzung nicht erörtert worden und habe keine weitere Rolle mehr gespielt.

Nach der Verkündung, dass Münster den Zuschlag für das 500-Millionen-Euro-Projekt bekommen soll, hatte es Kritik aus mehreren Bundesländer gegeben. Die Ministerpräsidenten von Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen beschwerten sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Entscheidung Karliczeks. Denn an den Standorten Ulm und Salzgitter seien bereits Potenziale vorhanden, die nun ungenutzt blieben, hieß es etwa in dem Schreiben. Und: In Münster müssten die neuen Strukturen erst aufwendig aufgebaut werden. Währenddessen verstreiche wertvolle Zeit.

Die Bundesregierung will in der Batterietechnologie im internationalen Wettbewerb aufholen und kurbelt die Forschung mit 500 Millionen Euro an. Batterien werden künftig immer wichtiger. Leistungsfähige Speichertechnologien gelten als wichtiger Faktor für eine klimafreundlichere Entwicklung im Energie- und Verkehrsbereich.

Quelle: n-tv.de, kpi

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