Wirtschaft

Wilde Thesen um Bill Gates Im Visier der Verschwörungstheoretiker

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Die Impfgegner finden ihr Feindbild in Bill Gates.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Microsoft-Gründer, Multimilliardär und Mäzen. Bill Gates ist vieles, doch für Verschwörungstheoretiker ist er vor allem eins: eine dunkle Macht. Woher kommen der Hass und die Vorwürfe gegen ihn - und welche Kritik an ihm ist legitim?

"Gib Gates keine Chance." Der der Aids-Aufklärungskampagne entlehnte Slogan ist immer wieder auf Schildern und T-Shirts bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zu lesen. Die Bewegung hat den Multimilliardär Bill Gates zur Hassfigur erkoren. Sie sieht in ihm den Schuldigen für die Pandemie. Verschwörungstheoretiker in der ganzen Welt werfen Gates, der heute 65 Jahre alt wird, vor, er stecke hinter der Verbreitung des Coronavirus, mit dem angeblichen Ziel, die Weltbevölkerung zu reduzieren. Die absurden Theorien mancher gehen noch weiter: Einige "Gates-Gegner" sind sich sicher, dass der Softwarepionier Menschen per Impfung Computerchips einpflanzen möchte, um die Menschheit so überwachen zu können. Dabei sagte der Microsoft-Gründer zu Beginn der Pandemie lediglich, dass "digitale Zertifikate" irgendwann einmal Auskunft darüber geben könnten, wer eine Infektion bereits durchgestanden hat oder - sobald möglich - dagegen geimpft ist. Verschwörungstheoretiker setzten das Zitat in einen anderen Zusammenhang und dichteten einfach den Mikrochip dazu.

"Ich finde es ironisch"

Dunkle Mythen um seine Person gibt es seit Jahrzehnten. Doch die Thesen und Vorwürfe gegen Gates verbreiten sich jetzt in der Corona-Pandemie schneller als das Virus selbst. Vor allen in den sozialen Netzwerken muss er seinen Kopf für nahezu alle Übel in der Welt hinhalten. Über die Lügen und Desinformationen im Netz zeigt sich Gates selbst verwundert und besorgt: "Diese verrückten Ideen verbreiten sich irgendwie schneller in den sozialen Medien als die Wahrheit. Ich bin überrascht, dass mein Name in diesen Verschwörungstheorien auftaucht", sagte Gates bei "Bild live". "Ich finde, dass es irgendwie ironisch ist, dass ich anmahnte, auf diese Pandemie vorbereitet zu sein - und jetzt gibt es Leute, die sagen, ich sei dafür verantwortlich." Der Multimilliardär appellierte an die Vernunft der Menschen: "Wir befinden uns inmitten einer Pandemie, und es ist wichtiger als je zuvor, sich mit den Tatsachen und der Wahrheit auseinanderzusetzen."

Die kruden Weltsichten und Theorien über seine Person wurden durch die Pandemie gefüttert, neu sind sie aber nicht. Einer der Mythen geht vor allem auf eine Aussage aus dem Jahr 2010 zurück. In einem Interview sagte er damals: "Auf der Welt gibt es 6,8 Milliarden Menschen - die Tendenz geht in Richtung neun Milliarden. Wenn wir jetzt wirklich gute Arbeit bei neuen Impfstoffen, im Gesundheitswesen und in der Reproduktionsmedizin leisten, könnten wir dies um vielleicht 10 oder 15 Prozent senken." Nach Gates Ansicht besteht ein Zusammenhang zwischen Impfungen, Sterblichkeitsrate und Bevölkerungswachstum. Mit seiner Aussage wollte er darauf aufmerksam machen, dass in weiten Teilen der Welt viele Eltern eine große Anzahl an Kindern bekommen, um damit im Alter unterstützt zu werden - wohl wissend, dass ein Teil der Kinder früh stirbt. Wenn aber mehr Kinder bis ins Erwachsenenalter überleben, können Eltern ihre Altersvorsorge auch ohne viel Nachwuchs absichern. Für die Verschwörungstheoretiker ist seine Aussage dagegen ein Beleg, um ihm einen globalen Genozid durch einen Grippevirus zu unterstellen.

Kritik an Stiftung

Mit der Abwandlung des bekannten Anti-Aids-Slogans zeigen Verschwörungstheoretiker wer für sie für die Pandemie verantwortlich ist.

Mit der Abwandlung des bekannten Anti-Aids-Slogans zeigen Verschwörungstheoretiker, wer für sie für die Pandemie verantwortlich ist.

(Foto: imago images/Future Image)

Ein weiterer Mythos rankt sich um die Stiftung von Bill Gates. Sie soll das Robert-Koch-Institut sowie die Weltgesundheitsorganisation nicht nur mitfinanzieren, sondern auch lenken, so die Vorwürfe einiger Verschwörungstheoretiker. Fakt ist, Bill Gates investiert mit der von ihm und seiner Frau aufgebauten "Bill & Melinda Gates Foundation" Milliardensummen, um Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern zu bekämpfen. Ein Engagement, das unter anderem Impfgegnern eine Grundlage für wilde Spekulationen und Verschwörungen gibt.

Dabei gibt es auch sachliche Kritik an der Stiftung, vor allem an ihrer Finanzierung. Mit einem Vermögen von fast 47 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 ist die "Bill & Melinda Gates Foundation" eine der größten Privatstiftungen weltweit. Diese Summe basiert vor allem auf Zuschüssen des Ehepaars Gates und des befreundeten Milliardärs Warren Buffett. Das gespendete Geld wird in einem Fonds angelegt, der von externen Investmentmanagern geleitet wird. Im Portfolio sind mit Coca-Cola, Walmart und Caterpillar Konzerne zu finden, die profitorientiert arbeiten und in Teilen beispielsweise wegen Lohndumpings in der Kritik stehen. Mit ihrer Unternehmenspolitik stehen diese Firmen damit den Stiftungszielen, wie der Förderung von nachhaltiger Entwicklung, entgegen.

Gates rechnet bald mit Corona-Impfstoff

Die Stiftung verteidigt ihr Portfolio. Der Fonds werde nur genutzt, um die Stiftungsarbeit zu finanzieren. Damit sollen finanzielle Zuschüsse gewährleistet werden, um den Anreiz von Pharmaunternehmen zu wecken, auch wenig rentable Impfstoffe für Entwicklungsländer zu produzieren.

Die Corona-Pandemie veränderte den Fokus der Stiftung von Entwicklungsländern hin auf eine globale Impfstoffversorgung. Mit Investitionen in zahlreiche Pharmafirmen, wie unter anderem in das deutsche Unternehmen Curevac, beteiligt sich die Gates-Stiftung an der Entwicklung eines Corona-Impfschutzes. Gates ist sich sicher, dass der Durchbruch kurz bevorsteht. Bei "Bild live" sagte er, dass "mit etwas Glück" im ersten Quartal 2021 "drei oder sogar vier" Impfstoffe zugelassen werden könnten. Für viele wäre dies ein großer Erfolg. Doch dass dieser Fortschritt dann auch die Gates-Kritiker überzeugt, ist nicht zu erwarten.

Quelle: ntv.de