Wirtschaft

Berlusconi und Grillo sind da Italiener erschrecken die Märkte

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Stößt an den Märkten auf wenig Gegenliebe: Silvio Berlusconi.

picture alliance / dpa

Der Wahlausgang in Italien sorgt an den Börsen für schlechte Laune und sinkende Kurse. Der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone droht die politische Blockade – dabei gilt Italien als wichtiger Dominostein in Sachen Schuldenkrise.

Italien hat gewählt – und plötzlich sorgt die europäische Schuldenkrise wieder für Nervosität und jede Menge Gesprächsstoff an den Finanzmärkten. Die Italiener stimmten mehrheitlich gegen den bisherigen Reform- und Sparkurs, brachten ihr Land mit einer Protestwahl an den Rand der Unregierbarkeit und schickten damit Börsen und Euro auf Talfahrt.

Die Mailänder Börse fiel um 5 Prozent auf 15.530 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember vergangenen Jahres. Zu den größten Verlieren zählten die Finanzwerte: Die Aktien der Banca Popolare di Milano, Intesa Sanpaolo und UniCredit tendierten zwischen 9,5 und 7 Prozent schwächer. Auch der europäische Bankenindex gab deutlich nach.

"Nach dem unklaren Wahlausgang in Italien drückt vor allem die Angst vor einem Wiederaufflammen der Euroschuldenkrise auf die Stimmung der Börsianer", meinte LBBW-Analystin Antje Laschewski. Auf Talfahrt gingen auch die übrigen europäischen Börsen: In Frankfurt, Madrid, London und Paris fielen die Leitindizes in den roten Bereich. Auch die Wall Street und der Aktienmarkt in Tokio hatten bereits Verluste verzeichnet.

Der Euro geriet unterdessen unter Druck: Die Gemeinschaftswährung fiel unter die Marke von 1,31 Dollar und damit in Richtung Sieben-Wochen-Tief. "Jeder hatte gedacht, dass in Europa das Schlimmste vorüber sei", sagte ein Börsianer. "Aber offenbar kommen in Italien neue Probleme auf uns zu."

Populismus gewinnt an Stärke

Die Reaktion an den Märkten ist zwar deutlich, aber nicht dramatisch. "Im Moment gibt es eine Diskussion unter Händlern: Ist das Wahlergebnis in Italien eine Ursache oder eine Ausrede für etwas, was der Markt ohnehin tun wollte? Schließlich waren die Kurse so stark gestiegen, dass eine Korrektur ohnehin anstand", sagte Michael McCarthy, Chefstratege bei CMC Markets.

Dass der Komiker Beppe Grillo und der Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi zusammen mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen haben, macht allerdings die schwere Krise des politischen Systems der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone deutlich. Das Ergebnis zeigt zudem, dass die Mehrheit der Italiener die Reformen Mario Montis ablehnt.

"Die politische Situation in ganz Europa ist im Grunde ein Wettstreit zwischen Sparkurs und Reformen auf der einen Seite und dem Aufstieg von Populisten auf der anderen Seite", zitiert die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg Alberto Gallo von der Royal Bank of Scotland. "Sparen tut weh, und wenn Reformen nicht rechtzeitig durchgesetzt werden, riskiert man soziale Unruhen und Populismus." Das sei bisher weder in Griechenland, in Portugal noch in Spanien der Fall. "Doch wir sind in Italien dem sehr nahe", so Gallo.

"Wir wollen nicht wieder mit der Angst um ein Auseinanderbrechen der Eurozone konfrontiert werden", sagte Art Hogan von Lazard Capital Markets. An den Anleihemärkten nahmen die Sorgen indes etwas zu: Die Renditen von zehnjährigen italienischen Staatsanleihen stieg im Vergleich zum Vortag von 4,4 auf 4,8 Prozent. Auch die Papiere anderer Länder der Euro-Peripherie wurden verkauft. Die Rendite portugiesischer Zehnjähriger kletterte auf 6,5 Prozent, spanische Bonds rentierten mit 5,5 Prozent.

Madrid in Sorge

Die spanische Regierung bezeichnete den Ausgang der italienischen Parlamentswahl vor diesem Hintergrund als äußerst besorgniserregend. "Das ist ein Sprung ins Nirgendwo, der nichts Gutes verheißt weder für Italien noch für Europa", sagte der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo. Es herrsche große Sorge, dass das Wahlergebnis mit seinen unklaren Mehrheitsverhältnissen zu Unsicherheit an den Finanzmärkten und steigenden Risikoaufschläge auf bestimmte Anleihen führen könnte.

Ähnlich wie für Italien waren auch für Spanien im vergangenen Jahr auf den Anleihemärkten die Refinanzierungskosten kräftig gestiegen. Damit nahm die Sorge zu, dass beide Euro-Schwergewichte unter den Rettungsschirm flüchten müssen. Nach der Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi im vergangenen Sommer, unter bestimmten Umständen notfalls unbegrenzt Staatsanleihen kriselnder Eurostaaten zu kaufen, gingen die Risikoaufschläge für spanische und italienische Anleihen deutlich zurück – und die Schuldenkrise verlor an Schärfe.

"Wir rechnen nicht mit einer Eskalation der Staatsschuldenkrise wie 2011", so Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Märkte dürften in den kommenden Wochen aber nervös bleiben.

Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa

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