Wirtschaft

"Abenomics" auf Holzweg? Japans Weg in die Staatsschuldenkrise

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Toyota FCV Concept: Der Branchenprimus profitiert von der lockeren Geldpolitik in Japan, die den Yen schwächt - und bei den exportorientierten Unternehmen die Kassen klingeln lassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Japans Kampf gegen die jahrelange Deflation trägt erste Früchte. Doch der Schein der erfreulichen BIP-Daten trügt. Laut DZ-Bank-Analystin Marten hat Japan einen gefährlichen Weg eingeschlagen.

Mit 240 Prozent des BIP schultert Japan eine der höchsten Schuldenlasten aller Industrieländer. Das Land habe lange Zeit darauf zurückgreifen können, dass diese Verschuldung von inländischen Anlegern finanziert werde, stellt Analystin Sonja Marten von der DZ-Bank fest. Laut Marten werden 96 Prozent der japanischen Staatsanleihen derzeit von japanischen Investoren gehalten. Daher seien die Renditen bisher nicht gestiegen, obwohl keine glaubwürdigen Maßnahmen zum Schuldenabbau ergriffen worden seien. Japan sei bereits mit einer potenziell katastrophalen demografischen Entwicklung konfrontiert und die Verschlechterung des Leistungsbilanzüberschusses erschwere die ohnehin untragbare Lage zusätzlich.

Die USA seien ein Beispiel dafür, dass Zwillingsdefizite über lange Zeit hinweg aufrechterhalten werden könnten. Japan verfüge aber - im Gegensatz zu den USA - nicht über die wichtigste Reservewährung der Welt und sein Markt für Staatsanleihen sei weder so tief noch so liquide wie der US-Markt. Daher dürfte es Japan sehr viel schwerer fallen als den USA, dauerhaft Zwillingsdefizite zu meistern. Ein solches Unterfangen könnte sogar unmöglich sein, zeigt sich die Expertin kritisch.

Abenomics mit falschen Hoffnungen

Die Risiken für die lange Zeit zu beobachtende Widerstandskraft des japanischen Marktes nähmen demnach rasch zu. Japans jüngste BIP-Daten würden von der Regierung als Anzeichen dafür gefeiert, dass die Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe (Abenomics) endlich Wirkung zeige. Blicke man aber genauer hin, so zerschlügen sich alle Hoffnungen darauf, dass sich Japan auf einem nachhaltigen Aufwärtspfad befinde.

Sowohl die demografische Entwicklung als auch die Entwicklung der Leistungsbilanz dürften Japans ohnehin heikle Schuldensituation noch erschweren. Damit habe sich das Risiko einer Staatsschuldenkrise in Japan weiter erhöht, so das abschließende Urteil der Analystin.

Überraschend guter Jahresstart

Die japanische Wirtschaft ist im ersten Quartal so stark gewachsen wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Grund dafür war unter anderem die Mehrwertsteuererhöhung, die im April von fünf auf acht Prozent gestiegen war. Vor deren Einführung machten Verbraucher noch zahlreiche Anschaffungen, da viele Waren teurer wurden. Auch Firmen investierten mehr.

Von Januar bis März wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet um 5,9 Prozent, wie aus Regierungsdaten hervorgeht. Analysten hatten dagegen nur mit einem Plus von 4,2 Prozent gerechnet. Es war der stärkste Anstieg seit dem dritten Quartal 2011.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts

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