Wirtschaft

Börsen auf Talfahrt, Rufe nach EZB Krisenängste befeuern Eurozone

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Eine rot glühende 1-Euro-Münze: Die Krise in der Eurozone fängt wieder Feuer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer dachte, die Krise in der Eurozone wäre längst ausgestanden, wird derzeit eines besseren belehrt. Spaniens Haushaltsdefizit schockt die Märkte, ebenso ein möglicher Machtwechsel in Frankreich. Zudem schließt Bundesbankchef Weidmann eine baldige Zinssenkung durch die EZB rigoros aus. Das Resultat: Die Anleger bekommen kalte Füße, die Börsenkurse brechen ein.

Die Euro-Schuldenkrise ist zurück - mit voller Wucht - oder sie war niemals weg. In den Mittelpunkte rückte erneut Spanien, dessen gestiegener Schuldenberg sich negativ auf die gesamte Eurozone auswirkt. Die Märkte reagierten entsprechend nervös. Erste Rufe nach einem schnellen Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) werden laut - und abgewiesen.

Bundesbankchef Jens Weidmann dämpfte Hoffnungen auf baldige Leitzinssenkungen und einen ausgeweiteten Kriseneinsatz der EZB. "Wir müssen sicherstellen, dass wir bei der Lösung der einen Krise nicht den Grundstein für die nächste legen", sagte Weidmann. Die Geldpolitik sei kein Allheilmittel und die Feuerkraft der Notenbank nicht unbegrenzt - vor allem nicht innerhalb einer Währungsunion.

Der Top-Bundesbanker warnte vor den Nebenwirkungen niedriger Leitzinsen. Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass ultralockere Geldpolitik dazu führte, dass Investoren aggressiver ins Risiko gehen. Die Bemühungen der Notenbanker, akute Risiken bedingungslos abzufedern, könnten langfristig sogar größere Gefahren heraufbeschwören, sagte Weidmann mit Blick auf die Entstehung neuer Vermögenspreisblasen.

Rolle der Notenbank klar begrenzt

Erneut kritisierte der Bundesbankchef, dass Banken aus Krisenländern mit Zentralbankgeld am Leben gehalten würden. Auf diese Weise würden private Risiken zu Steuerzahlern verlagert. "Ob Banken mit Steuergeld gerettet werden, sollte ausschließlich von nationalen Parlamenten entschieden werden", sagte Weidmann vor dem Hintergrund der jüngsten Debatte um Hilfsgelder aus öffentlichen Töpfen beispielsweise für spanische Banken.

Auch den Forderungen der französischen Spitzenkandidaten Francois Hollande und Nicolas Sarkozy, die EZB neu auszurichten, erteilte Weidmann eine klare Absage, ohne jedoch explizit auf den französischen Wahlkampf einzugehen. Die Rolle der Notenbank müsse klar begrenzt bleiben, um die Kräfte des Marktes bei der Disziplinierung der Haushaltspolitik mitwirken zu lassen. In dieser Hinsicht unterscheide sich die Situation im Euroraum fundamental von der in den USA oder Großbritannien.

Ängste bei den Anlegern

Die Euro-Schuldenkrise nahm auch die Börsen wieder in den Würgegriff. Sorgen um das Defizit der größten Schuldensünder Irland, Griechenland und Spanien schickten die Aktienmärkte europaweit auf Talfahrt. Die letzten mutigen Käufer der letzten Handelstage hätten sich vorerst wieder verabschiedet, sagte ein Aktienhändler.

Dax
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Der Dax brach um mehr als 3 Prozent ein und sackte auf den niedrigsten Stand seit Ende Januar. Nicht ganz so schlimm traf es den Leitindex der Euro-Zone EuroStoxx 50.

In Frankreich sorgte zudem der mögliche Sieg des Sozialisten François Hollande bei den Präsidentschaftswahlen zu Kursverlusten: Die Pariser Börse sajte knapp 3 Prozent weg. Hollande will nicht nur eine Reichensteuer einführen, sondern auch den Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin in der EU neu verhandeln. Auf einen weiteren wichtigen Verbündeten bei der Euro-Rettung kann Deutschland schon nicht mehr zählen: Die Regierung der Niederlande scheiterte, weil sie die Mehrheit für ihren Sparhaushalt nicht mehr zusammenbekam.

Wall Street im Euro-Abwärtssog

Auch an US-Börsen war die Stimmung schlecht. Der Aktienmarkt startete wegen Sorgen um die Weltkonjunktur zunächst mit deutlichen Verlusten in die neue Handelswoche.

Der Schuldenberg in der Eurozone war im vergangenen Jahr auf Rekordhöhen gewachsen. 2011 erreichte er nach Eurostat-Angaben 87,2 Prozent der Wirtschaftsleistung der Euroländer, erlaubt sind nach Euro-Stabilitätskriterien 60 Prozent, wie die Statistikbehörde berichtete. Seit 2007 stieg er getrieben von der Finanz- und Schuldenkrise kontinuierlich an.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/DJ

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