Wirtschaft

Chinesen wollen Anteil aufstocken Kuka-Aktie geht durch die Decke

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Das Angebot der Chinesen bewertet Kuka mit rund 4,5 Milliarden Euro.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das nennt man wohl Kursexplosion: An der Frankfurter Börse gewinnen die Papiere des Roboterherstellers Kuka kräftig an Wert. Denn ein chinesischer Großaktionär will seinen Einfluss erhöhen.

Der chinesische Klimaanlagen- und Haushaltsgeräte-Hersteller Midea will seine Beteiligung am Roboterbauer Kuka kräftig aufstocken und gemeinsam mit den Augsburgern den Markt für die Automatisierung von Logistik aufrollen. Über ihre Tochter Mecca International gaben die Asiaten ein öffentliches Übernahmeangebot ab: Pro Kuka-Aktie bieten sie demnach 115 Euro - das entspricht einem Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Euro.

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Midea hält derzeit 13,5 Prozent der Kuka-Anteile und will sich - so die Bedingung für das Übernahmeangebot - mindestens 30 Prozent sichern. Die Kontrolle über Kuka wollen sie aber nach eigenen Angaben auch als größter Einzelaktionär nicht übernehmen. Der Vorstand um Till Reuter habe weiterhin freie Hand. Es gehe darum, die Chancen im chinesischen Logistikmarkt zu nutzen und die Automatisierung bei Mideas bestehenden Kunden voranzutreiben, hieß es in einer Präsentation.

Die Kuka-Aktien schossen am Morgen um mehr als 34 Prozent auf ein Rekordhoch von 113,40 Euro in die Höhe. Am Aktienmarkt wird auf die hohe Prämie und die niedrige Annahmeschwelle verwiesen. "Mit der niedrigen Mindestannahmeschwelle von nur 30 Prozent kommuniziert Midea, dass sie das Paket auf jeden Fall wollen", sagt ein Händler. Auch sei die Prämie sehr hoch, so dass die Übernahme als "sicher" einzustufen sei. Die Prämie liegt 30 Prozent über dem dreimonatigen Durchschnittspreis von Kuka.

Profitieren dürften davon auch andere Unternehmen mit chinesischer Beteiligung. "Nach den Presseberichten der letzten Wochen über eine geplante Offensive der Chinesen im deutschen Mittelstand dürfte das die Fantasie wecken, dass auch bei anderen Unternehmen eine Übernahme ansteht", so ein anderer Händler. Schließlich sei Midea bereits mit einem kleinen Anteil im vergangenen Sommer eingestiegen und habe erst jüngst aufgestockt.

Midea, Hersteller von Klimaanlagen, Kühlschränken und Waschmaschinen, mit einem Jahresumsatz von rund 18,7 Milliarden Euro und mehr als 100.000 Mitarbeitern, expandierte im Laufe des vergangenen Jahres massiv ins Ausland. Im März hatte das Unternehmen bekannt gegeben, die Mehrheit an der Unterhaltungselektroniksparte von Toshiba für 473 Millionen US-Dollar zu übernehmen. Die Aufstockung des Kuka-Anteils will Midea über Kredite finanzieren.

Weitreichende Zugeständnisse

Kuka würde gut zum chinesischen Wachstumsplan passen, der die Übernahme ausländischer Firmen in wichtigen Sektoren wie der Robotik vorsieht. Kuka machte vergangenes Jahr mit etwa 12.300 Mitarbeitern mehr als die Hälfte seines Umsatzes von rund 3 Milliarden Euro in den USA und China. Bis 2020 will Kuka den Konzernumsatz auf 4 bis 4,5 Milliarden Euro steigern. Das Unternehmen will nach jahrelanger Abhängigkeit von der Autoindustrie mehr Geschäfte mit Kunden aus der Logistik, Luftfahrt, IT oder Herstellern von Computern, Telefonen, Tablets und Haushaltsgeräten machen.

Die Schwaben sprechen bereits seit einiger Zeit mit dem chinesischen Unternehmen über dessen Automatisierung von gut 100 Logistikzentren. China ist für Kuka auch deshalb interessant, weil im größten Robotermarkt der Welt der Automatisierungsgrad vergleichsweise gering ist. Mit dem Einstieg von Midea und der Partnerschaft könne Kukas China-Strategie beschleunigt werden, hieß es weiter.

Midea macht den Schwaben im Zuge des Übernahmeangebots weitreichende Zugeständnisse. Kuka soll an der Börse notiert bleiben, ein Beherrschungsvertrag sei nicht geplant. Firmensitz bleibe Augsburg, auch an den Produktionsstandorten solle sich nichts ändern. Bei der Belegschaft seien ebenfalls keine Veränderungen geplant.

Midea war im August zunächst mit fünf Prozent bei Kuka eingestiegen und Anfang Februar mit 10,2 Prozent zum zweitgrößten Aktionär aufgestiegen. Schon damals hatten die Chinesen angekündigt, den Anteil aufstocken zu wollen. Größter Kuka-Aktionär ist bisher mit 25,1 Prozent der schwäbische Anlagenbauer Voith. Ein weiterer Großaktionär mit einem Anteil von 10 Prozent ist die Holdinggesellschaft Swoctem des Milliardärs Friedhelm Loh.
Midea-Vertreter wurden Insidern zufolge übers Wochenende bei Kuka vorstellig und warben für ihren Plan.

Quelle: ntv.de, jga/rts/DJ

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