Wirtschaft

IWF fürchtet um Deutschland Lagarde regt Konjunkturhilfe an

2zvr2752.jpg1953777176137024511.jpg

Denkt jetzt schon an die Sorgen von morgen: Christine Lagarde.

(Foto: dpa)

Während Europa noch mit den Auswirkungen der Schuldenkrise kämpft, denkt die Chefin des Internationalen Währungsfonds bereits einen Schritt weiter: Wenn sich die Konjunkturlage weiter verschärft, sollten die USA und Deutschland ihre Sparbemühungen aussetzen und neue Hilfen in die Wirtschaft pumpen. Noch sei eine "neue Rezession" vermeidbar, sagt Lagarde.

Zur Abwehr einer neuen Krise der Weltwirtschaft macht sich der Internationale Währungsfonds (IWF) für Konjunkturprogramme stark. "Mit Blick auf Europa empfehlen wir, dass die Länder ihren Sparkurs an die veränderte Lage anpassen und wachstumsfördernde Maßnahmen ins Auge fassen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde im Gespräch mit dem "Spiegel". Auch in den USA gebe es womöglich Spielraum dafür, die kurzfristigen Sparpläne auszusetzen und die Wirtschaft anzuschieben.

2zxq2949.jpg792554752017712056.jpg

Doch nicht sparen? Angela Merkel müsste das den Europäern erst erklären.

(Foto: dpa)

In Deutschland seien unter Umständen ebenfalls Konjunkturhilfen denkbar. "Wenn der Export, auf dem das deutsche Wirtschaftsmodell beruht, einbricht, dann könnte die Bundesregierung gegensteuern", sagte die Französin. Der IWF habe über den Sommer festgestellt, dass sich eine neue Vertrauenskrise entwickele, die die wirtschaftliche Lage weltweit verschlechtere, erklärte Lagarde.

Diese Vertrauenskrise habe einen Höhepunkt erreicht, als . "Deshalb müssen Maßnahmen ergriffen werden, um eine drohende Abwärtsspirale abzuwenden."

Dazu gehöre auch, dass die europäischen Banken ihr Eigenkapital verstärkt aufstockten, bekräftigte Lagarde ihre Forderung, .

Dies sei nötig, damit die Banken den Risiken der Staatsschuldenkrise und des schwachen Wachstums widerstehen könnten und um eine weitere Ansteckung zu vermeiden. "Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen", sagte sie.

Das Pulver ist verschossen

Eine neue Rezession hält die IWF-Chefin noch für vermeidbar. "Die Möglichkeiten der Regierungen und Notenbanken sind zwar geringer als 2009, weil sie einen großen Teil ihres Pulvers schon verschossen haben", sagte sie. Mit internationaler Zusammenarbeit sei sie aber noch zu verhindern.

Spielraum für eine Belebung der Konjunktur in Deutschland sieht Lagarde vor allem, weil "die Gesundung der deutschen Staatsfinanzen unter den gegenwärtigen Umständen bestens läuft". Wenn Deutschland seine Binnennachfrage belebe, sei das gut für die deutsche Wirtschaft und für die der Nachbarländer.

Im zweiten Quartal hatte der erste Rückgang der Konsumausgaben seit dem Krisenjahr 2009 den deutschen Aufschwung überraschend gestoppt. Die Wirtschaft wuchs nur noch um 0,1 Prozent.

Weltbank fürchtet neue Gefahren

Auch Weltbankchef Robert Zoellick warnte am Wochenende davor, dass die Wirtschaft angesichts der Konjunkturabkühlung und der Börsenturbulenzen in abzurutschen drohe.

"Die Finanzkrise in Europa ist zu einer Staatsschuldenkrise geworden, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Währungsunion, Banken und die Wettbewerbsfähigkeit einiger Länder", sagte Zoellick bei einem Besuch in Peking. Auch die USA müssten ihr Schuldenproblem angehen und das Vertrauen der Finanzmärkte in die Politik wieder stärken.

Trichet knöpft sich Italien vor

Aus diesem Grund ermahnte auch EZB-Präsident Italien an seinen Sparzusagen festzuhalten. Der von Ministerpräsident angekündigte Ausgleich des Haushalts bis 2013 sei äußerst wichtig, um Italiens Kreditwürdigkeit und Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten zu stärken, sagte Trichet.

Berlusconi ringt derzeit mit dem Parlament um ein milliardenschweres Sparprogramm, das er unter dem Druck steigender Zinsen am Kapitalmarkt nachgebessert hat. Zuletzt kamen aber Zweifel an dem Sparwillen der konservativen Regierung auf, nachdem eine Reichensteuer und ein Teil der Rentenreform aus dem Paket gestrichen worden war.

Eurobonds scheitern an der Note

Die Befürworter von Eurobonds im Kampf gegen die Schuldenkrise erhielten am Wochenende einen Dämpfer. Die würde gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten mit der Note des schwächsten Mitgliedslandes bewerten.

"Wenn wir einen Eurobond haben, bei dem Deutschland 27 Prozent garantiert, Frankreich 20 und Griechenland 2 Prozent, dann läge das Rating des Euro-Bonds bei 'CC', was der Kreditwürdigkeit Griechenlands entspricht", sagte der Leiter des Länderbereichs Europa bei S&P, Moritz Krämer.

Dies sei der Fall, wenn es eine gemeinsame Garantie und keine einzelne Gewährleistung der Mitgliedsländer gebe. Allerdings könnte dies vielleicht auf eine andere Art strukturiert werden. Die Bundeskanzlerin lehnt Euro-Bonds ab. Euro-Sorgenkinder wie Italien und Griechenland hingegen werben dafür. 

Quelle: ntv.de, mmo/rts