Wirtschaft

Hoffnung aus China Loewe findet einen Partner

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Loewe produziert im bayerischen Kronach Flachbildfernseher.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der deutsche Fernsehhersteller Loewe will mit chinesischer Hilfe einen Weg aus der Existenzkrise finden. Die Partnerschaft mit einem Staatsunternehmen soll den Zugang zu moderner Technologie sichern und neue Märkte öffnen. Doch die dringend benötigte Finanzspritze fehlt weiterhin.

Der ums Überleben kämpfende Fernseher-Hersteller Loewe hat Hilfe in China gefunden. Mit dem Hisense International sei ein weitreichendes Kooperationsabkommen unterzeichnet worden, teilte Loewe vor einer außerordentlichen Hauptversammlung in Berlin mit. Ziel sei es, Synergien bei Einkauf, Produktion, Entwicklung und Vertrieb zu nutzen.

Loewe will künftig auch billigere Geräte anbieten. Dazu setzt das Unternehmen künftig neben dem Fachhandel auf den Vertrieb in den großen Elektronikmärkten. Zudem hofft Loewe auf die Bildschirmtechnologie des neuen Partners und auf den Zugang zum Absatzmarkt China.

Im Gegenzug kommen Hisense-Fernseher in Westeuropa in den Markt. In einem ersten Schritt übernimmt Loewe die Exklusivdistribution für die Chinesen im Testmarkt Österreich. Darüber soll Hisense Zugang zu der von Loewe entwickelten TV-Software erhalten. Der Hisense-Konzern ist ein Staatskonzern, der jedoch mit Töchtern auch börsennotiert ist. Hisense International ist für das Auslandsgeschäft der Chinesen verantwortlich, vertrieben werden auch Kühlschränke oder Waschmaschinen.

Loewe mit Sitz im fränkischen Kronach steht seit 17. Juli unter gerichtlichem Gläubigerschutz. Innerhalb von drei Monaten muss die Gesellschaft frisches Kapital auftreiben. Sonst droht die Insolvenz. Der deutsche Traditionshersteller war eigentlich noch in Gesprächen mit seinen Aktionären und neuen Investoren über Kapitalmaßnahmen, musste sich dann jedoch mit dem so genannten Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung Luft bei der geplanten Restrukturierung verschaffen. Einen Investor hat Loewe mit Hisense offenbar noch nicht gefunden. Die Rede ist lediglich von einer Kooperation beider Unternehmen.

Kräftiger Stellenabbau

Loewe war lange eine Erfolgsgeschichte, das Unternehmen hat jedoch seit mehr als zehn Jahren ernste Probleme. Zuerst verschlief das Traditionsunternehmen den Umstieg auf Flachbildschirme, dann machte ihm die gestiegene Konkurrenz im Fernsehmarkt zu schaffen. Preisverfall und Überangebot brachten auch weitaus größere Hersteller in Schwierigkeiten.

Loewes Großaktionär Sharp, ein japanischer Fernsehhersteller, kam selbst ins Trudeln und bemüht sich derzeit, durch Anteils- und Fabrikverkäufe Geld in die Kasse zu holen. In der Nische, die sich Loewe mit designorientierten Highend-Fernsehern gesucht hatte, ist es eng geworden.

Das Kronacher Unternehmen versuchte bereits, mit einem kräftigen Stellenabbau gegen die Misere zu steuern und brachte bereits eine Restrukturierung auf den Weg. Die Streichung von 180 Arbeitsplätzen und ein Sanierungstarifvertrag bildeten die Grundlage dafür, dass die Banken die Kreditlinien von Loewe bis Ende März 2014 verlängert hatten. Zudem brachte das Unternehmen zuletzt neue Produkte auf den Markt.

Trotzdem musste Loewe im Juni den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals feststellen und plante zum Ausgleich des Verlusts zunächst eine einfache Kapitalherabsetzung. An einer anschließenden Kapitalerhöhung sollten sich bestehende Aktionäre und neue Investoren beteiligen. Dann kamen jedoch der Gläubigerschutz und die Ankündigung, gemeinsam mit den Gläubigern einen umfassenden Sanierungsplan zu  entwickeln. Darin werden die Chinesen nun eine bedeutende Rolle spielen.

Quelle: ntv.de, jga/DJ/rts/dpa