Wirtschaft

Geheimer IWF-Hilfsplan für Spanien? Madrid fürchtet den Ausverkauf

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"Wir haben keine entsprechende Bitte erhalten und unternehmen keine Handlungen in Bezug auf jegliche finanzielle Hilfe."

(Foto: dpa)

Die schwierige Lage in Spanien alarmiert den Internationalen Währungsfonds: Hinter den Kulissen arbeiten IWF-Experten angeblich bereits an einem Notfallplan für die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Von einem Kredit riesigen Ausmaßes ist die Rede. IWF-Chefin Lagarde wiegelt ab. Spanische Unternehmer fordern Schutz vor feindlichen Übernahmen.

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Finanzsektor in Schieflage: Spanien steckt tief in der Krise.

(Foto: REUTERS)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat einem Zeitungsbericht zufolge die Vorarbeiten an einem Rettungsplan für das finanziell bedrängte Euro-Land Spanien ächzt aufgenommen. Die Europa-Abteilung der Washingtoner Institution stelle Überlegungen über einen Hilfskredit an die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone an, berichtete das "Wall Street Journal".

Das Blatt verweist auf ungenannte Quellen und nennt Details zu einem möglichen Darlehen für das von der Staatspleite bedrohte Land. Demnach könne ein über drei Jahre laufender Kredit bis zu 300 Mrd. Euro umfassen. Das wäre weit mehr, als den Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal zusammen zur Verfügung gestellt wird.

Der Weltwährungsfonds wie auch der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos dementierten den Bericht. "Es gibt keinen solchen Plan. Wir haben keine entsprechende Bitte erhalten und unternehmen keine Handlungen in Bezug auf jegliche finanzielle Hilfe", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde nach einem Treffen mit der spanischen Vizeregierungschefin Soraya Sáenz de Santamaría. Sie nannte die Zusammenkunft "sehr produktiv".

Aus Kreisen des IWF hieß es dagegen, es sei innerhalb der Abteilungen normal, mit solchen Planungen zu beginnen. Dies diene der Vorbereitung auf mögliche Anfragen vom Exekutivdirektorium - zumal der IWF am 4. Juni beginnen werde, die Lage der spanischen Volkswirtschaft eingehend zu untersuchen.

Schutzwälle für Spaniens Unternehmen

In Spanien selbst werden unterdessen Forderungen nach einer Wiedereinführung des Leerverkaufsverbots laut. Aufgrund der extremen Volatilität der Finanzmärkte fordern große spanische Unternehmen von der spanischen Börsenaufsicht CNMV, Leerverkäufe ("Short Selling") wieder zu verbieten, berichtet die Zeitung "Cinco Dias". Das Verbot solle nach dem Willen der Unternehmen nicht auf die Finanzbranche beschränkt werden. Erst im Februar hatte die spanische Börsenaufsicht das Leerverkaufsverbot für Bankenaktien aufgehoben.

Einige der strategisch wichtigen Unternehmen befürchten, zu Übernahmezielen zu werden, und fordern laut der Zeitung daher auch die Wiedereinführung der sogenannten "goldenen Aktie". Mit diesem Instrument könnte die spanische Regierung feindliche Übernahmen blockieren. Die EU-Kommission lehnt die "goldene Aktie" indessen ab, weil sie diese für unvereinbar mit der innerhalb der Europäischen Union geltenden Freizügigkeit und den Kapitalverkehrsregeln hält.

Quelle: n-tv.de, DJ/rts

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