Wirtschaft

Problem Schaller McFit "im Kern getroffen"

Die Loveparade-Tragödie könnte Auswirkungen auf den Fitness-Riesen McFit haben. Das Problem ist die Doppelrolle von McFit-Gründer und Loveparade-Ausrichter Rainer Schaller.

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Schallers Doppelrolle wird für sein Unternehmen McFit zum Problem.

(Foto: REUTERS)

Die Fitnesskette von Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller,  McFit, verbucht seit der Katastrophe in Duisburg einen enormen Imageverlust. Der Einbruch des deutschen Fitnessriesen in der Kundengunst sei "wirklich dramatisch", sagte der Projektmanager des Kölner Meinungsforschungsinsituts YouGov Psychonomics, Adrian Bach, n-tv.de. "Die Marke McFit ist im Kern getroffen."  Der Konzern war innerhalb weniger Tage auf einer Skala von plus bis minus einhundert auf minus 56 Punkte in einer repräsentativen Markenbewertung abgerutscht. Vor der Tragödie lag der Wert noch bei plus zwei Punkten.

McFit ohne Befürchtungen

"Eine denkbare Folge wäre, dass McFit jetzt Umsatzeinbußen hätte und die Mitglieder davonlaufen", meint Bach. Eine belastbare Aussage ließe sich aber nicht machen; ein Einbruch im Markenimage ließe noch keine Rückschlüsse darauf zu, wie die Kunden zukünftig reagieren werden.

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Nach der Loveparade-Katastrophe gibt es immer wieder Boykott -Aufrufe und Aktionen gegen McFit.

(Foto: REUTERS)

Björn Schultheiss wiegelt solche Befürchtungen ab. Der Markenchef von McFit ist davon überzeugt, dass die Tragödie keine längerfristigen Folgen für das Unternehmen haben wird. "Wir haben auch keine erhöhte Anzahl an Austritten zu verzeichnen", sagte er n-tv.de.  Nur sehr vereinzelt würden die Mitarbeiter in den Filialen auf das Unglück angesprochen. Dabei werde vor allem Betroffenheit zum Ausdruck gebracht.

Der Meinungsforscher Bach rät dem Unternehmen nun, in eine angemessene Krisenkommunikation überzugehen, um weitere negative Folgen für das Konzernimage einzudämmen. "So, wie es etwa Toyota getan hat, indem sie über Hintergründe aufklären", schlägt er vor.

Doch mehr als dürftige Beileidsbekundungungen gibt es seitens McFits noch nicht. "Die Menschen und Macher von McFit, dem Hauptsponsor der Loveparade, sind zutiefst betroffen von dem tragischen Unglück", heißt es auf der Internetseite.

Sponsor oder Veranstalter?

McFit fühlt sich in keiner Weise verantwortlich, denn die Fitnesskette sieht sich lediglich als Hauptsponsor der Parade. "Veranstalter war die Lopavent GmbH",  sagt Schultheiss. Rechtlich steht das außer Frage. Die Lopavent GmbH wurde 2006 von Rainer Schaller gegründet – eigens dazu, die Loveparade zu veranstalten. Doch wäre McFit in den Augen der Öffentlichkeit nur Sponsor gewesen, ließe sich der drastische Imageverlust nicht erklären.

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Viele sehen in dem "Hauptsponsor" gleichzeitig den Veranstalter der Loveparade 2010.

(Foto: REUTERS)

McFit ist untrennbar mit seinem Gründer Rainer Schaller - und somit der Loveparade - verbunden. Und das könnte dem Unternehmen zum Verhängnis werden. Denn betrachtet man auf der Webseite der Loveparade die Kommentare der Besucher, wird schnell klar, wen viele für die Tragödie verantwortlich machen.

Rainer Schaller ist das, was man gemeinhin einen Selfmade-Millionär nennt. Der gelernte Einzelhandelskaufmann besaß zunächst einige Edeka-Filialen, bevor er 1997 ins Fitness-Geschäft einstieg. Er kaufte in Würzburg eine Möbelhalle und eröffnete sein erstes Fitnesstudio, wofür er mit dem Slogan warb "McFit – jetzt auch in Würzburg". Damals begann sein Höhenflug. Heute ist McFit mit 130 Filialen in Deutschland, Österreich und Spanien und rund 925.000 Mitgliedern die größte Fitnesskette Deutschlands.

Der stets braungebrannte Schaller tat alles dafür, um weiter zu expandieren. Im Jahr 2006 übernahm er die Organisation der Loveparade. Dabei ging es offiziell nie ums Geld: die Loveparade ist ein Verlustgeschäft. Aber sie ist auch eine gigantische Werbeplattform. Der Geschäftsmann aus Bamberg erkannte das Potenzial und verband die Veranstaltung untrennbar mit seiner Firma McFit, die nun als Hauptsponsor der Parade auftrat. Und durch die Doppelfunktion von Schaller wurde der Sponsor zum Veranstalter. Am Ende ging es dann doch ums Geld. War der anfangs geniale PR-Coup endlich ein Fehler? Diese Frage weißt McFit als "pietätlos" zurück.

Keine Kollektivschuld

Adrian Bach von YouGov Psychonomics sieht in der engen Verknüpfung den Hauptgrund für den Imageeinbruch: "Offensichtlich ziehen die Leute die Verbindung, dass McFit demjenigen gehört, der die Loveparade ausgerichtet hat."

Auch die Mitbewerber von "Mister Fitness" sehen darin das Problem. "Schaller ist in einer Doppelfunktion - als Veranstalter der Loveparade und Gründer von McFit", sagt Wolfgang Klauke von Fitness First n-tv.de. Fitness First ist die nach eigenen Angaben weltweit größte Fitnesskette. Marketing und PR für McFit sei der Grund gewesen, warum Schaller durch eine eigens dafür gegründete Firma die Loveparade durchgeführt habe. Darum sei es nachvollziehbar, wenn Öffentlichkeit und Medien die Verbindung zwischen Profit und der Ausrichtung der Loveparade ziehen.

Auch für die gesamte Branche befürchtet Klauke einen Imageverlust. "Die Fitness-Branche hat noch kein ausgeprägtes Image, sie ist vergleichweise jung. Dementsprechend ist es nicht besonders gut, jetzt in dieser Verbindung erstmals groß aufzutreten", meint er. Es könne kurzfristig zu Problemen bei der Partner- und Sponsorensuche kommen, eine Kollektivschuld werde es aber nicht geben.

Quelle: n-tv.de

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