Wirtschaft

"Guter Preis für Totgesagte" Metro kriegt Lob für Kaufhof-Verkauf

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An Kaufhof scheint die Volksseele nicht mehr zu hängen.

(Foto: dpa)

"Mounties statt Kaufhausdetektiven?" Dass Kaufhof kanadisch wird, löst eher Belustigung als Sorge aus. Stattdessen wird in den sozialen Netzwerken gewettet, dass sich Hudson's Bay am deutschen Markt die Zähne ausbeißen wird.

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Als Nicolas Berggruen vor genau fünf Jahren den Kaufvertrag für Karstadt unterzeichnete, wurde der übernächtigt, aber glücklich wirkende US-Investor wie ein Popstar gefeiert. Er schien der Retter der Karstadt-Arbeitsplätze, gar der gesamten, guten alten Warenhauskultur. Der Verkauf der Kaufhof-Warenhäuser an Hudson's Bay gestaltet sich weitaus nüchterner. Liegt es vielleicht daran, dass Berggruen den Heilserwartungen nicht entsprach, sondern sich als derjenige entpuppte, der er immer war – ein kalkulierender Investor?  

Oder liegt es daran, dass Kaufhof insgesamt besser dasteht als Karstadt? Die Warenhauskette setzte 2013/2014 rund 3,1 Milliarden Euro um und betreibt insgesamt noch 140 Waren- und Sporthäuser in Deutschland und Belgien. Bei Karstadt sind es nur noch 80 klassische Warenhäuser, Tendenz sinkend. Kein attraktiver Partner, weswegen es auch nur wenig Bedauern darüber gibt, dass sich Pläne für eine Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof zerschlagen haben. Hätte sich die Signa Holding des österreichischen Immobilieninvestors und Karstadt-Eigners Rene Benko durchgesetzt, wäre das nur mehr vom gleichen alten Warenhaus-Mief gewesen, sind sich Branchenbeobachter sicher.

Wahrscheinlich ist aber auch, dass die großen, alten Warenhäuser mittlerweile wirklich weit weg sind von der öffentlichen Wahrnehmung. "Wann habt ihr da das letzte Mal eingekauft?", ist wohl die meist gestellte Frage in den sozialen Netzwerken. Gefolgt von der Bewunderung für die Kaufhof-Mutter Metro, für eine Totgesagte noch mehr als 2,8 Milliarden Euro rauszuschlagen.

Vielleicht, ja, vielleicht gelingt es Hudson's Bay sogar, Warenhäuser wieder zu den Shopping-Tempeln voller Einkaufsspaß zu machen, die sie einst waren, hoffen Branchenkenner. In den USA und Kanada hat die Gruppe bei den von ihr übernommenen Kaufhausketten ein Wachstum von 25 Prozent erzielt – keine schlechte Zielvorgabe.

Doch Deutschland ist nicht Amerika, wissen die Pessimisten. Die deutschen Kunden sind schwierig und geizen mit ihren Kreditkarten. Und da sind auch noch die Arbeitsrechte und Gewerkschaften. Am Standort Deutschland sei schließlich schon der größte Handelskonzern Wal-Mart gescheitert, als er hier im großen Stil expandieren wollte, heißt es.

Wie aufs Stichwort meldete sich Verdi schon während des Bieterwettkampfes lautstark zu Wort. Sowohl Metro, als auch die beiden Bieter Benko und Hudson’s Bay erhielten einen mehrseitigen Forderungskatalog, in dem verbindliche Zusagen gefordert wurden. Unter anderem sollen in den nächsten fünf Jahren keine Kaufhof-Warenhäuser geschlossen und keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

Vielleicht sind die insgesamt niedrigen Erwartungen und die vielen vorhergesehenen Fallstricke ein Vorteil für Hudson's Bay. Die Kanadier können einfach nicht so tief vom Sockel stürzen wie Nicolas Berggruen.

Quelle: n-tv.de

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