Wirtschaft

Ansteckungsgefahr in Osteuropa Mirow sieht Ungarn-Risiko

Die ungarische Regierung geht auf der Suche nach einer Lösung für die Schuldenkrise eigene Wege und sorgt damit für Unruhe an den Finanzmärkten. Jetzt warnt ein hochrangiger Osteueropa-Experte vor einem möglichen Übergreifen der Unruhe auf benachbarte Staaten.

RTR2GJ9W.jpg

Wechselstube in Budapest: Alltag außerhalb der Währungsgemeinschaft.

(Foto: REUTERS)

Der Streit um den Weg Ungarns aus der Schuldenfalle zieht immer weitere Kreise. Der Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (ERBD), Thomas Mirow, warnte nun im "Handelsblatt" vor Ansteckungsgefahren. Andere osteuropäische Länder könnten in Mitleidenschaft geraten, stellte Mirow fest. Allerdings könnten sich die betroffenen Staaten durch Fortschritte bei Reformen und Sanierung vor einem Übergreifen der Schuldenkrise schützen.

Angesichts der Unruhe, die Ungarns Wirtschaftsminister an den Finanzmärkten ausgelöst hatte, bekräftigte die Regierung in Budapest noch einmal ihr Sparziel. Einem Zeitungsbericht zufolge schloss sie dabei allerdings weitere Kürzungen erneut aus.

RTR2FY6R.jpg

Eigensinniger Wirtschaftsminister: Gyorgy Martolscy.

(Foto: REUTERS)

Grund für die jüngsten Turbulenzen an den Märkten ist der Streit zwischen der Regierung in Budapest und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Frage, wie das Haushaltsdefizit reduziert werden soll.

Die Reaktion auf die Auflehnung gegen die IWF-Sparvorgaben folgte dennoch auf den Fuß: Bei der jüngsten Anleiheemission musste Ungarn höhere Zinsen zahlen. Zugleich wurde das Emissionsvolumen deutlich gekürzt. Die Finanzagentur platzierte lediglich 35 Mrd. Forint, geplant waren 45 Mrd. Forint, was etwa einem Volumen von 155 Mio. Euro entspricht. Auch stieg die Rendite binnen einer Woche um 0,19 Prozentpunkte auf 5,47 Prozent. Analysten werten das als Anzeichen für die Unsicherheit, die derzeit am Markt herrsche. Allerdings stabilisierte sich der Forint wieder, der zu Beginn der Woche deutlich unter Druck geraten war.

9232330.jpg

Osteuropa im Blick: Thomas Mirow (Archivbild).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Um die Wogen an den Finanzmärkten zu glätten hatte sich Ministerpräsident Viktor Orban zum Ziel bekannt, den Fehlbetrag auf 3,8 Prozent der Wirtschaftsleistung zu reduzieren. Dabei lehnte er einem Bericht der Zeitung "Nepszabadsag" zufolge weitere Sparmaßnahmen ab. Zugleich zeigte er sich entschlossen, die umstrittene Bankensteuer einzuführen, die in diesem und im kommenden Jahr 200 Mrd. Forint einbringen soll. Der IWF lehnt diese Steuer strikt ab: "Der Blick ruht auf 2011", sagte IWF-Experte Christoph Rosenberg, "eine massive wirtschaftliche Anpassung ist erforderlich, und die sollte nicht durch kurzfristige verzerrende Maßnahmen wie die Bankensteuer erfolgen."

Auch Osteuropa-Banker Mirow kritisiert die geplante Steuer. Die Einführung der "unverhältnismäßig hohen" Abgabe sei kein gutes Zeichen, dadurch wachse die Sorge, dass die Tätigkeit der Banken eingeschränkt und die wirtschaftliche Erholung gebremst wird.

RTR2EW8W.jpg

Zwischen Wählerwunsch und Haushaltswirklichkeit: Viktor Orban.

(Foto: REUTERS)

Experten halten es für möglich, dass die Regierung in Budapest durch ihre harte Haltung dem IWF gegenüber auf Zeit spielt und mögliche weitere Einsparungen erst nach den Kommunalwahlen Anfang Oktober anstehen.

Sowohl die Regierung in Budapest als auch der IWF halten die Tür für Verhandlungen offen.

Spanier und Griechen atmen auf

An einem weiteren Brennpunkt der europäischen Schuldenkrise, in Griechenland, zeichnete sich unterdessen eine Entspannung ab: Das hochverschuldete Land verschaffte sich zum zweiten Mal binnen einer Woche frisches Geld am Kapitalmarkt, wenngleich zu höheren Zinsen.

 Der Chef der griechischen Finanzagentur zeigte sich zufrieden damit, dass sein Land den zweiten Vertrauenstest bestanden hat, seitdem es ein milliardenschweres Rettungspaket von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds erhalten hat.

Spanien kam beim jüngsten Schritt an den Finanzmarkt sogar günstiger weg als noch im Juni: Die Investoren begnügten sich bei zwei Anleihen mit Laufzeit von einem Jahr und 18 Monaten mit weniger Zinsen als bei der vorangegangenen Emission. Die Sorgen, das Land könnte wegen seiner hohen Neuverschuldung in Schieflage geraten, hatten zuletzt etwas abgenommen.

Quelle: ntv.de, rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.