Wirtschaft

Sechs Knoten und völlig autonom Norwegen testet führerlosen Elektro-Frachter

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Noch ist "ReVolt" nur Zukunftsmusik, doch bald könnte das Schiff tatsächlich auf den Meeren passieren.

dpa

Ein Roboter-Schiff soll künftig Container über den Seeweg vor der norwegischen Küste transportieren und so die Straßen entlasten. "ReVolt" wird mit einer Batterie betrieben und fährt wie von Geisterhand. Der Test mit einer Mini-Ausgabe läuft.

Forscher des Technik-Dienstleisters DNV GL haben ein Schiff für kurze Strecken entwickelt, das ohne Besatzung auskommt und mit einer Batterie angetrieben wird. Gegenwärtig werde ein Modell des Schiffes im Maßstab 1:20 seit Frühjahr 2014 in Norwegen getestet, teilte DNV GL mit.

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Hundert Container sollen auf dem Schiff Platz finden.

(Foto: dpa)

Das Konzeptschiff mit dem Namen "ReVolt" soll auf Anregung der Regierung entlang der norwegischen Küste eingesetzt werden und Straßentransporte über Land ersetzen. Damit könne die Infrastruktur entlastet werden. Die Reichweite betrage ungefähr 100 Seemeilen; dann müsse die Batterie vier Stunden lang wieder aufgeladen werden.

Das "ReVolt"-Schiff ist im Konzept gut 60 Meter lang und 14,50 Meter breit. Es könnte rund 100 Standardcontainer (TEU) transportieren, aber auch andere Güter wie zum Beispiel Autos. Das Schiff fährt mit einer Geschwindigkeit von 6 Knoten und damit etwas langsamer als vergleichbare Küstenschiffe, wodurch sich der Wasserwiderstand und der Energieaufwand verringern. Im Vergleich zu einem dieselgetriebenen Schiff könne "ReVolt" aufgrund sinkender Wartungskosten über die Lebensdauer von 30 Jahren rund 34 Millionen Dollar Betriebskosten einsparen.

Millionen-Einsparungen möglich

Die Ingenieure konnten das Schiff mit einem senkrechten Bug ausstatten und so Energie sparen. Weil es keine Kommandobrücke und keine Räume für die Besatzung gibt, kann das Schiff mehr Ladung aufnehmen. Das Modellschiff ist jedoch noch nicht komplett autonom unterwegs. DNV GL arbeitet daran, einen computergesteuerten Kapitän an Bord zu bringen, der mit GPS, Radar, Lidar, und Kameras ausgestattet ist. Die Steuerung des Schiffes orientiert sich an der Technik selbstfahrender Autos, ist jedoch wesentlich komplexer, da Strömungen und Wellenbewegungen berücksichtigt werden müssen.

Die Technologien, die auf dem Schiff angewendet werden, könnten sich laut DNV GL mittelfristig in der gesamten Branche ausbreiten. "Der Bau und Betrieb dieses Schiffes wäre mit heutiger Technik möglich", sagte Hans Anton Tvete, der bei DNV GL maritime Transporttechnik erforscht. "Es soll Hersteller, Werften und Reeder dazu anregen, Lösungen für eine sichere und nachhaltige Zukunft zu entwickeln." Wenn die Energie für die Aufladung der Batterie aus erneuerbaren Quellen gewonnen werde, entfallen die Kohlendioxid-Emissionen für den Betrieb des Schiffes. Auch das Unfallrisiko sinkt durch die Fernsteuerung.

DNV GL ist im vergangenen Jahr aus der Fusion der beiden Unternehmen Det Norske Veritas (DNV) und Germanischer Lloyd (GL) hervorgegangen. Die Zentrale des norwegischen Unternehmens ist in Oslo angesiedelt, der wichtige Bereich Maritime in Hamburg. Insgesamt beschäftigt DNV GL rund 16.000 Mitarbeiter.

Quelle: n-tv.de, lsc/dpa

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