Wirtschaft

Leistung wie zwei Atommeiler Offshore-Ausbau auf Rekordniveau

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In der Ostsee betreibt EnBW Windparks.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nie zuvor sind in einem Halbjahr mehr Windkraftanlagen vor der deutschen Küste ans Netz gegangen. Rein rechnerisch können inzwischen mehr als drei Millionen Haushalte so mit Strom versorgt werden. Und es sollen noch erheblich mehr werden.

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In Sassnitz lagern Windrad-Teile für die Baltic-Parks.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vor der deutschen Küste haben im ersten Halbjahr Hunderte neue Windräder ihren Betrieb aufgenommen. Die insgesamt 442 Offshore-Windkraftanlagen haben eine Leistung von 1765 Megawatt, wie die Unternehmensverbände und Vereinigungen mitteilten. Insgesamt produzierten damit Ende Juni 668 Anlagen auf hoher See Strom. Mit den 2778 Megawatt können rund 3,3 Millionen Haushalte versorgt werden. Die Leistung entspricht damit in etwa dem Doppelten der großen deutschen Atommeiler.

Wie der Bundesverband Windenergie, der Wind-Fachbereich im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, die Stiftung Offshore-Windenergie und andere Institutionen mitteilten stehen von den neuen Anlagen des ersten Halbjahres stehen 350 in der Nordsee und 72 in der Ostsee. Gemessen an der gesamten installierten Leistung kommt rund 89 Prozent der Offshore-Windenergie aus der Nordsee. Dieser Anteil wird sich künftig noch erhöhen. In der Nordsee sind bereits weitere 82 Windkraftanlagen mit 352 Megawatt Leistung fertig, aber noch nicht am Netz, in der Ostsee nur 8 mit 30 Megawatt. Zudem stehen in der Nordsee 84 Fundamente, auf denen noch keine Anlagen montiert sind.

Die Verbände rechnen damit, dass die Gesamtkapazität in den Windparks des deutschen Teils von Nord- und Ostsee bis Ende des Jahres um 2250 Megawatt wachsen wird. Damit wären dann Anlagen mit insgesamt 3300 Megawatt am Netz, womit die Hälfte des bis 2020 geplanten Ausbauziels von 6500 Megawatt erreicht wäre. Ursprünglich waren einmal 10 000 Megawatt geplant, doch wurde das Ziel im Zuge der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) reduziert, um den Strompreis im Zaum zu halten.

Entscheidend für die Zukunft der Offshore-Windenergie sei nun die nächste Reform des EEG, heißt es in der Mitteilung. Ab 2017 soll die Förderung durch die feste Vergütung des erzeugten Stroms abgelöst werden durch Ausschreibungen, bei denen der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält. Die Branche sieht das kritisch, auch nach den Erfahrungen in anderen Ländern. "Wir brauchen schon 2016 Klarheit über das Ausschreibungsdesign, damit der Ausbau kontinuierlich vorangetrieben werden kann", sagte Norbert Giese, Vorsitzender des VDMA-Lenkungskreises Offshore-Windenergie. "Um ein Stop-and-go im Markt zu vermeiden, ist bei jedem Modell unabdingbar, klare Regelungen zu schaffen für den Übergang von der Festpreisvergütung hin zur wettbewerblichen Ausschreibung."

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa

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