Wirtschaft

Bangen um Standort Bochum Opel streicht 2600 Stellen

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Noch vor Weihnachten sollen die Opelianer wissen, woran sie sind.

(Foto: dpa)

Die Absatzkrise in Europa bekommt auch General Motors zu spüren. Mit seinen Europa-Töchtern Opel und Vauxhall fährt der US-Konzern einen Verlust von 500 Mio. Dollar ein. Bei Opel sollen nun 2600 Stellen in diesem Jahr gekürzt werden, für den Standort Bochum wird die Luft dünner.

Nach dem Rivalen Ford zieht auch die Opel-Mutter General Motors im verlustreichen Europageschäft die Notbremse. GM streicht in diesem Jahr 2600 Stellen in Europa. Die meisten Jobs fallen durch das freiwillige Ausscheiden von Mitarbeitern weg, teilte der Konzern bei einer Analystenkonferenz mit. Rund 2300 Mitarbeiter hätten die Europa-Abteilung des Autobauers seit Jahresbeginn bereits verlassen.

Die Mitarbeiter seien über Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen aus dem Unternehmen ausgeschieden, sagte ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim. "Das ist kein zusätzliches  Abbauprogramm", betonte der Sprecher.

Zuvor hatte GM seine Zahlen für das dritte Quartal  bekanntgegeben. Während der Gesamtkonzern 1,5 Mrd. Dollar (1,15 Mrd. Euro) Gewinn gemacht hatte, machte das Unternehmen mit seinen Europa-Töchtern Opel und Vauxhall 500 Mio. Dollar Minus. Für das laufende Jahr rechnet GM in Europa demnach mit einem Verlust zwischen 1,5 und 1,8 Mrd. Dollar.

Wie andere Massenhersteller gerät auch GM wegen der Absatzkrise in den Schuldenstaaten zunehmend unter Druck. Die exakte Höhe des Verlusts hänge von den Restrukturierungskosten für Opel im vierten Quartal ab, sagte Konzernchef Dan Akerson. Im nächsten Jahr werde das Ergebnis in Europa etwas besser ausfallen. Die Gewinnschwelle werde allerdings erst Mitte des Jahrzehnts angepeilt. Das deutet Experten zufolge daraufhin, dass GM die seit Monaten erwartete Sanierung von Opel im Schlussquartal 2012 angehen will.

Der Betriebsrat erwartet bis Mitte Dezember eine Einigung mit der Geschäftsleitung über ein Sparpaket. "Wir wollen die Leute mit einer klaren Botschaft in die Weihnachtsferien gehen lassen", sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug zu Reuters. GM-Finanzchef Dan Ammann betonte: "Wir haben immer noch eine Menge Arbeit vor uns, vor allem in Europa."

16 Milliarden verbrannt

Im dritten Quartal weitete GM den Verlust im Europageschäft auf fast eine halbe Milliarde Dollar aus nach knapp 300 Mio. Dollar vor Jahresfrist. In den vergangenen zwölf Jahren hat GM in Europa etwa 16 Mrd. Dollar verbrannt. Die Konzernmutter konnte dies zuletzt jedoch wegen besserer Geschäfte in anderen Regionen wettmachen. Der operative Gewinn kletterte im Herbstquartal auf 2,3 Mrd. Dollar. Vor einem Jahr hatten 2,2 Mrd. Dollar zu Buche gestanden. Der Konzernumsatz stieg auf 37,6 (Vorjahreszeitraum: 35,7) Mrd. Dollar. Weltweit lieferte GM im Zeitraum Juli bis September 2,3 Mio. Fahrzeuge aus, 100.000 mehr als vor Jahresfrist.

Damit ist Europa weiter der Schandfleck in einer ansonsten blütenreinen Quartalsbilanz des amerikanischen Konzerns, der mit Toyota und Volkswagen um die Weltmarktführung ringt. Die Eigner dringen schon seit längerem auf Sanierungserfolge im Europageschäft. Nach monatelangen Gesprächen hatten sich Geschäftsleitung und Gewerkschaft erst vergangene Woche auf einen Fahrplan für die Schlussphase der Verhandlungen geeinigt.

Bochum: "Entwickeln und nicht abwickeln"

Als besonders gefährdet gilt das Opel-Werk in Bochum, wenn dort Ende 2016 die Produktion des Familienwagens Zafira ausläuft. "Für das Opel-Werk Bochum ist nach dem Auslauf des aktuellen Zafira Tourer - vorbehaltlich weiterer Konsultationen - kein neues Produkt geplant", teilte die Adam Opel AG in Rüsselsheim mit und bekräftigte damit frühere Pläne.

Demnach sollen in dem Werk nach 2016 kein Modell mehr vom Band laufen. Die Verhandlungen mit Gewerkschaft und Betriebsrat zu diesem Thema sind noch nicht abgeschlossen. Die Gewerkschaft pocht auf den Erhalt auch dieses Werks und will in den Verhandlungen eine Beschäftigungsgarantie für alle vier Standorte in Deutschland über 2016 hinaus durchsetzen. Dass dabei zumindest Veränderungen in Bochum erwartet werden, deutet sich bereits an: Für das auf der Kippe stehende Werk im Ruhrgebiet sollen zusammen mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung Perspektiven entwickelt werden.

Opel hat bereits Spekulationen zurückgewiesen, dass dadurch Vorentscheidungen für die Zukunft des Standorts getroffen würden. Der Betriebsratsvorsitzende des Werks, Rainer Einenkel, erklärte, die für Bochum gegründete Arbeitsgruppe aus Vertretern des Unternehmens, der Arbeitnehmer, der Politik und weiteren Führungskräften aus der Region solle das Werk "entwickeln und nicht abwickeln".

Opel macht die Absatzmisere in Südeuropa besonders schwer zu schaffen, weil die Marke mit dem Blitz bedingt durch die globale GM-Strategie keinen Ausgleich durch Verkäufe in andere Regionen schaffen kann. Die GM-Tochter kann die Produktion nach Expertenschätzungen deshalb nur etwa zu zwei Dritteln auslasten, wodurch die Kosten das Unternehmen zu erdrücken drohen. Opel stemmt sich mit neuen Modellen wie dem kleinen Geländewagen Mokka, dem Stadtwagen Adam und dem Cabriolet Cascada gegen den Abwärtstrend. Zugleich soll die Fertigung gestrafft und durch einen gemeinsamen Einkauf mit Peugeot die Kosten gesenkt werden. Die ersten Erfolge dieser Zusammenarbeit werden allerdings erst in einigen Jahren erwartet. Kurzfristig sollen Einsparungen bei der Belegschaft helfen. Darauf weist auch hin, dass Opel offenbar Vorbereitungen für einen größeren Personalabbau trifft. Aus einem vom Betriebsrat unlängst veröffentlichten Themenkatalog für die Verhandlungen mit dem Vorstand geht hervor, dass über Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen gesprochen wird.

Quelle: ntv.de, sla/rts/AFP